Ludwigshafen „Hat mich einfach nicht mehr losgelassen“
„Mumien – Geheimnisse des Lebens“ heißt die nächste große Sonderausstellung der Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen im September. Eine Filmpremiere hat nun auf die Ausstellung und ihr ungewöhnliches Thema eingestimmt. Der Edinger Filmemacher Norbert Kaiser hat über die „Mannheimer Mumien“ einen Dokumentarfilm gedreht. Er bringt Licht in die Geschichte dieser Museumsexponate und blickt zurück auf die erste Mumien-Ausstellung in Mannheim.
„Mannheim hat deshalb mit Mumien zu tun, weil wir ab 2003 in unseren Depots, die wir damals grundlegend saniert und umgebaut haben, eine Vielzahl von Mumien aufgefunden haben, von deren Existenz wir nicht mehr wussten“, erläutert Wilfried Rosendahl, einer der Direktoren des Museums, im Film. Die unterschiedlich konservierten Leichname waren 1917 über den Münchner Kunstmaler und Sammler Gabriel von Max nach Mannheim gekommen und galten bis zu ihrer Wiederentdeckung als Kriegsverlust. „Sie sind im Museum selbst regelrecht versteckt gewesen“, erinnert sich Generaldirektor Alfried Wieczorek. Teilweise lagerten die Mumien in ihren alten Vitrinen, zum Teil in Pappkartons. 20 Mannheimer Dörrleichen bildeten 2007 den Grundstock der Ausstellung „Mumien – Der Traum vom ewigen Leben“, die anschließend zehn Jahre lang durch Europa und die USA reiste und mehr als drei Millionen Besucher zählte. In seiner Doku befasst sich Norbert Kaiser näher mit dieser Ausstellung, bietet die Möglichkeit, hinter ihre Kulissen zu schauen und begleitet sie bis nach Hollywood. „Mumien sind ein faszinierendes Thema“, erklärt der 44-jährige Produzent, Autor und Regisseur des Films. „Damit verbunden ist auch die Frage, was passiert denn mit uns, wenn wir nicht mehr da sind.“ Bisherige Ausstellungen und Dokumentarfilme über das Phänomen Mumie seien ihm zu sensationslüstern und spekulativ vorgekommen. „Ich wollte nur eine klare, ganz sachliche Sicht auf die Mumie und nacherzählen, was die Mannheimer Ausstellung ausmacht. Dabei bin ich ganz klar kein Wissenschaftler, sondern Filmemacher, der die grundsätzlichen Fragen stellt, die er eben hat.“ In seinem einstündigen Film spricht er mit Projektleiter Rosendahl, verschiedenen Experten und Leihgebern, blickt Pathologen und Restauratoren über die Schulter, begleitet die Mumien zur Computertomographie ins Klinikum Mannheim oder zur Ausstellungseröffnung im California Science Center in Los Angeles. Kaiser bringt interessante Exkurse unter zur TV-Zeichentrickserie „Mummies Alive – Die Hüter des Pharaos“ und zur Kryonik, dem Einfrieren von Organismen, um sie dereinst wiederzubeleben. Ihren schaurigen Höhepunkt findet seine Doku in einer Gruft des fränkischen Schlosses Sommersdorf, in der der Hausherr die Sargdeckel hebt und seine unverwesten Ahnen zum Vorschein bringt. „Mannheimer Mumien“ ist bereits Kaisers dritte lange Dokumentation zu einem lokalen Thema. Ihr voran gingen 2010 „Edgar Schmandt: Im Homosapiensgelände“, ein Porträt des mittlerweile 89-jährigen Mannheimer Künstlers, und 2015 „NTO goes China“, die Aufzeichnung einer Gastspielreise des Nationaltheater-Orchesters nach Qingdao, Peking und Shanghai. Zehn Jahre lang arbeitete Kaiser beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen, zuletzt im Redaktionsteam der Show „ZDF Fernsehgarten“, bevor er 2007 das Web-TV-Portal artmetropol.tv gründete. „Es war die Idee, ein regionales Kulturmagazin fürs Internet zu machen“, erläutert der gebürtige Mannheimer. Im Laufe der Zeit ging er dazu über, Imagefilme, Werbetrailer oder Kurzdokumentationen im Auftrag von Kulturveranstaltern und Museen zu drehen. So entstanden für die Fotoausstellung „Jeff Wall – Appearance“ in der Kunsthalle oder die Familienausstellung „Das Sams und die Helden der Kinderbücher“ im Speyerer Historischen Museum kurze Filme, die in den begleitenden Social Media oder den Ausstellungen selbst zu sehen sind. Auch für die Reiss-Engelhorn-Museen hatte Kaiser zunächst nur einen kurzen Beitrag über die erste Mumien-Ausstellung gedreht, bevor er beschloss, unabhängig und aus eigenem Antrieb die Doku „Mannheimer Mumien“ zu produzieren. „Ich habe damals einen Bericht über die Ausstellung gedreht und fand es so faszinierend, dass es mich einfach nicht losgelassen hat.“ „Mannheimer Mumien“ wird während der Sonderausstellung, die am 16. September eröffnet, zumindest noch einmal zu sehen sein und in Auszügen auf artmetropol.tv.