Ludwigshafen
„Hier zu stehen finde ich absurd“
Das Festival auf der Parkinsel, obwohl selbst erst 18 Jahre jung, wolle gleichsam ein Zeichen seiner Jugendlichkeit senden, wenn in diesem Jahr die Schauspielpreise an jüngere Akteurinnen gehen, zuerst an Altenberger, und am nächsten Sonntag an die Norddeutsche Anne Ratte-Polle, die etwas älter, aber auch noch keine 50 ist. So Intendant Michael Kötz, der in seiner Laudatio Altenberger zudem attestierte, dass sie noch einmal jünger wirke als sie ohnehin ist.
Gestartet ist ihre Karriere nicht ausnehmend früh, aber steil. Auf der Bühne im Jungen Ensemble des Wiener Burgtheaters, im Fernsehen als Titelheldin der Comedy-Serie „Magda macht das schon!“ und im Kino so richtig mit dem Arthouse-Drogendrama „Die beste aller Welten“. Etliche Preise, von Moskau über München bis Michigan, wahlweise als beste Nachwuchsdarstellerin oder überhaupt beste Schauspielerin, gab es damals, 2017 und ’18, für ihre eindrückliche Darstellung einer heroinabhängigen Mutter.
Dank und Umarmung
Sehr wichtig „für mich persönlich und auch für meine Karriere“ sei dieser Film, bestätigte Altenberger in Ludwigshafen und dankte dafür besonders dem noch jüngeren, österreichischen Regisseur Adrian Goiginger für seinen Mut, sie in der Hauptrolle „zu besetzen und auch durchzusetzen gegenüber einigen Menschen, die nicht geglaubt haben, dass das gut geht“. Mit „Märzengrund“ ist derzeit beim Festival der zweite Film zu sehen, den Altenberger mit Adrian Goiginger gedreht hat.
Michael Kötz erhielt eine lange Umarmung als Dank für seine Laudatio, in der er ausführlich die Namen ihrer Regisseure und Titel wie „Die Toten vom Bodensee“ und „Die Toten von Salzburg“, „Schönes Schlamassel“ oder „Das Wunder von Wörgl“ Revue passieren ließ, allerdings unter schon auffälliger Auslassung ihres immerhin vier Staffeln währenden RTL-Serienerfolgs „Magda macht das schon!“ Meint er vielleicht, Comedy müsste ihr peinlich sein?
Staunen über eigenen Namen auf der Leinwand
„Es ist sehr seltsam“, spürte Verena Altenberger „eine wahnsinnige Diskrepanz“ zwischen ihrer persönlichen Wahrnehmung und Kötz’ Lobrede, die sie freilich dennoch „wunderschön“ nannte. „Dieses Erleben von den Dingen, die ich gemacht habe, und von den Rollen, die ich spielen durfte, das fühlt sich nicht so toll und herausragend an. Das fühlt sich ganz anders an, als wenn man das hier so hört“, staunte sie wie auch über ihren Namen, groß auf der Leinwand. Ein Anblick, sollte man meinen, an den sie sie doch schon gewöhnt haben müsste. Aber nein. „Allein, hier zu stehen und dass da mein Name steht, finde ich so absurd“, sagte sie.
Für sie, erläuterte die Pongauerin aus dem Bundesland Salzburg, fühle es sich ein bisschen so an, „als würde ich den Preis nicht für mich annehmen, sondern für sehr viele Menschen, die ich spielen durfte“. Sie liebe ihre Rollen eben so sehr, bekräftigte Altenberger, dass sie stets die Hoffnung hege, „dass ich immer Menschen spiele, die doch irgendwo so existieren in der Welt, die sich berührt fühlen und die das Thema, die Geschichte oder die Gefühle etwas angehen“.
Von Salzburg nach Ludwigshafen
Zu ihr auf das Podium gesellten sich ihr Vater und ihre jüngere Schwester Judith Altenberger, die derzeit ihrerseits eine kleine Schauspielkarriere startet. In der Abenteuerserie „Wild Republic“ vertrat sie die Ältere unmerklich bereits als Laufdouble und in „Gesicht der Erinnerung“ spielt sie ihr jüngeres Ich. Das neue Drama von Dominik Graf, das im Wettbewerb des Festivals läuft, gilt Michael Kötz jedoch zunächst als „Beweisstück (...) für die wahrhaftig überragende Art, in der Verena Altenberger ihre Rollen spielt, hier eine Liebende, wenn auch eines Toten, der plötzlich aber wieder da zu sein scheint“.
Verena Altenberger war nur einen Tag nach ihrer Abschiedsvorstellung bei den Salzburger Festspielen, als Buhlschaft in Hofmannsthals bewährtem „Jedermann“, nach Ludwigshafen gereist. Das erste Mal war sie 2019 hier, um ihren Einstand als Elisabeth „Bessie“ Eyckhoff, Deutschlands wahrlich sympathischste Ermittlerin im BR-„Polizeiruf 110“, zu präsentieren. Nun jedoch wird sie dieses Engagement genauso aufgeben wie jenes in Salzburg. Ihren letzten Auftritt als Münchener Polizeioberkommissarin wird sie unter dem Arbeitstitel „Paranoia“ bereits in den nächsten Wochen drehen. „Traurig wird das sein für Millionen ihrer Fans, sie nicht mehr in dieser Rolle zu sehen, die ja in ihrer Regelmäßigkeit zur Folge hat, dass Millionen sie irgendwann als gute Freundin, als Vertraute ansehen“, formulierte Kötz, offensichtlich selbst ein Fan, treffend. Doch Verena Altenburger ist ja noch jung, und so dürfte noch einiges folgen.


