Handball RHEINPFALZ Plus Artikel „Ich will als emotionaler Leader vorangehen“

Das Feingespür für die Mannschaft haben und finden – darauf legt Maximilian Haider (Mitte) Wert.
Das Feingespür für die Mannschaft haben und finden – darauf legt Maximilian Haider (Mitte) Wert.

Maximilian Haider ist der neue Kapitän bei Handball-Zweitligist Eulen Ludwigshafen. Jan Remmlinger ist sein Stellvertreter. Der 26 Jahre alte Haider hat Respekt vor dieser Aufgabe und spricht mit Marek Nepomucky darüber, worauf er Wert legt, was er von seinen Vorgängern Philipp Grimm und Gunnar Dietrich gelernt hat – und er erzählt, was ein guter Kapitän können sollte.

Herr Haider, Sie waren unter Gunnar Dietrich stellvertretender Kapitän der Eulen Ludwigshafen. Ist Ihre Beförderung zum Kapitän nun der logische Schritt?
Nein, das würde ich nicht sagen, weil wir mit einem neuen Trainer und einem neuem Mannschaftsgefüge die neuen Aufgaben erst angehen müssen. Seit ich bei den Eulen bin, schreibe ich mir auf die Fahne, dass ich ein Führungsspieler sein will. Daher freut es mich umso mehr, dass ich Kapitän sein darf. Es ist eine riesen Ehre, die ich gerne annehme.

Wie groß sind die Fußstapfen, die Gunnar Dietrich, der ja nun für den Drittligisten TuS Dansenberg spielt, hinterlässt?
Ich sehe es sogar noch ein bisschen weiter. Ich habe Philipp Grimm als Mannschaftskapitän miterlebt. Ich durfte nun schon von vielen Kapitänen lernen. Wenn man das Gesamtbild Dietrich und Grimm sieht, dann sind die Fußstapfen riesig. Es sind die erfolgreichsten Handballer, die es jemals bei den Eulen gab. Nicht nur sportlich, auch menschlich sind die Fußstapfen enorm. Um im Bild zu bleiben: Ich will die Fußstapfen etwas ausfüllen. Ich will aber Max Haider sein, ich will meine eigenen Qualitäten einbringen.

Sie wollen Ihre Qualitäten einbringen. Worauf legen Sie Wert als Kapitän?
Ich habe gemerkt, dass man als Kapitän Aufgaben auch verteilen kann, dass dies mehr Führung ausmacht als alles selbst zu übernehmen. Ich will definitiv als emotionaler Leader vorangehen. Ich will, dass alle gleichwertig behandelt werden und sich als gleichwertiges Mitglied sehen. Dafür möchte ich Aufgaben delegieren, sodass sich jeder in der Verantwortung sieht, das Team zu unterstützen. Das macht auch die Aufgabe eines Kapitäns aus, zu wissen, wem man welche Rolle überträgt und dann natürlich auch einen gewissen Teil selbst zu übernehmen.

Maximilian Haider wird als Kreisläufer und in der Abwehr gefordert sein.
Maximilian Haider wird als Kreisläufer und in der Abwehr gefordert sein.

Haben Sie denn doch schon im Kopf, wer Bierwart, Grillwart, Ballwart oder Trikotwart wird?
(lacht) Das entscheide ich nicht alleine. Das werden wir gemeinsam verteilen. Jedenfalls werden wir gute Lösungen finden. Es sollte ja alles gut laufen. Das liegt im Interesse der Mannschaft.

Sie sagten, es sei eine große Ehre, Kapitän zu sein. Was zeichnet denn einen guten Kapitän aus?
Genau zu wissen, wann man vorangehen muss und wann man sich zurücknehmen sollte. Auch sollte man das Gespür für jeden Spieler und möglichst alles im Blick haben. Man sollte erkennen, was braucht die Mannschaft gerade und was nicht? Dieses Feingefühl macht einen guten Kapitän aus. Ein Trainer hat nicht den gleichen Einblick ins Team wie ein Spieler. Das ist auch gut so. Denn manchmal sollten gewisse Dinge in der Mannschaft bleiben. Ein Kapitän sollte dann das Gespür haben, was ein Spieler gerade braucht und auch wissen, was er mit dem Trainer aus dem Innenleben der Mannschaft bespricht.

