Ludwigshafen
Handball: Wie Nils Röller und Jannis Schneibel ihre Profi-Laufbahn vorantreiben wollen
Das Abitur haben beide geschafft. Auch sportlich haben Jannis Schneibel und Nils Röller ein gemeinsames Ziel. Die beiden Abiturienten, die am Paul-von-Denis-Gymnasium Schifferstadt den Leistungskurs Sport belegten, wollen Handball-Profi werden. Sie haben das Zeug dazu. Deshalb konzentrieren sie sich (vorerst) ganz auf den Sport, gehen dabei aber unterschiedliche Wege.
Schneibel, der 20-jährige Rückraumspieler aus Hochdorf, ist Ende Juli mit den Profis der Rhein-Neckar Löwen in die Vorbereitung gestartet. Seit dieser Saison gehört er zum Team von Trainer Martin Schwalb. Sein Vertrag läuft bis zum 30. Juni 2021. Er ist regelmäßiger Trainingsgast bei den Profis, war mit dem Bundesliga-Kader im Trainingslager in Ischgl und bestritt die Vorbereitungsspiele. „Es lief einfach top, das ist ein ganz anderes Level, weil es durch die Bank sehr gut ausgebildete Spieler sind“, sagt Schneibel. Er will sich keinesfalls verstecken, ist der zweitjüngste Spieler im Kader und hat deshalb noch Sonderaufgaben zu erfüllen. Schneibel ist der Ballwart des Teams.
Im 18er-Kader der Löwen tummeln sich Nationalspieler aus vielen Ländern. „Es ist ein Privileg, in solch einer Mannschaft sein zu dürfen und von anderen zu lernen“, berichtet Schneibel. Er sieht diese Phase als Glücksfall. Was ihm fehlt, ist die Spielpraxis in der Bundesliga. „Das ist mit mir klar kommuniziert worden“, erklärt Schneibel. Seine Einsätze erhält er bei den Junglöwen in der Dritten Liga.
Röller zum TuS Dansenberg
Anders ist die Situation beim 19-jährigen Nils Röller aus Mutterstadt. Der Kreisläufer, der in der vergangenen Saison noch ein Zweitspielrecht bei den Eulen Ludwigshafen hatte, entschied sich für einen Wechsel von der TSG Haßloch zum ambitionierten Drittligisten TuS Kaiserslautern-Dansenberg und würde mit seinem neuen Team gerne den nächsten Schritt in Richtung Zweite Liga machen. Auf ein Doppelspielrecht hat er dieses Mal verzichtet. Sportlich haben die Westpfälzer die Klasse zum Aufstieg, ob es wirtschaftlich machbar ist, bleibt abzuwarten. Derzeit ruht auch bei ihnen mindestens bis zum 15. November der Spielbetrieb. Die Zeit nutzt Röller zum individuellen Hanteltraining zu Hause. Zudem war er kürzlich beim Lehrgang der U20-Nationalmannschaft in Laudenbach.
Röller fühlt sich in Dansenberg wohl. „Es läuft gut, ich wurde prima aufgenommen, und es macht Spaß“, sagt der Kreisläufer, der für zwei Jahre unterschrieb. Der Vorderpfälzer, der zum Wintersemester ein Duales Studium der Sportökonomie an der Hochschule für Gesundheit und Prävention in Saarbrücken anstrebt, wird sich in der nächsten Runde ganz auf seine Aufgabe in Dansenberg konzentrieren, wo der U19-Vizeweltmeister zu den Leistungsträgern zählt.
Schneibels starke Konkurrenz
Das ist Schneibel, der ab dem Wintersemester in Heidelberg Sport und Philosophie auf Lehramt studieren möchte, auch bei den Junglöwen. „Ich will konstanter werden und zeigen, dass ich mich weiterentwickeln kann“, verdeutlicht Schneibel. Während er in der vorigen Saison in der Bundesliga oder im EHF-Pokal zum Einsatz kam, ist ihm dies seit dem Re-Start im Oktober noch nicht gelungen. Mit Andy Schmid, Mait Patrail und Albin Lagergren hat er einige Konkurrenten vor sich, die er kaum verdrängen wird. „Ich bin die Nummer 17 im Kader der Profis. Wenn sich jemand verletzt, dann bin ich dabei“, sagt der sympathische Pfälzer. Er nimmt die Reservistenrolle an, will aber da sein, wenn er gebraucht wird. Es steht für ihn auch einiges auf dem Spiel, denn er will nach Auslaufen des Vertrags weiter in der Bundesliga spielen.
Mit solchen Gedanken muss sich Nils Röller nicht beschäftigen. Mit Sebastian Bösing bildet er ein gleichwertiges Kreisläufer-Duo, das sich gegenseitig ergänzen soll. „Wir verstehen uns sehr gut, bilden eine Fahrgemeinschaft zum Training. Es passt einfach“, so Röller. Dennoch bedauert er, dass er nach der Neueinteilung der Ligen nicht mehr auf Schneibel treffen wird, der mit den Junglöwen in der Südstaffel verblieben ist. Die pfälzischen Drittligisten wurden der Staffel Mitte zugeordnet. „Das ist schon sehr schade.“ Noch mehr wurmt ihn, dass das Duell gegen seinen Bruder Lars, der bei der HBW Balingen-Weilstetten II am Ball ist, ebenfalls der Ligenreform zum Opfer fällt. Dafür sahen sich Schneibel und Röller fast regelmäßig bei den Lehrgängen der U20-Nationalmannschaft. Wie es dort weitergeht, ist offen. Die für Januar geplante EM wurde erneut abgesagt. Dabei wollten die beiden gemeinsam das Nationaltrikot tragen. Corona hat sie zweimal ausgebremst: Erst mit der Pause in der Dritten Liga und nun mit der EM-Absage.