Ludwigshafen „Ich setze inzwischen andere Prioritäten“
«Ludwigshafen.»Der Wasserballer Martin Görge (27) gehörte zu den dienstältesten Spieler des SC Neustadt. Vor dieser Saison kehrte der Ludwigshafener zurück zu seinem Heimatklub WSV Ludwigshafen. Innerhalb von fünf Tagen traf Görge zweimal auf seinen Ex-Klub Neustadt. Warum wechselt ein früherer Bundesliga-Spieler (SSV Esslingen, SC Neustadt) und Top-Torschütze in die Zweite Liga?
Wir waren nicht in Bestbesetzung. Überhaupt ist ein Abendspiel nicht optimal. Ich war gerade mal fünf Minuten zu Hause. Ich gab schnell meiner Frau einen Kuss, meinem Sohn einen Kuss und musste dann fahren. Es fehlte uns die Motivation. Was waren die Gründe für Ihren Wechsel im Sommer zum WSV? Ich entschied mich für eine Rückkehr nach Ludwigshafen, noch bevor feststand, dass der SC Neustadt nicht in der Bundesliga bleibt. Ich setze inzwischen andere Prioritäten in meinem Leben. Wasserball soll mir noch Spaß machen, ein Hobby bleiben. Es steht aber nicht mehr an erster Stelle. Und was steht jetzt an erster Stelle? Görge lacht. Nun, mein Sohn Finn wird jetzt bald fünf Monate. Also die Familie ist mir wichtig, aber auch mein Beruf im Controlling der BASF. Der Beruf ist eine Herausforderung. So bin ich jetzt auch nicht mehr in jedem Training dabei. Positiv ist, dass ich in drei Minuten im Hallenbad bin. Wasserball setzt Kondition voraus. Wie kompensieren Sie das, wenn Sie nicht mehr so viel trainieren? Wenn die Puste nicht mehr reicht, lernt man auch, sich während des Spiels ein bisschen zu regenerieren. Dann schwimmt man auch nicht jeden Angriff zu hundert Prozent mit. Aber gerade im Angriff sind Sie mit 37 Treffern aus zehn Zweitliga-Spielen in Ihrem Verein spitze und liegen auf Rang vier der Torjägertabelle der Zweiten Liga. Wie war das jetzt in den Spielen gegen Neustadt? Das hat der SCN am Samstag beim 9:8-Erfolg gegen uns im Ligaspiel clever gelöst. Da kam ich nicht zum Abschluss. Immer wenn ich den Ball hatte, hingen Matthias Held und Fernando Mongrell auf mir. Sie haben mich vollkommen aus dem Spiel genommen. Am Mittwoch im Pokal habe ich zwar zwei Tore erzielt, aber das war in der zweiten Spielhälfte. Da hat der SCN-Coach Davorin Golubic seine Routiniers geschont. Wie fühlte es sich an, gegen die alten Kameraden zu spielen? Gerade am Samstag war es, blickt man auf das Spielprotokoll, ja eine hitzige Partie. Die Anspannung war ganz normal, wie bei jedem Spiel. Die Spiele haben zwar Derbycharakter, aber ich sehe das nicht so dramatisch. Fernando Mongrell und Matthias Held waren nach dem Spiel am Samstag mit ihren Partnerinnen sowie mit mir und meiner Frau gemütlich essen und danach noch bei uns zu Hause.