Sie haben Jan Remmlinger als Stellvertreter. Durften Sie bei dieser Personalie mitreden?
Nein. Auch das hat der Trainer entschieden. Wir werden ein gutes Team mit einer guten Aufgabenverteilung sein. Lösungen muss und will ich nicht alleine finden. Dafür ist ein Kapitän nicht zwingend da. Ich würde eher sagen, der Kapitän sollte die richtigen Fragen stellen. Ich muss nicht auf alles eine Antwort haben. Deswegen gibt es den Stellvertreter und viele Spieler mit Führungsqualitäten.

Gibt es denn schon einen Mannschaftsrat?
Nein, der wird in den kommenden Tagen gewählt.

Die ersten Trainingseinheiten sind vorüber. Wie ist Ihr Eindruck von der neuen Mannschaft?
Sehr gut. Ich freue mich, dass alle ohne Verletzungen in die Vorbereitung gekommen sind. Das ist das Wichtigste. Das hatten wir nicht immer. Unser neuer Trainer Michel Abt hat einen großen Plan – hinter allem, was er tut. Es fühlt sich alles gut an. Die Jungs haben alle viel Lust, etwas zu bewegen und für eine kleine Aufbruchstimmung zu sorgen. Es macht Spaß, auch wenn es anstrengend ist und manchmal auch weh tut.

Michel Abt übernahm das Amt vier Spieltage vor Schluss in der vergangenen Saison. Sie kennen sich aus gemeinsamen Zeiten bei den Rhein-Neckar Löwen. Wie ist die Zusammenarbeit?
Sehr eng. Es tut gut, dass ich Michel aus Kronauer Zeiten kenne. Ich weiß, wie er tickt und er weiß, wie ich ticke. Davon profitieren wir beide. Ich der freien Zeit hatten wir häufiger Kontakt. Der Austausch wird sehr gut bleiben. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit. Wenn wir alle an einem Strang ziehen, dann können wir einiges bewegen.

Seit Maximilian bei den Eulen Ludwigshafen ist, hat er sich auf die Fahnen geschrieben, ein Führungsspieler zu sein.
Seit Maximilian bei den Eulen Ludwigshafen ist, hat er sich auf die Fahnen geschrieben, ein Führungsspieler zu sein.

Wann haben Sie erfahren, dass Sie Kapitän werden?
Michel Abt rief paar Tage vor der Vorbereitung an und erzählte mir von seinem Vorhaben. Er wollte dazu meine Meinung hören und bat mich, dass ich mir darüber ein paar Gedanken mache.

Und haben Sie schon Ihre erste Kapitänsrede vor der Mannschaft gehalten?
Das ist bei uns zum Glück nicht so Pflicht. Das klingt zu sehr nach Hierarchie. Bei uns in der Mannschaft ist das Kapitänsamt ein Titel. Wenn es hart auf hart kommt, dann hat mein Wort Gewicht. Aber ich würde nicht sagen, dass ich mich über irgendetwas stelle.

Sie sagten, Sie können etwas bewirken, wenn alle an einem Strang ziehen. Wohin soll das führen?
Wir haben ein ganz schwieriges Jahr hinter uns. Daraus sollten wir lernen. Wir müssen uns in jedes Spiel reinhängen. Trotz der enormen Abgänge haben wir die Qualität, jedes Spiel gewinnen zu können. Aber darüber haben wir in der Mannschaft noch nicht gesprochen. Das wird nun noch kommen im Laufe des Trainingslagers.

Zur Person

Maximilian Haider

Das Handballspielen erlernte der in Wiesbaden geborene und in München aufgewachsene Haider beim TSV Allach. Im Alter von 15 Jahren wechselte er ins Sportinternat nach Kronau. 2013 wurde er Jugend-Nationalspieler und nahm an Europa- und Weltmeisterschaften teil. Haider war Kapitän des Drittligisten SG Kronau-Östringen. Der neue Eulen-Trainer Michel Abt war damals sein Coach. Der 1,97 Meter große Rechtshänder gehörte dem erweiterten Kader der Rhein-Neckar-Löwen an. Ein Bundesligaspiel gegen Eisenach hat er bestritten. Nach seinem Abitur 2014 begann studierte Haider BWL. Er hat seinen Master gemacht und sich in anderen Gebieten weitergebildet – unter anderem Ernährungswissenschaften. Haider reist zudem sehr gerne und hat schon zahlreiche Länder besucht.

Maximilian Haider und Trainer Michel Abt kennen sich aus gemeinsamen Zeiten bei der Rhein-Neckar Löwen.
Maximilian Haider und Trainer Michel Abt kennen sich aus gemeinsamen Zeiten bei der Rhein-Neckar Löwen.
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