Ludwigshafen „Ich bin ein bisschen Eulen-Fan“
Herr Günther, reden die städtischen Verantwortlichen in Leipzig noch mit Ihnen?
Auf jeden Fall.
Nach Ihrer Brandrede bezüglich Zuschauern bei Heimspielen hätte man durchaus verstehen können, wenn Funkstille herrschen würde.
Es war ja ein eindringlicher Appell zu mehr, zu intensiveren Fachdialogen, damit man gemeinsam mehr erreichen kann. Wir haben die gleichen Ziele: Wir wollen, dass die Menschen rasch und sicher ins normale Leben zurück können .
Sie sprachen es an: Schritt zurück in die Normalität. Die Reaktionen bezüglich ihres Auftritts waren positiv. Sie haben viel Zuspruch und Rückendeckung bekommen. War das ein Weckruf auch im Hinblick auf die rasche Rückkehr zur Normalität?
Mir geht es unter anderem in diesem Punkt viel zu langsam. Klar ist es schön, wenn wir am Donnerstag vor 100 Zuschauern in der Eberthölle spielen können, das macht definitiv mehr Spaß als ein Geisterspiel. Doch das sind nicht mal fünf Prozent Auslastung, trotz super Hygienekonzept, Masken- und Testpflicht, und die gleichen 100 gelten für jede Schulturnhalle, die damit ausverkauft ist. Wer denkt sich solche Zahlen aus? Mir fehlt da ein Stück weit die wissenschaftliche Basis. Dies haben wir mit der Restart19 Studie jedoch ganz klar ermitteln können. Da ist bei einer Inzidenz unter 100 eine Auslastung der Halle von einem Viertel möglich, wenn sie 50 unterschreitet sogar von 50 Prozent wenn man sich an die Hygieneregeln, wie Maske, Abstand, Testung et cetera hält. Ich drücke den Eulen da sehr die Daumen, dass sie im Saisonendspurt die Chance bekommen, sich an diese Größenordnungen heranzutasten. Denn ich weiß, dass der Verein, mit Lisa Heßler an der Spitze eines engagierten Teams, eine fantastische Arbeit macht und man sich drauf verlassen kann, dass alles klappt.
Glauben Sie, dass in der kommenden Saison wieder ausverkaufte Hallen zu sehen sind?
Wenn wir mit der Impfung weiterkommen, wenn wir Sicherheitsmechanismen wie Masken und Tests anwenden können, dann sehe ich keinen Grund, warum die Hallen nicht wieder voll sein sollten. Wem das zu heiß ist, der schaut die Spiele einfach zu Hause im Fernsehen an.
Welche Erkenntnisse nehmen Sie aus der Pandemie mit, die auch in Zukunft von Nutzen sein könnten?
Dass man als Gemeinschaft Dinge schaffen kann, die vorher aussichtslos erscheinen. Dass wir einen riesigen Vertrauensvorschuss von Fans und Sponsoren haben, die uns von daheim aus durch diese verrückte Zeit begleitet und die Treue gehalten haben. Dass wir als Sportler und Sportvereine eine ganz wichtige Vorbildfunktion und die Kraft haben, Menschen mitzunehmen. Dessen müssen wir uns bewusst sein, aber auch die Politik, welche die Rahmenbedingungen für solche sportlichen Leuchttürme maßgeblich beeinflussen kann.
Sie und Ihr Verein sind für kreative Wege bekannt. Gehören da die Dokumentationen über das Team dazu?
Ich weiß nicht, ob das heute noch kreativ ist. Uns ging es darum, die Nähe zu unseren Fans herzustellen. Wir wollten sie in Zeiten der Distanz teilhaben lassen an unserer Arbeit, an unserem Alltag. Sie konnten so noch besser mitfiebern und ein paar Blicke hinter die Kulissen werfen.
Solche Dokus gibt es ja auch über Manchester City, Borussia Dortmund oder aber die SG Flensburg-Handewitt. Wie viel Überzeugungsarbeit mussten Sie leisten?
Er war bei der Ideenfindung dabei und musste nicht überzeugt werden. Das war für uns alle eine sehr interessante Möglichkeit der Selbstbeobachtung. Nicht alles konnte wirklich ausgestrahlt werden und neben allen sportlichen Erkenntnissen, die wir daraus mitnehmen konnten, war teilweise auch richtig gutes Entertainment dabei. Unsere Leute hatten jedenfalls viel Spaß und ich denke, es wird eine Fortsetzung geben.
Am Donnerstag geht es zu den Eulen Ludwigshafen. Fünf Siege aus sieben Spielen, treffen auf drei Siege aus drei Spielen. Ist es das Duell der Mannschaften der Stunde?
Auf alle Fälle treffen zwei Teams aufeinander, die im Frühling richtig aufgeblüht sind und auf der Zielgeraden der Saison einen starken Lauf entwickeln. Wir haben großen Respekt vor den Eulen, weil das eine Mannschaft ist, die eine positive Grundeinstellung hat, sich im Saisonverlauf immer steigert und die sich ihren Slogan zu eigen gemacht hat: Niemals aufgeben. Ich kann der sportlichen und der Vereinsführung nur meinen größten Respekt zollen, mit welcher Ruhe und Akribie hier versucht wird, das Unmögliche immer wieder möglich zu machen. Da wird man automatisch auch ein bisschen Eulen-Fan, da mache ich keinen Hehl draus und drücke die Daumen, dass sie drin bleiben und wir nächste Saison wieder gegeneinander spielen können.
Bennet Wiegert, der Trainer des SC Magdeburg, sagte mir im Interview, er verfolge den Weg der Eulen intensiv. Denn er mag die ehrliche Arbeit hier. Auch Sie haben ein Faible für die Eulen, räumten Sie ein. Nun kämpfen die Eulen, Minden und Balingen gegen den Abstieg. Drückt man im Herzen einem Team mehr die Daumen als einem anderen?
Wir haben zu allen drei Vereinen gute Verbindungen, Spieler die von dort kommen oder dorthin wechseln und so weiter. Da wäre es unfair, jetzt einen zu bevorzugen. Am Ende wird es der Beste schaffen und dann auch zu Recht, egal was mein Herz dazu sagt.
Dafür wäre ein Sieg gegen Leipzig gut für die Eulen. Der letzte Sieg von Leipzig in Ludwigshafen datiert aus dem Jahr 2017. Liegt ihnen Ludwigshafen nicht?
Unser letzter Sieg in Ludwigshafen war recht hoch, dann gab es paar auf die Nüsse und dann konnten wir wegen Corona nicht mehr hier spielen. Wir wissen, dass die Aufgabe maximal schwer wird. Doch unsere Mannschaft ist gut drauf und hungrig auf Platz sechs, ich bin sehr gespannt wie es ausgeht.
Nach Auswärtssiegen wird im Bus immer der Film „Old school“ angeschaut. Ich nehme an, Sie kennen den Film mittlerweile auswendig?
Ich fahre seit ein paar Jahren nicht mehr im Bus mit. Ich will lieber selber über mein Entertainment-Programm bestimmen (lacht).
Wird der Film auch am Donnerstag auf der Heimfahrt über den Bildschirm flimmern?
Das entscheiden die Jungs auf der Platte und ich freue mich sehr auf das Spiel.