Ludwigshafen „Ich bin für den EU-Austritt, Brüssel mischt sich zu viel ein“
Die Briten haben sich für mit knapper Mehrheit für den „Brexit“ entschieden und werden die EU verlassen. In Ludwigshafens Partnerstadt Havering fiel das Votum gegen Europa sehr deutlich aus. Wir haben mit dem politischen Repräsentanten Roger Ramsey über die Abstimmung und die Folgen für die Städtepartnerschaft gesprochen.
70 Prozent der Wähler stimmten für den Austritt und 30 Prozent für den Verbleib in der EU. Glauben Sie, die Leute haben gewusst, worüber sie abstimmen? Oder war das eher eine emotionale Entscheidung, eine Art Protestwahl gegen soziales Ungleichgewicht gepaart mit dem Wunsch nach der „guten alten Zeit“ des britischen Empires? Mein Eindruck ist, dass es bei der Abstimmung um Souveränität und Frustration über die Einmischung von Brüssel in unsere inneren Angelegenheiten ging. Was meinen Sie damit? Die EU mischt sich in den britischen Gesetzgebungsprozess ein und damit in die Art, wie wir unser Land regieren: wie wir unsere Grenzen kontrollieren oder wie wir mit dem aufgeblasenen öffentlichen Dienst umgehen. Sie sind ein Konservativer. Wie haben Sie persönlich abgestimmt? Ich habe für den Austritt aus der EU gestimmt, weil ich die Bedenken gegen Brüssel teile. Haben Sie als politischer Repräsentant des Londoner Stadtbezirks Havering den früheren Londoner Bürgermeister und jetzigen „Brexit“-Befürworter Boris Johnson kennengelernt? Seine Gegner sagen, er wäre ein Demagoge, der Premierminister anstelle von David Cameron werden will? Ich habe mit Boris Johnson zusammengearbeitet in seiner Zeit als Londoner Bürgermeister. Und ich habe ihn nicht als Demagogen, sondern als einen Menschen kennengelernt, mit dem man gut zusammenarbeiten kann und mit dem man gut auskommt. In der Debatte um den Brexit gab es viel Hass. Hätte der Mord an der Parlamentsabgeordneten Jo Cox ein Wendepunkt sein können? Ich bin nicht glücklich über das Niveau der Debatte in einigen Punkten. Der tragische Mord scheint aber kein Wendepunkt gewesen zu sein. Nach dieser Art der politischen Debatte: Wird es eine lange Zeit brauchen, um die verschiedenen Lager in der britischen Gesellschaft wieder zu versöhnen? Werden die Wunden heilen? Ich habe meine Zweifel. Aber ich werde sicherlich meinen Beitrag dazu leisten, dass bei uns in Havering die Wunden heilen. Wird sich der „Brexit“ auf die Städtepartnerschaft zwischen Ludwigshafen und Havering auswirken? Ich glaube das nicht. Und ich bin sicher, dass wir die Freundschaft und die Verbundenheit mit unseren deutschen Partnern weiterführen und auch weiterschätzen werden. | Interview: Michael Schmid