Ludwigshafen Handgemachte Elektronik
„Eigentlich unser erster richtiger Gig“, behauptete Ziggi Has Ardeur vom Duo Cucuc beim Auftritt im Kulturzentrum Das Haus. Gemeint war damit, dass er und Donni Schoenemond erstmals ganz alleine antreten, also nicht im Rahmen eines Festivals oder einer anderen Veranstaltung. Das Ludwigshafener Konzert machte große Lust auf mehr.
Die wenigen Auftritte des Duos haben schon einiges Aufsehen erregt. Cucuc haben beim Mannheimer Brückenaward gespielt, beim Maifeld Derby und beim Schlossfest. Jetzt haben sie erstmals den Rhein überquert und sich in der Reihe „Delta Helden“ im Ludwigshafener Haus vorgestellt. Auf der Bühne stehen zwei große Tische, auf denen unzählige elektronische Kisten, Kasten und Geräte aufgebaut sind, dazwischen irgendwo Tastaturen und Laptops. Aber auch eine Bassgitarre liegt bereit und irgendwo steht ein Gesangsmikrofon. Donni wird später Bass spielen, und Ziggy singt, aber zugleich laufen die Sounds und Grooves, welche die beiden Musiker live realisieren. „Wir kommen ursprünglich aus der Rockmusik“, sagte Donni später im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Das erklärt wahrscheinlich, warum die Musik der beiden auch kein abstrakter mechanisierter Techno ist, sondern der Gesamtsound stets warm und „human“ klingt. Klar laufen da Sequenzer und Looper und Rhythmusmaschinen – aber es gibt auch klar erkennbare harmonische Abläufe und angenehme Klangflächen. Kennengelernt haben sich die beiden Musiker an der Mannheimer Popakademie, wo sie Ende 2004 die Rockband My Baby Wants To Eat Your Pussy gegründet haben. Dort war Ziggy Has Ardeur der Sänger und ein gewisser Donni Bella Luna spielte Bass. Die Band gab 2013 ihr letztes Konzert und ist seither „auf Eis gelegt“, wie die beiden erklärten. Weil sie trotzdem zusammen weiter Musik machen wollten, sei Cucuc entstanden. Dass die zwei aus der handgemachten Musik kommen, ist spürbar. Grooves und Rhythmen sind nachvollziehbar. Programmierer, die Techno machen, verwenden oftmals Sounds, die nach Maschine klingen. Es lassen sich halt auch Sachen programmieren, die unspielbar sind, oder in komplizierten mathematischen Verhältnissen zum Metrum stehen. Cucuc dagegen verwenden zur elektronischen Klangerzeugung analoge Geräte. Man sagt ja den Oszillatoren und Filtern einen wärmeren und angenehmeren Klang nach als den digitalen Klangerzeugern. Der Sound des Duos scheint das zu bestätigen. Viele Stücke bauen sich nach und nach auf – natürlich unter der Mithilfe von Sequenzern und Loopern, die Klangfolgen aufzeichnen und dann wiederholen. Die Arrangements werden buchstäblich vielschichtig. Das Ergebnis wirkt manchmal voluminös und orchestral, aber eben auch in sich stimmig. Ziggy sing mit prägnanter Stimme, manchmal wird sie mit Effekten verfremdet, aber auch das mit Zurückhaltung. Auch wenn es mal Four-to-the-Floor-Tanzrhythmen gibt, sind die Stücke angenehm zu hören. Meditativer Flow oder Tanzen – hier geht beides. Dass es von Cucuc in diesem Jahr nicht mehr zu hören gab, liegt an den weiteren Projekten der Künstler: Ziggy hat für Mannheim das „Mix the City“ Projekt auf den Weg gebracht, Donni hat den Film „Niemandsland“ über das Benjamin-Franklin-Village gedreht. Einen Cucuc-Tonträger gibt es noch nicht – aber Material sei da.