Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Im Norden der Stadt geht kaum mehr die Post ab

In manchen Stadtteilen ist der Weg zur nächsten Postfiliale weit.
In manchen Stadtteilen ist der Weg zur nächsten Postfiliale weit.

Für die nördlichen Stadtteile kommt’s knüppeldick: Die Filialen in Edigheim und in der Pfingstweide sind aktuell geschlossen. Wenigstens in Oppau konnte wieder auf Normalbetrieb umgestellt werden. Und auch für Ruchheim zeichnet sich Besserung ab.

„Sind wir auf dem Weg in die Jungsteinzeit, mit Fackeln und Lichtzeichen?“ Das fragt sich Leser Peter Menges aus Edigheim. Der 93-Jährige ist für seine Postgeschäfte auf eine Filiale angewiesen, die er fußläufig erreichen kann. Doch da kommt er in seinem Stadtteil nicht weit. Die Agentur am Giselherplatz ist seit Jahresbeginn geschlossen.

Wenn Menges sich auf den beschwerlichen Weg in die Pfingstweide machen würde, stünde er zwar vor dem Schreibwarengeschäft im Einkaufszentrum am Brüsseler Ring, das im Online-Standortfinder der Deutschen Post noch als Filiale aufgelistet wird. Allerdings werden deren Dienstleistungen dort seit Mitte März auch nicht mehr angeboten. Das bestätigte ein Sprecher am Mittwoch auf Anfrage. Der veraltete Verweis im Internet werde gelöscht.

Damit bliebe Menges die Filiale in der Oppauer Kirchenstraße als Anlaufstelle. Aus privaten Gründen war die Erreichbarkeit dort zwar auch vorübergehend eingeschränkt. Aber nach einem Betreiberwechsel sei diese mittlerweile zu den regulären Öffnungszeiten wieder erreichbar, berichtet Ortsvorsteher Frank Meier (SPD) auf Anfrage.

Aktuell ist er auch an einer Lösung für die Vakanz in Edigheim dran. Auf der Suche nach einem alternativen Standort, der die Auflagen zum Betrieb einer Agentur im Auftrag der Deutschen Post erfüllt, ist er an zentraler Stelle in der Hauptstraße fündig geworden. Meier rechnet damit, die Adresse in den nächsten vier bis acht Wochen publizieren zu können. Die Unterschriften für die Übernahme einer hergerichteten Gewerbefläche seien jedenfalls geleistet.

„Kunde bleibt auf der Strecke“

Auch in Ruchheim wird eine Postfiliale seit Monaten schmerzlich vermisst, nachdem die Ladenbesitzerin in der Mutterstadter Straße die Zusammenarbeit mit dem Gelben Riesen aufgekündigt hat. „Der Kunde bleibt auf der Strecke“, schreibt Leser Franz-Josef Disson, der sich dort jahrelang vom Ehepaar Müller ausgezeichnet betreut gefühlt hatte. „Einen neuen Standort zu finden, ist nicht so leicht.“ Dem pflichtet Ortsvorsteher Dennis Schmidt (CDU) bei. Es müssten willige Kooperationspartner gefunden werden, die ihre Flächen mit der Post zu den gesetzten finanziellen Konditionen teilten und die Erreichbarkeit sicherstellten.

Für Ruchheim hat Schmidt einen solchen ermittelt und weitergemeldet. Ob sich beide Seiten handelseinig werden, wird sich in den nächsten Wochen weisen. Bis zu einer Neueröffnung erwartet Schmidt, dass vor Ort zumindest eine Paketstation mit integriertem Briefmarkenautomat aufgestellt wird, um wenigstens einen Basisservice anzubieten. Der Online-Standortplaner der Post lotst Kunden ins Oggersheimer Gewerbegebiet oder nach Mutterstadt. „Aber nach Mutterstadt existiert noch nicht mal eine direkte Busverbindung“, gibt Schmidt zu bedenken.

Post sieht Stadtgebiet gut versorgt

In der Fläche sieht die Post Ludwigshafen gut versorgt mit Anlaufstellen. Im Stadtgebiet würden 37 Filialen und Paketshops mit Partnern betrieben, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit. Damit sei das postalische Netz deutlich enger geknüpft als das anderer Unternehmen. Infolge einer deutlichen Verlängerung der Öffnungszeiten habe sich über die Jahre auch die Erreichbarkeit verbessert. Die Wochenöffnungszeit habe sich in den Verkaufsstellen von rund 18 Stunden im Jahr 1990 auf aktuell durchschnittlich 55 Stunden verlängert.

Im Wortungetüm namens Post-Universaldienstleistungsverordnung ist unter anderem der innerörtliche Abstand zwischen Filialen oder Briefkästen definiert. Danach dürfen in der Regel maximal zwei Kilometer zwischen zwei Filialen liegen, zwischen zwei Briefkästen nur ein Kilometer. In der Ludwigshafener Innenstadt liegt diese Distanz bei rund 300 Metern, führte der Sprecher ein Indiz für eine strukturelle Überversorgung an.

Was ein schwacher Trost ist für Peter Menges oder Franz-Josef Disson, denen diese Garantien in Edigheim und Ruchheim nicht gegeben werden können. An Abhilfe und der Wiederherstellung einer Grundversorgung wird jedenfalls gearbeitet, auch in der Pfingstweide. Weiteren Handlungsbedarf infolge angedrohter oder ausgesprochener Kündigungen von Kooperationspartnern im Stadtgebiet sieht die Post nicht.

Im Netz

Hier finden Sie den nächstgelegenen Briefkasten, DHL-Paketshop, die nächste Filiale oder Packstation: https://www.deutschepost.de/de/s/standorte.html

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