Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Hochstraße Süd: Bis Oktober soll die Trasse abgerissen sein, im Juli soll der Rückbau starten

Hochstraßenbaustelle: 23 Stütztürme aus Holzstämmen, Stahl und Beton sind bisher positioniert.
Hochstraßenbaustelle: 23 Stütztürme aus Holzstämmen, Stahl und Beton sind bisher positioniert.

Wegen der Corona-Krise verzögert sich der Abriss der Pilzhochstraße um drei Monate. Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) spricht trotz allem von einem „Durchbruch“. Im Juli soll der Rückbau endgültig starten, die Trasse im Oktober Geschichte sein. Ein Überblick.

„Ein Brückenabriss während einer Pandemie – das ist eine außergewöhnliche Situation“, betonte Jutta Steinruck am Mittwochmorgen. Das gilt auch für die Informationspolitik der Stadt. Denn erstmals berichteten die OB und Tiefbauspartenchef Björn Berlenbach wegen der Kontaktbeschränkungen per Videokonferenz über den aktuellen Sachstand zur Hochstraße Süd (B 37). Deren 500-Meter-Teilstück Pilzhochstraße wurde vor fünf Monaten als akut einsturzgefährdet eingestuft und soll deshalb schleunigst abgerissen werden. 45 Minuten dauerte die Gesprächsrunde. Steinruck und Berlenbach beantworteten dabei im fliegenden Wechsel zahlreiche Fragen der Journalisten und zogen sich jeweils Schutzmasken über, wenn sie in den Hintergrund abtauchten.

Klar ist nun zweierlei: Der Zeitplan für den Abriss wird abermals durchkreuzt, aber ein Ende ist dennoch in Sicht. Frühestens im Oktober soll die Trasse komplett abgetragen sein. „Trotz schwierigster Rahmenbedingungen stehen wir im wahrsten Wortsinn kurz vor einem Durchbruch“, meinte Steinruck.

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„Sicherheit der Mitarbeiter hat Vorrang“

Der ursprünglich sehr ambitionierte Zeitplan sah vor, den ersten Abschnitt der Pilzhochstraße am Berliner Platz bis Ende Juni – noch vor dem bereits abgesagten Stadtfest – abzureißen, damit die Straßenbahnen den Nahverkehrsknotenpunkt wieder ansteuern können. Doch Probleme bei der Materialbeschaffung für die jeweils 20 Tonnen schweren Stützkonstruktionen aus Holz, Stahl und Beton sowie deren komplizierte Anfertigung in mühevoller Handarbeit torpedierten die Pläne. Dann kam Corona als weiterer Rückschlag hinzu mit entsprechenden Einschränkungen auf der Baustelle für die Abrissfirma Moß. „Die Sicherheit und die Gesundheit der Mitarbeiter hat Vorrang“, betonte Steinruck am Mittwoch erneut. Bisher habe sich zwar keiner der Moß-Kollegen mit dem Virus infiziert. Sollte es aber eine Ansteckung geben, könnte das den Ablauf erneut beeinflussen.

OB kontert CDU-Kritik

Solche möglicherweise unvermeidbaren Korrekturen seien unter den besonderen Umständen nicht voraussehbar. Der Krisenstab der Stadt bewerte die Lage quasi täglich neu. Im März habe das Baustellenmanagement wegen der Corona-Ausbreitung komplett überdacht und neu koordiniert werden müssen. Die zuletzt laut gewordene CDU-Kritik an den Abrissverzögerungen laufe insofern ins Leere, konterte Steinruck die Vorwürfe.

Vier Fünfer-Kolonnen im Einsatz

Berlenbach zufolge arbeitet Moß derzeit mit vier Fünfer-Kolonnen im Wechsel auf der Baustelle, ergänzt durch drei Vorarbeiter. Von einst 30 Mitarbeitern sind aktuell also nur noch 23 im Einsatz. Von den Stütztürmen seien bisher 23 ferngesteuert unter die Trasse geschoben worden. 52 seien für den ersten Abschnitt in der Mundenheimer Straße notwendig, damit die Brücke beim eigentlichen Abriss nicht zusammenstürze. Ursprünglich war von 80 die Rede. In einem rollierenden System sollen die mehrfach einsetzbaren Stützen dann schrittweise bis zur Berliner Straße die Trasse stabilisieren. Bis Mitte Juni sollen alle Stützen im ersten Teilbereich und unter benachbarten Brückenabschnitten in Position gebracht sein. Danach, schilderte Berlenbach, werde der Asphalt ferngesteuert abgefräst und die Trümmerteile würden fachgerecht entsorgt.

