Serie „Auf der Tonspur“ RHEINPFALZ Plus Artikel Hans Zimmer zählt zu den größten lebenden Film-Komponisten – Show in der SAP-Arena

Mehrfach wurde Hans Zimmer bereits für den Oscar nominiert, bekommen hat er ihn jedoch erst zweimal.
Mehrfach wurde Hans Zimmer bereits für den Oscar nominiert, bekommen hat er ihn jedoch erst zweimal.

Hans Zimmer zählt ohne Zweifel zu den größten Namen der Filmmusikwelt – und seit einigen Jahren erobert er auch regelmäßig die Konzertbühnen weltweit. Ende 2025 kommt er mit seinem Programm „Hans Zimmer Live“ auch nach Mannheim. Bereits am 23. Oktober ist die offizielle Tour „The World of Hans Zimmer – A New Dimension“ in der Mannheimer SAP-Arena zu erleben: ein Konzert mit den berühmtesten Soundtracks des Musikschöpfers.

Im Vergleich zu anderen Filmmusikkomponisten fanden Zimmers Werke (mit einigen Ausnahmen wie „Fluch der Karibik“) vergleichsweise spät den Weg in die Konzertsäle. Das hängt sicherlich mit der Gestaltung seiner Kompositionen zusammen, die sich durch die Schaffung ganz eigener Klangwelten auszeichnen. Zimmer erzeugt sie durch den ausgeklügelten Einsatz elektronischer Effekte und von Computern beziehungsweise Synthesizern. Und die sind natürlich entsprechend deutlich schwieriger von einem klassischen Sinfonieorchester zu reproduzieren als beispielsweise die reinen Orchesterkompositionen von John Williams.

Andererseits ist durch dieses besondere Vorgehen jeder Film, für den Zimmer den Score beisteuert, nicht nur durch charakteristische Tonfolgen, sondern auch durch einen unverwechselbaren Sound geprägt. Man denke nur an die sphärischen Orgelklänge aus „Interstellar“ (2014) oder das verstimmte Klavier (in Kombination mit einem Cimbalom) aus Guy Ritchies „Sherlock Holmes“ (2009). Durch diese meisterhafte Beherrschung von Sound Design stieg Zimmer seit Beginn seiner Karriere in den späten 1980ern zur ersten Garde der Hollywood-Komponisten auf – und das ohne Kenntnisse in Musiktheorie, Notenlesen oder einer systematischen Musikausbildung.

Schon früh zeigte sich das besondere musikalische Talent des 1957 in Frankfurt am Main geborenen Komponisten. Seinen ersten Klavierunterricht musste Zimmer jedoch schnell abbrechen, da er keine Lust hatte, die Musik anderer streng nachzuspielen und lieber seine eigene Kunst verwirklichen wollte. Nach einer Schulausbildung in England arbeitete Zimmer zunächst als Komponist von Radio- und Werbe-Jingles, bevor er 1980 der Assistent des britischen Filmkomponisten Stanley Myers wurde – laut eigener Aussage aufgrund seiner Fähigkeiten im Programmieren von Synthesizern.

Durchbruch mit „Rain Man“

Per Zufall gelang Zimmer der Sprung nach Hollywood: Der Ehefrau von Regisseur Barry Levinson gefiel Zimmers Soundtrack zu „Mein wunderbarer Waschsalon“ (1985) so gut, dass sie ihren Mann überredete, Zimmer für sein nächstes Projekt „Rain Man“ (1988) anzustellen. Der entstandene Score zählt nicht nur zu den eindrücklichsten in Zimmers früher Karriere, er war zugleich sein Durchbruch in Hollywood und bescherte dem Komponisten die erste Oscar-Nominierung. Mit dem begehrtesten Filmpreis der Welt wurde Zimmer bislang allerdings nur zwei Mal ausgezeichnet – 1995 für den Score zu Disneys „Der König der Löwen“ und jüngst für Denis Villeneuves „Dune“ (2021).

Um dem hohen Druck und zeitlichen Stress bei Hollywood-Filmproduktionen gerecht zu werden, gründete Zimmer 1989 die Firma Remote Control Productions (ursprünglicher Name Media Ventures). Diese Firma gilt als eine der größten Talentschmieden Hollywoods, aus der bereits zahlreiche Top-Filmkomponisten hervorgegangen sind. Gleichzeitig ist Zimmers Firma ein Ort, an dem ein ganzes Team von Komponisten und Arrangeuren gemeinsam an Filmen arbeitet und damit ein Paradebeispiel für das kollaborative Komponieren in der amerikanischen Traumfabrik, ohne das die große Masse an Filmmusiken in Hollywood und die Geschwindigkeit ihrer Entstehung nicht zu erklären wäre.

