Ludwigshafen
Hochbunker-Versteigerung in Ludwigshafen: „Glückwunsch zum Schnäppchen“

Am Freitag ist der Hochbunker an der Bismarckstraße versteigert worden. Der anonyme Käufer lag nur sehr knapp über dem Mindestgebot.
„Katalognummer 50. Jetzt sind wir in Ludwigshafen. Ehemaliger Hochbunker, leerstehend“, ruft Auktionator René Silva in die Runde. Dann liest er Regularien vor. Ellenlang. Das muss wohl sein. „Das Mindestgebot liegt bei 29.000 Euro. Uns liegt ein Gebot vor zu 29.100 Euro“, sagt Silva. Es ist telefonisch abgegeben worden. „29.100 Euro sind geboten. Wer bietet 30.000 Euro?“ Wie in der Endlosschleife wiederholt Silva die Sätze. Er schaut ins Publikum. Er wartet. Er zögert. Er hofft. Je höher das Gebot, desto mehr verdient er. Unruhe im Auditorium. Kein Handzeichen im Publikum zu sehen. Kein Interesse an dem Hochbunker. Friedrichstraße 180, Auditorium. Eine feine Adresse in Berlin. Die renommierte private Hochschule „Hertie School of Governance“ residiert in dem Gebäude. Hier wird der Ludwigshafener Bunker versteigert. Übrigens zum zweiten Mal vom Berliner Auktionshaus Karhausen AG. Eine Dreiviertelstunde vor Versteigerungsbeginn stehen die ersten Bieter vor dem Eingang auf dem Bürgersteig. Zweitletzte Zigarette. Frage an Auktionator Matthias Knake: „Wie lange wird die Versteigerung dauern?“ – „64 Objekte, kann sechs Stunden dauern!“ – „Und wann wird der Ludwigshafener Bunker versteigert?“ – „Katalognummer 50 – da können Sie sich locker noch drei Stunden die Beine vertreten!“, sagt der Auktionator.
Millionenumsatz an einem Tag
Wer an solchen Versteigerungen teilnimmt, muss Sitzfleisch haben. Zunächst Regularien über Regularien. Der Auktionator klärt auf, ein Notar belehrt: „Sie werden das Objekt so kaufen, wie es steht und liegt.“ Allein für diese Versteigerung sind vier Notare anwesend. Drei Auktionatoren wechseln sich ab. Zehn Telefonleitungen sind für auswärtige Bieter geschaltet. 16 Mitarbeiter kümmern sich. Das Publikum im Saal wechselt. Alte Auktionshasen wissen, wann was versteigert wird. Sie kommen und gehen. Zu Beginn sind rund 80 Interessenten anwesend. Vor der Auktion prognostizierter Umsatz für diesen Tag: „4,5 bis fünf Millionen Euro“, sagt René Silva, der Auktionator und zugleich eines der Vorstandsmitglieder der Karhausen AG. Manchmal entwickeln sich Bieterschlachten. Zweifamilienhaus, 85 Quadratmeter, Havelberg in Sachsen-Anhalt. Das ist ein staatlich anerkannter Erholungsort. Mindestgebot 9000 Euro. Es liegt bereits ein Angebot vor – 9100 Euro. „9500?“, fragt der Auktionator in den Saal. Hände schnellen in die Höhe. In 500-Euro-Schritten geht es aufwärts. Gelegentlich werden 1000 statt 500 Euro auf das vorherige Gebot gepackt. Am Ende ist es ein Duell zwischen einem Telefonbieter und einer Bieterin im Saal.
Die List der Saalbieterin
Die hat sich eine List ausgedacht. Sie wartet, bis Auktionator Knake „Zum Zweiten!“ ruft und der Hammer aufs Pult niedersaust, dann erst bietet sie 500 Euro mehr. Der Telefonbieter kontert. „15.000 Euro“, - „15.500“, - „16.000“. So geht das immer weiter. Als sich die beiden auf 37.500 Euro hochgeschaukelt haben, fragt Knake vorsichtig: „Muss ich wieder den Hammer bedienen…?“ Muss er nicht. Die Bieterin lächelt und schüttelt den Kopf. Weiter. Die Bieterkarte „7“ gegen den Telefonbieter „307“. Am Ende wird Knake sagen: „38.500 Euro, Bieter Nummer 7 – zum Dritten …“ Der Hammer besiegelt den Kauf. Für dieses Zweifamilienhaus hat Knake über 100 Mal mit dem Auktionshammer aufs Pult klopfen müssen. Manchmal läuft es aber auch nicht gut. Für das in weiten Teilen sanierte ehemalige Schloss Schlagenthin 60 Kilometer westlich von Berlin steht ein Mindestgebot von 349.000 Euro im Prospekt. 800 Quadratmeter Wohnfläche, 6940 Quadratmeter Grundstück, Schlossgarten, Säulenportal, Bootshaus, Garagen. Gebaut hat das Hauptgebäude vermutlich Ende des 16. Jahrhundert Jochen von Tresckow, Mitglied der bekannten Adelsfamilie gleichen Namens. Das ehemalige Schloss soll verkauft werden inklusive Ölbilder, historischer Wandstickereien und einem 200 Jahre alten, teilweise überholten Konzertflügel. Doch niemand gibt ein Gebot ab. Das ehemalige Schloss wird nicht verkauft. „Das ist halt manchmal so“, sagt Silva achselzuckend. Aber es könne durchaus sein, dass sich später – nach der Auktion – doch noch ein Interessent melde.
Nichts zur Identität: Datenschutz
Der Ludwigshafener Bunker. „29.100 Euro zum Ersten!“ Hammerschlag. Silva dehnt seine Wort, er will Zeit gewinnen. Vielleicht überlegt es sich ja noch einer. „29.100 Euro sind geboten … zum Zweiten!“ Hammerschlag. „Und 29.100 Euro sind geboten zum … letzte Chance … . wer braucht einen Bunker? Muss sein Geld verstecken? Braucht keine Fenster, ist immer kühl. Heute hätte ich gerne auch einen Bunker … also, 29.100 Euro zum ... Dritten“, ruft Silva dem Telefonanbieter zu. Der bleibt anonym. „Wir dürfen zur Identität nichts sagen“, meint ein Karhausen-Mitarbeiter. Datenschutz. Silva gratuliert dem Anonymen: „Herzlichen Glückwunsch für das Schnäppchen!“