Ludwigshafen
Fürs Reality-TV auf die einsame Insel: Was der „Survivor“ aus Oggersheim erlebt hat
Es war für den 23 Jahre alten Oggersheimer Paradies und Hölle. Wochenlang auf einer karibischen Insel, mit nur einer täglichen Ration Reis als Nahrung, mit Taranteln und Krebsen, die nachts über die nackte Haut krabbeln und den anderen Kandidaten, die 40 Tage und Nächte lang um den Gewinn von 100.000 Euro kämpfen.
„Wer kann schon von sich behaupten, auf einer einsamen Insel gewesen zu sein, ohne gar nichts und nur ums Überleben gekämpft zu haben? Diese Erfahrung hätte ich auch ohne Fernsehen angenommen“, sagt der Ludwigshafener beim einem Treffen, als er wieder zurück ist im heimischen Oggersheim. Und die blauen Augen leuchten, wenn er vom türkisfarbenen Meer mit Haien und Rochen in der Dominikanischen Republik erzählt, von Dschungelgeräuschen in der Nacht, aber auch vom Hunger und Durst, von den unendlichen Moskitostichen, von der „härtesten Challenge“.
„Ich liebe es, im Mittelpunkt zu stehen“
„Im Dschungelcamp streiten sie darum, wer in der Hängematte und wer im Bett schlafen darf. Wir mussten auf dem Boden auf Blättern übernachten, waren ohne Essen, ohne Trinken, konnten nicht duschen und mussten immer dieselben Klamotten tragen. Da machst du Dinge, die du dir im Alltag nie vorstellen kannst. Es waren unfassbar verrückte Umstände“, betont er.
Für den 23-Jährigen, der Sport- und Fitnesskaufmann lernte und als Animateur viel im Ausland unterwegs war, ist es nicht die erste Reality-TV-Erfahrung. Bereits vor zwei Jahren nahm der Deutsch-Italiener an der Dating-Show „Temptation Island“ teil. „Ich liebe es, im Mittelpunkt zu stehen, ich liebe die Aufmerksamkeit, ich bin Löwe von Sternzeichen. Und ich liebe das Abenteuer, aus meiner Komfortzone rauszukommen. Ich gehe in diesen TV-Formaten richtig auf“, betont er.
Sich nun selbst im Fernsehen zu sehen, die eigene Stimme zu hören, damit habe er kein Problem. „Auch vor Ort blendest du die Kameras irgendwann aus, bist in deinem eigenen Film und einfach nur du selbst. Jede Maske fällt da früher oder später“, sagt de Stefano, der im „normalen Leben“ als Fitness- und Personaltrainer arbeitet.
„War am Boden zerstört“
Wie viele der insgesamt 40 Tage er „überlebte“, darf der „Survivor“ natürlich nicht verraten. Nur, dass er noch eine Weile in der Reality-Show, an der auch Detlef D! Soost mitwirkt, zu sehen sein wird. Wenn er sich so von der sicheren Heimcouch aus in der exotischen Ferne betrachtet, kommen viele Emotionen wieder hoch. Bei einer der täglichen Challenges, Ninja-Warrior-ähnliche Parcours-Übungen, um Punkte (meist für einfache Nahrung wie Kartoffeln und Bohnen, oder mal ein Kopfkissen) für das eigene Team zu holen, stand ein Telefonat mit der Familie auf dem Spiel.
„Keinen Kontakt zur Außenwelt zu haben, hat mich fast am meisten verrückt gemacht. Die Familie steht bei mir an erster Stelle. Und dann haben wir verloren, ich war am Boden zerstört und bin tatsächlich umgekippt“, sagt er. Dennoch war Aufgeben für ihn ein Gedanke, aber keine Option. Manche der anderen Teilnehmer schieden tatsächlich freiwillig früher aus.
„Die Zündschnur ist viel kürzer als sonst“
Nur 100 Gramm Reis pro Woche standen für jeden Kandidaten als feste Essensration zur Verfügung. Netze zum Fischfang oder ähnliches musste man als Gruppe erst gewinnen. „Gerade zu Beginn fühlte sich jeder Tag ewig an, mit schlaflosen, kalten Nächten ohne Decke. Da ist man schnell genervt und gereizt. Die Zündschnur ist viel kürzer als sonst. Das ist natürlich vom Format gewollt und Teil der Show“, sagt de Stefano, der die intensiven Wochen auf der einsamen Insel dennoch als „einmaliges Erlebnis“ feiert.
Wie ein Robinson Crusoe, mit Vollbart und stark abgemagert, sei er heimgekommen. Zu Hause in Oggersheim wird er dennoch erkannt und auch mal zwischen den Supermarktregalen für ein Selfie angesprochen. Im Ländervergleich seien die Einschaltquoten für die „Survivor“-Staffeln in Italien oder der Türkei zwar deutlich besser als in Deutschland. Für de Stefano wird es dennoch nicht das letzte TV-Abenteuer gewesen sein. „Ich komme schon aus dem nächsten Reality-Format, das bald erscheinen wird“, verrät er. Und die blauen Augen strahlen wieder.