Ludwigshafen
Handball: Wie der neue Trainer Matthias Polifka Drittligist TV Hochdorf vor dem Abstieg retten will
Christian Deller, der umtriebige Vereinschef des TV Hochdorf und in Personalunion auch geschäftsführender Gesellschafter der Spielbetriebs-GmbH, scheut kein Risiko. Noch nicht einmal eine Woche nach der vorzeitigen Trennung von Coach Steffen Drausnigg gab er die Verpflichtung von Matthias Polifka als Trainer der ersten Mannschaft bekannt. Der 40 Jahre alte Elektroniker, der bei einer bundesweit tätigen Brandschutzfirma im technischen Vertrieb arbeitet, soll die Pfalzbiber vor dem Absturz in die Oberliga retten.
Derzeit stehen die Hochdorfer auf dem drittletzten Platz der Dritten Liga Süd und müssen um den Klassenverbleib bangen. „Wenn ich etwas mache, dann brauche ich ein klares Ziel vor Augen. In Hochdorf heißt meine Mission, die Mannschaft vor dem Abstieg zu retten“, sagt Polifka. Deshalb habe er nach seiner Zeit als Co-Trainer beim Drittligisten HG Oftersheim-Schwetzingen an der Seite von Ex-Nationalspieler Holger Löhr und einem halben Jahr Pause die Anfrage von Deller angenommen. „Ich kenne hier noch einige aus meiner aktiven Zeit im Verein, so dass es für mich schon Verpflichtung ist, hier etwas zu bewegen“, ergänzt Polifka.
In der Tat ist er in Hochdorf kein Unbekannter. Vor acht Jahren beendete er nach nur einer Spielzeit bei den Grün-Weißen seine Laufbahn. Zuvor spielte er bei den Drittligisten TSB Heilbronn-Horkheim, HGO Oftersheim-Schwetzingen, SG Kronau-Östringen und SG Leutershausen. In Hochdorf feierte er jetzt seine Premiere als Cheftrainer eines Drittligisten. Dabei ist er als Trainer kein Neuling. Der B-Lizenzinhaber betreute die TSG Ketsch und die HG Oftersheim-Oftersheim II, ehe er als Co-Trainer von Löhr in der Dritten Liga erste Erfahrungen an der Seitenlinie sammelte. Jetzt sieht er seine Zeit als Cheftrainer gekommen. Und der Einstand ist ihm in Hochdorf nach nur einer Trainingseinheit mit seiner neuen Mannschaft auch gelungen. Es gab glich einen Sieg.
Die Spieler sollen Spaß am Handball haben
„Es ist immer schön, wenn man eine Aufgabe beginnt und gleich das erste Spiel gewinnt“, sagt Polifka. „Es gibt einige Dinge, die wir ein wenig verändern werden, um zum Erfolg zu kommen. Aber ich muss den Handball in Hochdorf nicht neu erfinden und dafür alles über Bord werfen“, ergänzt der Coach. Ohnehin ist sein Eindruck von seiner Mannschaft äußerst positiv. „Was wir brauchen, ist jetzt absolute Ruhe. Mich interessiert auch nicht, was der eine oder andere Trainer vor mir getan hat. Mein Ziel ist es, nach vorne zu schauen“, betonte Polifka. „Die Jungs haben großes Potenzial, man muss vielleicht taktisch einige Kleinigkeiten verändern, aber sie brauchen auch eine klare Linie und Vertrauen.“ Dabei sieht sich der neue Trainer auch als Psychologe gefordert. „Was sich in den letzten Wochen abgespielt hat und ich mitbekommen habe, konnte sich nicht positiv auf die Mannschaft ausstrahlen. Das geht auch an der Psyche eines Spielers nicht spurlos vorbei.“
Polifka will die Gespräche mit den Spielern forcieren, sich ein eigenes Bild vom Leistungsstand jedes einzelnen Akteurs machen und dann „an den Stellschrauben drehen“. Dabei schließt er Neuzugänge während der Saison aus. Und über die nächste Spielzeit macht er sich überhaupt keine Gedanken. „Die Jungs sollen den Kopf frei bekommen. Ich will, dass sie die aktuelle Situation annehmen und Spaß am Handball haben. Auf diesem Weg möchte ich keinen neuen Spieler noch integrieren müssen. Ich sehe dazu auch nach der Rückkehr von Nicolas Sorda und Steffen Bühler keine Veranlassung“, verdeutlicht Polifka. Er will die nächsten beiden Wochen bis zur Partie bei den Junglöwen nutzen, um die Mannschaft auf den Überlebenskampf in der Liga einzustellen. „Es gibt keine leichten Aufgaben in der Liga, aber die Mannschaft hat das Zeug dazu die Liga zu halten“, ist Polifka überzeugt.