Ludwigshafen „Ich brauche die Interaktion mit anderen Künstlern“
Premiere beim Speyerer Gitarrensommer: Die Musikerin Susan Weinert gibt heute Abend zusammen mit ihrem Ehemann Martin Weinert zum ersten Mal ein Konzert beim Festival im Alten Stadtsaal. Die 51-Jährige aus dem Saarland hat sich als Jazzgitarristin auch international einen Namen gemacht.
Ich denke nicht in solchen Kategorien. Für mich steht die Musik im Vordergrund. Letztlich versuche ich meine Gefühle in Musik auszudrücken. Wenn das anderen Menschen etwas gibt, ist das ein gutes Gefühl. Gibt es in der Jazzszene einen Frauen-Bonus? Als Musikerin wird man leider noch immer als etwas Exotisches wahrgenommen. Ich fürchte, das wird sich nie ändern. Meine Eltern haben sich einen Sohn gewünscht, aber das Leben ging andere Wege. Meine Schwester und ich sind als Jungs erzogen worden. Wer weiß, vielleicht bin ich so zum Männerinstrument Gitarre gekommen. Ich habe es nie so empfunden, dass ich als Frau bevorzugt behandelt worden wäre. Wurde Ihnen das Musiker-Gen schon in die Wiege gelegt? Von Seiten meines Vaters ja. Er war ein musischer Mensch und spielte in seiner Freizeit gerne Klavier. Was war Ihre Initialzündung? Die Entscheidung, das Gitarrespielen zum Beruf zu machen, fiel, als ich 17 Jahre alt war. Nach einem wahnsinnig beeindruckenden Konzert des amerikanischen Gitarristen Pat Metheny. Wie sah ihre Ausbildung aus? Ich hatte das Glück, bei sehr guten Lehrern lernen zu dürfen, und war zusammen mit Martin häufig bei Workshops in Europa und in den USA unterwegs. Von dem Wissen profitieren wir heute noch. Aber das ist nur eine Seite. Die andere Seite ist die, dass man sich als Künstler nur weiterentwickeln kann, wenn man nie wirklich das Gefühl hat, irgendwo an einem Ziel angekommen zu sein. Wann kam Martin mit dem Kontrabass ins Spiel? Ich lernte Martin kennen und lieben, als ich 15 Jahre alt war. Wir haben sofort ein gemeinsames musikalisches Projekt auf die Beine gestellt. Seitdem haben wir über 3000 Konzerte gemeinsam gespielt. Wo liegt für Sie der Unterschied zwischen Duo und Solo? Um ganz ehrlich zu sein, habe ich noch nie ein Solokonzert gegeben. Ich brauche die Interaktion mit anderen Künstlern, die Inspiration, die vom gemeinsamen Musizieren ausgeht. Mit Martin ist das sehr einfach. Schreiben Sie alle Stücke selbst? Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich ständig Ideen für Kompositionen habe. In der Schublade liegen Songs, die für drei bis vier CDs reichen. Können Sie Ihre Beziehung zu Ihren Instrumenten beschreiben? Ich suche immer einen speziellen Sound. Deshalb spiele ich ausnahmslos auf Instrumenten, die speziell für mich gebaut worden sind. Die Gitarre muss diesen ganz speziellen Spirit haben, der sie einzigartig macht. Wie viele Gitarren gibt es im Hause Weinert? Ich bin keine Sammlerin. Daher gibt es drei elektrische und drei akustische Gitarren – zwei davon mit Nylon- und eine mit Stahlsaiten. Und welche spielen Sie in Speyer? Auf jeden Fall eine akustische mit Nylonsaiten. Damit kann ich momentan meine Gefühle am besten ausdrücken. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich mein „Klärchen“, die ich schon seit 16 Jahren spiele, mitnehme oder meiner neuen Gitarre „Johanna“ mit der Doppeldecke den Vorzug gebe. Was hören die Besucher in Speyer? Songs von unseren akustischen Alben, aber auch neue Stücke von der nächsten CD. Termin Konzert mit Susan Weinert heute um 20.30 Uhr im Alten Stadtsaal in Speyer. |Interview: Ellen Korelus-Bruder