Ludwigshafen „Ich will, ich kann, ich werde mich durchsetzen“
Frauen sind oft zurückhaltender als Männer, backen mitunter zu kleine Brötchen, trauen sich selbst zu wenig zu – trotz Qualifikationen und Talenten. Das ist die Quintessenz einer Podiumsdiskussion, die der Leiter der „Ludwigshafener Rundschau“, Steffen Gierescher, gestern Morgen zum Auftakt des Infotags „Frau und Beruf“ moderiert hat. Etliche Frauen warteten schon um kurz vor 9 Uhr vor den Pfalzbau-Türen, weit über 300 kamen zu der Veranstaltung.
Bei der Betreuung der Langzeitarbeitslosen in den Jobcentern sollen Mittel gekürzt werden: Diese Nachricht sorgt derzeit für Kontroversen in der Politik. Von Anja Hölscher, Geschäftsführerin des Jobcenters Vorderpfalz, wollte Moderator Gierescher daher zu Beginn wissen, worauf sich die Agentur vor Ort in naher Zukunft einstellen muss. Aber Hölscher beruhigte: „In Ludwigshafen wird es kein Förderchaos geben. Wir sind gut aufgestellt.“ Für die nächsten Jahre stehen der Geschäftsführerin zufolge ausreichend Mittel für die aufgelegten Förderprogramme zur Verfügung. Nach Ansicht von Beatrix Schnitzius sind Frauen auf dem Arbeitsmarkt nicht grundsätzlich benachteiligt. Aber sie stapeln oft tief und sprechen nicht über das, was sie können, berichtete die Leiterin der Ludwigshafener Arbeitsagentur. An die Zuhörerinnen appellierte sie: „Wir bringen Menschen und Arbeit zusammen, und wir hätten sie gern!“ Der Infotag sei für sie ein voller Erfolg, wenn am Ende viele Frauen sagen: „Ich will, ich kann und ich werde mich durchsetzen.“ Mit beeindruckenden Zahlen wartete Barbara Limbeck, Leiterin des Mannheimer Gründerinnenzentrums Gig7, auf. Im Vorjahr habe die Einrichtung 230 Beratungsfälle gezählt. 210 Frauen seien in die Selbstständigkeit gestartet. Existenzen, die in „Gig7“ begonnen hätten, seien zu 80 Prozent nachhaltig am Markt, das bedeutet fünf Jahre und länger. In Sachen Existenzgründung sieht Limbeck bei Frauen unterschiedlichen Alters großes Potenzial. Am stärksten sei zwar die Gruppe der 30- bis 50-Jährigen vertreten. Aber auch die ganz jungen und die Generation 50 plus seien ehrgeizig und fit. Sie ermunterte: „Kämpft für das, was ihr wollt.“ In vielen Fällen gehe es vor allem darum, das Selbstbewusstsein der Frauen zu aktivieren, die über ihre Pläne in der Regel länger nachdenken als Männer und nicht so schnell einen Existenzgründerkredit erhalten würden. Dass Frauen beim Wiedereinstieg in den Beruf einen langen Atem brauchen, dafür ist Salebia Seneadza ein Beispiel. Eineinhalb Jahre lang hat die Diplom-Betriebswirtin Bewerbungen geschrieben. Inzwischen arbeitet sie als Vertriebsassistentin bei einem Personaldienstleister. Die Wiedereinstiegsberatung sei für sie sehr wichtig gewesen, erzählte die 45-Jährige. Das Bewerbertraining habe ihr die eigenen Stärken vor Augen geführt und ihr Selbstbewusstsein gestärkt. Einen wichtigen Tipp hatte Natalie Spitzer für Frauen auf Jobsuche mitgebracht. Frauen, die kleine Kinder oder auch ihre eigenen Eltern betreuen oder pflegen, sollten ihre familiären Verpflichtungen gut organisiert haben, wenn sie in ein Bewerbungsgespräch gehen. Das sei für den Arbeitgeber sehr wichtig, meinte die Personalreferentin bei der Wöllner GmbH. In Bewerbungsgesprächen empfahl sie den Frauen, sich nicht zu verstellen, sondern authentisch zu sein. (evo)