OB: Finanzierung ist gesichert

Voraussichtlich in den ersten beiden Juli-Wochen könnten die Bagger mit dem „Zerbeißen“, sprich dem Abriss der Trasse beginnen, deren insgesamt 27 Pilze Risse aufweisen. Dafür muss an einem Wochenende im Juli die Auffahrt zur Konrad-Adenauer-Brücke gesperrt werden. Die rasche Vergrößerung der Risse war der Grund für die Sperrung der Durchfahrten Mundenheimer und Berliner Straße.

Ist die Brücke im Bereich dieser etwa 120 Meter langen Verbindung abgetragen, etwa zwei Wochen werden dafür veranschlagt, könne die Rhein-Neckar-Verkehrsgesellschaft (RNV) damit loslegen, neue Oberleitungen für ihre Straßenbahnen zu montieren. Mitte August, am Ende der Sommerferien, sollen zunächst Fußgänger, Radfahrer und Busse die Durchfahrt Mundenheimer Straße wieder nutzen können. „Das wäre der erste Schritt zurück zur Normalität“, so Berlenbach.

Neue Ampeln notwendig

Die Verwaltung rechnet damit, dass Autos und Bahnen diesen Abschnitt frühestens Anfang und spätestens Ende September wieder passieren können. Das hängt mit den RNV-Arbeiten zusammen, außerdem müssen für den Pkw-Verkehr neue Ampeln errichtet werden. Die komplette Pilzhochstraße soll frühestens im Oktober dem Erdboden gleich gemacht sein, ihr Abriss soll „risiko- und erschütterungsarm“ über die Bühne gehen. „Das ist ein realistischer Zeitplan“, so Steinruck.

Planungen für Ersatzbau laufen weiter

Im Hintergrund laufen derweil die Planungen für einen Ersatz bau weiter, kündigte die OB an. Kommende Woche soll das Vergabeverfahren in Gang gesetzt und erste Aufträge in einer Sondersitzung des Stadtrats im September vergeben werden. Dann mischt auch der designierte neue Baudezernent Alexander Thewalt (parteilos) mit, der am Montag im Rathaus zum Nachfolger von Klaus Dillinger (CDU) gewählt werden soll.

Unterdessen laufen im Hintergrund die Planungen für einen Ersatzbau weiter, betonte die OB. Kommende Woche soll das Vergabeverfahren in Gang gesetzt werden. Erste Aufträge soll der Stadtrat in einer Sondersitzung im September vergeben. Die Finanzierung des Hochstraßenabrisses sei gesichert, sagte Steinruck mit Verweis auf mündliche Zusagen aus Berlin und Mainz. Konkreter wurde sie nicht. Zudem kündigte sie an, dass vor dem Abrissbeginn die nächste intensive Phase der Bürgerbeteiligung eingeläutet werde.

Kommentar: Dran bleiben

Es ist ein wichtiges Signal, dass die Stadt den Abriss ungeachtet der Corona-Krise weiter vorantreibt.

Der Begriff „Durchbruch“ ist im Hochstraßenkontext extrem vorbelastet. Auch Alt-OB Eva Lohse (CDU) nahm ihn in den Mund, als der Bund im Herbst 2017 eine 60-prozentige Beteiligung an den Kosten garantierte und das Land 25 Prozent zusicherte. Damals allerdings ging es um die ebenfalls marode Nordtrasse und einen förderfähigen Betrag von 260 Millionen Euro. Diese Summe ist längst Makulatur, zumal das Südproblem nicht eingepreist war. Von einer gesicherten Finanzierung zu sprechen, ist daher Quatsch – und zugleich nebensächlich. Denn nun geht’s in erster Linie darum, Perspektiven für Firmen und Pendler aufzuzeigen, die Corona schon schwer genug beutelt. Bei den Mega-Hilfspaketen, die aktuell im Umlauf sind, dürfte sich nach der Pandemie doch bestimmt auch eines für die Hochstraßen schnüren lassen.

OB Jutta Steinruck während der Videokonferenz. Im Hintergrund mit Maske: Björn Berlenbach, Leiter der Tiefbausparte.
OB Jutta Steinruck während der Videokonferenz. Im Hintergrund mit Maske: Björn Berlenbach, Leiter der Tiefbausparte.
Rund 2500 Baumstämme sowie 1500 Tonnen Stahl und Beton sind notwendig für alle Stützkonstruktionen.
Rund 2500 Baumstämme sowie 1500 Tonnen Stahl und Beton sind notwendig für alle Stützkonstruktionen.
Jede der Stützen wiegt rund 20 Tonnen. Sie sollen einen unkontrollierten Einsturz beim Abriss verhindern.
Jede der Stützen wiegt rund 20 Tonnen. Sie sollen einen unkontrollierten Einsturz beim Abriss verhindern.
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