Die Reportage aus der Stadt RHEINPFALZ Plus Artikel Hinter den Kulissen des „Niederfeld Döner“ von Hasan Cesur

„Döner mit allem?“ Hasan Cesur in seinem Element.
»Döner mit allem?« Hasan Cesur in seinem Element.

Seit sieben Jahren betreibt Hasan Cesur einen türkischen Imbissladen im Nahversorgungszentrum der Niederfeld-Siedlung. Wie sich sein Geschäft und sein Leben infolge der Corona-Krise verändert haben und was er früher bei der Arbeit am Berliner Platz nicht mochte, hat uns der 42-Jährige bei der Döner-Zubereitung erzählt.

„Na mein Freund, wie geht’s? Alles gut?“ So begrüßt Hasan Cesur nahezu jeden seiner Kunden am „Niederfeld Döner“. Zu Gästen werden die Kunden aber derzeit nicht. Zwei Tische trennen den größten Teil der 80 Quadratmeter großen Ladenfläche mit vier Tischgruppen vom Tresen ab. Eine Scheibe sorgt für Distanz, die Cesur jedoch verbal kompensiert.

„Du hast aber eine große Maske auf! Wo hast du die gefunden?“, fragt Cesur den Mann, der mit seiner Gefährtin gerade „zwei Döner mit allem“ bestellt. „Die Maske hab ich selbst gemacht“, antwortet der Kunde. „Bist du zu Hause jetzt?“, geht Cesur auf ihn ein, derweil sein Elektromesser den Dönerspieß rasiert. „Kurzarbeit?“, fragt Cesur weiter und garniert das Fladenbrötchen mit Zwiebeln, Rotkraut und Tomaten. „Ne, keine Kurzarbeit“, antwortet der Kunde.

Wenn der Magen knurrt

Seit 2013 ist Cesur mit seinem „Niederfeld Döner“ eine Anlaufstelle im Nahversorgungszentrum der Siedlung – und das nicht nur, wenn der Magen knurrt. Wo vor ihm ein Supermarkt war, laufen in Cesurs Imbiss die neuesten Neuigkeiten aus den umliegenden Straßen zusammen. Das Paar geht mit der Döner-Tüte wieder seiner Wege; es ist 12.20 Uhr.

„Normalerweise ist um die Uhrzeit viel mehr los“, vergleicht Cesur die unregelmäßige Kundenfrequenz mit der Zeit vor dem großen Lockdown. „Jetzt wären hier viel mehr Schüler unterwegs“, zeigt der 42-Jährige in Richtung Grund- und Integrierte Gesamtschule, aber auch zum Berufsbildungszentrum der Handwerkskammer auf dem Heuweg. War Cesur bis zu seinem pandemisch bedingten Geschäftsschluss am 20. März mit seinem Tagesumsatz durchaus zufrieden, so sei dieser seit der Wiedereröffnung am 4. Mai um rund 20 Prozent gesunken. Sichere Stoßzeiten gebe es bei ihm nicht mehr, sagt Cesur: „Die Leute kommen anders als vorher.“

Systemrelevanter als Speiseeis

Warum war der Niederfeld Döner, den Hasan Cesur mit seiner Frau Nunrhan (40) betreibt, im Lockdown komplett geschlossen? Immerhin schien Döner ja systemrelevanter als Speiseeis zu sein und durfte verkauft werden. „Ich gehöre zu einer Risikogruppe“, erklärt Cesur, dass er Herzprobleme hat. In Rücksprache mit seinem Steuerberater habe er „gleich zu Beginn“ des Lockdowns Soforthilfe für Kleinstunternehmer beantragt.

Dass Cesur trotz Schließung weiter laufende Kosten hatte, ist das eine. Zum anderen hat das Ehepaar Cesur fünf Kinder im Alter von sechs bis 19 Jahren. Die Kinder helfen „bei Bedarf“ auch im Geschäft, erzählt Nunrhan Cesur, „vor allem abends“ und beim Putzen nach Verkaufsschluss. Das Ehepaar selbst ist jeden Tag von 9 bis 21 Uhr am Start. Um 11 Uhr beginnt der Verkauf – geschlossen bleibt der „Niederfeld Döner“ an Sonn- und Feiertagen.

„Die Natur in Niederfeld ist toll“

2014 zog die Familie von Mannheim in ein Haus in der Damaschkestraße. Früher sei er jahrelang Mitarbeiter an einem Döner-Imbiss am Berliner Platz gewesen, erzählt Cesur. Und wie gefällt es ihm in Niederfeld? „Mannheim ist eine schöne Stadt“, hält Cesur kurz inne und überlegt. Auch im Vergleich zu anderen Städten, die er „kreuz und quer durch die Bundesrepublik“ kennengelernt habe, sei Mannheim „schön“.

Ja, und Ludwigshafen? Jahrelang sei er von Mannheim über die Brücke nur an den Berliner Platz zu seiner Arbeitsstätte gepilgert, was zunächst sein Stadtbild geprägt habe. Auch scheint es angenehmeres Klientel als das dortige Nachtpublikum zu geben, meint Cesur die Musikpark-Gäste, die nach dem Club-Besuch bei ihm aufschlugen. „Schön“ sei es am Berliner Platz „eher nicht“, fasst er zusammen und schließt an: „Aber Niederfeld ist etwas ganz anderes.“ „Hier wohnen freundliche Leute, es gibt eine gute Versorgung, und die Natur ist toll“, betont er. In seiner spärlichen Freizeit bewege er sich schon deshalb sehr viel, weil ihm das sein Kardiologe geraten habe. Dann gehe er regelmäßig mit der ganzen Familie an die Große Blies oder ins Maudacher Bruch.

Was hält Cesur von den derzeitigen Corona-Auflagen für die Gastronomie? Schließlich hatte auch er vor dem Lockdown zwei Tische im Außenbereich, die er jetzt ohne Tischbedienung nicht betreiben darf. „Der Aufwand lohnt sich nicht“, winkt Cesur ab: Um Tischservice leisten zu können, bräuchte er weitere Mitarbeiter. Außerdem sei es ihm unangenehm, von den Kunden Namen und Kontaktdaten zu fordern.

„Sitzen geht noch nicht?“, fragt einer der beiden Handwerker, die um 12.30 am Tresen stehen und von Cesur ein Kopfschütteln ernten. „Dann bitte zwei Yufkas zum Mitnehmen“, sagt der eine. Sein Kollege ergänzt: „Und zwei Portionen Pommes, wenn du schon dabei bist...“

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