Dies zeigt sich besonders deutlich an Zimmers bekanntester Komposition, die er (vermeintlich) gar nicht selbst geschrieben hat: „Fluch der Karibik“ (2003). Den ursprünglichen Soundtrack für Gore Verbinskis Adaption der Disney-Themenpark-Attraktion verfasste Verbinskis Hauskomponist Alan Silvestri („Forrest Gump“, „Zurück in die Zukunft“). Die orchestrale, vermutlich an alte Errol-Flynn-Filme angelehnte Partitur wurde von den Produzenten jedoch als unpassend empfunden und verworfen. Entsprechend musste innerhalb von nur 19 Tagen eine komplett neue Filmmusik aus dem Hut gezaubert werden. Für diese Herkulesaufgabe wandte man sich bei Disney an den Top-Komponisten für Abenteuer- und Action-Filme dieser Zeit: Hans Zimmer.

In „Fluch der Karibik“ wird nur der Praktikant genannt

Dieser verfasste in einer einzigen Nacht eine Suite mit Themen – betitelt „4:56 am“ nach der nächtlichen Uhrzeit ihrer Fertigstellung –, in der alle bekannten Melodien des Films enthalten sind, darunter auch das berühmte „He’s a Pirate“. Aufgrund vertraglicher Regelungen war es Zimmer jedoch nicht möglich, sich einem anderen Projekt als dem Film „Last Samurai“ zu widmen, für den er einen Exklusivvertrag unterzeichnet hatte. Daher kommt es, dass Zimmers damaliger Praktikant Klaus Badelt den Credit im Abspann von „Fluch der Karibik“ erhielt, obwohl Zimmer die zentralen Melodien der Filmmusik verfasst hat, während insgesamt acht weitere Komponisten aus Zimmers Talentschmiede Remote Control zusätzliches Material zum Soundtrack beisteuerten.

Das genaue Programm für das Konzert am 23. Oktober ist nicht bekannt, aber „Fluch der Karibik“ als eine von Zimmers bekanntesten Kompositionen dürfte sicherlich nicht fehlen. Ob auch andere berühmte Kompositionen wie „Inception“ (2010) aus der langjährigen Zusammenarbeit mit Christopher Nolan, „The DaVinci Code“ (2006) oder „Gladiator“ (2000), eine von vielen gemeinsamen Arbeiten mit Ridley Scott, zu hören sein werden, bleibt eine Überraschung. Bei Zimmers umfangreichem kompositorischen Werk dürfte es auf jeden Fall nicht schwerfallen, einen packenden und vielseitigen Abend zusammenzustellen. Auf das Ergebnis bei „The World of Hans Zimmer“ kann man sehr gespannt sein.

Termin

„The World of Hans Zimmer – A new Dimension“ am Mittwoch, 23. Oktober, 20 Uhr, in der SAP-Arena Mannheim.
Hans Zimmer gastiert mit „The Next Level“ am 6. November 2025, 19.30 Uhr, persönlich in der SAP-Arena Mannheim.

Die Serie

Anfangs sollte Klavierspiel das Brummen der Projektoren übertönen; doch dann entdeckte man, dass Musik Geschichten nachvollziehbar machen und Gefühle wecken kann. Heute ist Filmmusik eine Kunst für sich. In der Serie „Auf der Tonspur“ erzählt unser Experte Patrick Mertens Hintergründe aus der Geschichte der Filmmusik: etwa warum sich Regisseur Spielberg mit der Musik zu „Der weiße Hai“ veräppelt fühlte, die Kompositionen zu „Der Fluch der Karibik“ erst kurz vor der Premiere entstanden sind oder der Komponist Ligeti als Zuschauer von „Odyssee im Weltraum“ böse überrascht wurde. jel

Die Filmmusik zum Hollywood-Blockbuster „Fluch der Karibik“ gehört zu den berühmtesten Werken von Hans Zimmer.
Die Filmmusik zum Hollywood-Blockbuster »Fluch der Karibik« gehört zu den berühmtesten Werken von Hans Zimmer.
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