Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Im Kultlokal gehen die Lichter aus: Das „Heller’s“ schließt

Das Konzept funktioniert lang: Die Kunden bedienen sich selbst, an der Kasse wird der Teller gewogen.
Das Konzept funktioniert lang: Die Kunden bedienen sich selbst, an der Kasse wird der Teller gewogen.

Nächste Hiobsbotschaft aus der Mannheimer Innenstadt: In dem vegetarischen Restaurant werden am Freitag die letzten Gäste bewirtet. Die Tochter des Gründers erzählt, wie es dazu kommen konnte.

Es war angeblich das erste vegetarische Restaurant Deutschlands. Doch nun muss das „Heller’s“ in Mannheim schließen. Das Lokal ist insolvent. Und die Quadratestadt verliert dadurch eine feste Institution, die der 2021 verstorbene Wolfgang Heller vor 36 Jahren gegründet hat und die über Mannheims Grenzen hinaus bekannt ist. Dass es in Ludwigshafen vor vielen Jahren auch mal eine Filiale gab, wissen nur noch wenige. „Es ist nicht einfach“, sagt Sandra Heller-Saraci, die Tochter des Gründers. Seit 24 Jahren kümmert sie sich um die Personalangelegenheiten und blickt nun einem nicht wirklich fröhlichen Weihnachtsfest entgegen. Dass sein Lebenswerk in Gefahr ist, ahnte ihr Vater schon vor Jahren.

Ein rein vegetarisches Restaurant eröffnen? Was heute voll im Trend liegt, war zur Gründungszeit des „Heller’s“ ein Wagnis. Doch Wolfgang Heller ist es eingegangen. Aus Überzeugung. Und sein Restaurant im Quadrat N7 hielt sich wacker. Doch nun steht dieser 22. Dezember an. Der Tag, an dem die Gäste dort ein letztes Mal essen gehen können. „Schon seit Monaten drücken uns die Menschen ihr Bedauern aus“, erzählt Sandra Heller-Saraci, die seit dem Tod ihres Vaters im Auftrag der Erbengemeinschaft die Geschicke übernommen hat. Eigentlich sollte dies ein Geschäftsführer übernehmen. „Doch es fand sich keiner“, sagt sie.

Die Gründe sind vielfältig

Aber von vorne. Die Gründe, warum das eigentlich beliebte Restaurant nun schließen muss, liegen nicht nur in einer fehlenden Geschäftsführung, sondern sind vielfältiger. Schon im Oktober gab es erste Anzeichen, dass der Betrieb nicht mehr aufrechterhalten werden kann. Deshalb engagierte das „Heller’s“ einen Insolvenzverwalter. „Der Hauptauslöser war die Corona-Pandemie“, betont die Personalleiterin. Insgesamt zehn Monate musste das „Heller’s“ damals schließen. Vieles wurde teurer.

Und als die Restaurants wieder den Normalbetrieb aufnehmen konnten, kamen deutlich weniger Gäste. „Vor den Schließungen waren es täglich etwa 600, danach vielleicht rund 150“, berichtet Sandra Heller-Saraci. Und sie gibt zu bedenken: Die laufenden Kosten des Betriebs bleiben ja trotzdem bestehen, auch wenn die Einnahmen sinken. „Wie soll das noch funktionieren?“, stellt sie die Frage in den Raum. Letztlich sei das Restaurant einst sogar für 1000 Gäste pro Tag konzipiert worden.

Gäste bieten Hilfe an
Zeit des Abschieds: Das „Heller’s“ wird vielen Stammgästen fehlen.
Zeit des Abschieds: Das »Heller’s« wird vielen Stammgästen fehlen.

Doch bei Corona blieb es nicht. Es folgte der Ukraine-Krieg und die daraus resultierenden weiteren Preiserhöhungen. „Wir waren dadurch ebenfalls gezwungen, die Preise zu erhöhen. Es ging nicht anders“, sagt die Gründer-Tochter. Aber nicht jeder kann oder will sich heutzutage mehr einen Restaurantbesuch leisten. Die Gästezahl im „Heller’s“ pendelte sich zwar bei 280 bis 300 Personen pro Tag ein. Doch auch dies sei zu wenig für ein erfolgreiches Weiterbestehen. „Und deshalb mussten wir die Reißleine ziehen.“

Viele Gäste hätten ihre Hilfe angeboten, wollten ihr finanziell unter die Arme greifen, erzählt Sandra Heller-Saraci gerührt. „Doch man unterschätzt die Betriebskosten“, erklärt sie weiter. Das hätte bei Weitem nicht ausgereicht. Ein Stammgast hat sogar einen Aufruf gestartet, um einen Investor zu finden. „Und auch wir haben alles erdenklich Mögliche versucht.“ Doch die Verschuldung stieg. Kein möglicher Investor meldete sich. Zusätzlich wurde das Personal knapp. „Während der vor allem für die Gastro unsicheren Zeiten in der Pandemie orientierten sich viele um“, erklärt Heller-Saraci.

Gibt es doch noch eine Wende?

Und auch aktuell findet die Gastronomie bekanntlich nur sehr schwer neues Personal. Ein harter Kern des „Heller’s“ blieb dennoch und packte mit an, um vielleicht doch noch das Ruder herumzureißen. Aber es wollte nicht gelingen. „Viele arbeiten hier schon ihr halbes Leben. Wir sind wie eine Familie“, sagt Sandra Heller-Saraci einerseits stolz, andererseits mit großem Bedauern, dass sich diese Familie wahrscheinlich auflösen muss. Das knapp 40-köpfige Personal erhält seit Oktober von der Agentur für Arbeit ein befristetes Insolvenzgeld. Das läuft nun Ende Dezember aus. Trotzdem: „Alle haben versprochen, dass sie bis zum Ende bleiben. Auch zum Aufräumen“, sagt Heller-Saraci. Dafür ist sie dankbar. Und die Chefin selbst? Wie geht es mit ihr nach der Schließung weiter? „Bis hier nicht alles aus- und aufgeräumt ist, mache ich keine großen Pläne“, sagt sie. Auf jeden Fall aber brauche sie erst einmal zwei, drei Wochen Pause. „Es hing alles an mir.“

Weihnachten gilt bekanntlich als Fest der Hoffnung. Und tatsächlich kursiert das Gerücht, dass sich möglicherweise doch noch auf die Initiative des Stammgasts hin ein interessierter Investor gemeldet habe. Aber Sandra Heller-Saraci möchte nicht von einem Hoffnungsschimmer reden. „Der 22. Dezember steht weiterhin als letzter Tag fest. Erst, wenn Verträge unterschrieben sind, beginne ich zu hoffen.“ Denn so einfach wäre eine Übernahme nicht. „Ein neuer Inhaber müsste hier erst einmal sanieren und renovieren – viel Geld reinstecken“, gibt Heller-Saraci zu bedenken. Denn das „Heller’s“ ist in die Jahre gekommen und alles in allem nicht mehr auf dem modernsten Stand. Vielleicht ist ja das allerletzte Wort trotzdem noch nicht gesprochen.

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