Ludwigshafen
Handball: Wie der neue Hochdorfer Trainer die Mannschaft zum Sieg treibt
Dem TV Hochdorf gelingt der langersehnte Sieg in der Dritten Liga. Unter dem neuen Trainer Steffen Drausnigg dreht der TVH in der zweiten Halbzeit auf und erkämpfte sich mit dem 32:27 (12:14) gegen Pforzheim einen wichtigen Sieg im Abstiegskampf.
Alle Augen richteten sich vor der Partie auf Steffen Drausnigg, den neuen Trainer des TV Hochdorf. Ende des vergangenen Jahres übernahm er das Traineramt von Steffen Christmann. Die Klubführung traute dem 26 Jahre alten Christmann nicht zu, den Aufsteiger vor dem möglichen Abstieg zu retten.Das scheint nun Drausnigg zu gelingen. Seine Trainerpremiere für Hochdorf gegen die TGS Pforzheim hätte nicht besser laufen können. 32:27 gewann der TVH gegen die ambitionierten Badener. Pforzheim spielt bislang eine für seine Verhältnisse unbefriedigende Saison. 13 Punkte hat Pforzheim und nun nur noch einen Zähler mehr als Hochdorf.
Drausnigg peitscht seine Spieler nach vorne
Dass dies so ist, hat mit dem neuen TVH-Trainer zu tun. Der impulsive Drausnigg machte seinem Ruf bei seinem ersten Trainereinsatz für den TV Hochdorf alle Ehre. Immer wieder trieb er seine Mannschaft an, gestikulierte und brüllte in Richtung der Spieler. Dies schien anfänglich zu wirken: „Wir sind gut gestartet“, sagte Drausnigg: „Dann sind wir allerdings nicht in der Lage, nachzulegen.“
Das nutzte die TGS Pforzheim, die im Verlauf der ersten Halbzeit immer besser in die Partie fand. Der TV Hochdorf kam nicht mehr hinterher und geriet schnell ins Hintertreffen. Zeitweise führten die Gäste mit fünf Toren. „Es war von der Körpersprache her in der ersten Halbzeit nicht das, was wir uns vorgestellt haben“, kritisierte Drausnigg. Seiner Mannschaft fehlten vorne oftmals die Ideen, um das Pforzheimer Abwehrbollwerk zu knacken. Folgerichtig stand es 12:14 aus Hochdorfer Sicht zur Pause. Das Ergebnis hätte zu diesem Zeitpunkt sogar noch eindeutiger für die Gäste ausfallen können, doch Torhüter Roko Peribonio hielt den TVH mit einigen spektakulären Paraden im Spiel.
Nach üblem Check gegen Kupijai kippt Partie
In der zweiten Halbzeit zeigte Hochdorf ein vollkommen anderes Gesicht. „Nach der Umstellung auf Manndeckung in der Halbzeit hat die Mannschaft das umgesetzt, was wir in den letzten neun Trainingseinheiten geübt haben, nämlich dieses extrem kämpferische Verschieben“, sagte Drausnigg, der selbst überrascht war, wie gut das neue Konzept in der zweiten Halbzeit funktionierte. Immer wieder trieb er seine Mannschaft von außen an und tigerte wild neben den Ersatzspielern hin und her. In der 35. Minute waren die Gastgeber dann dran an der TGS. Der quirlige Jonas Kupijai traf zum 16:16. In dieser Aktion musste er aber schwer einstecken. Sein Gegenspieler sah für den harten Check die Rote Karte. Trainer Drausnigg tobte draußen an der Ersatzbank, die Halle feierte frenetisch den Ausgleich – und das Spiel kippte.
Von nun an nahm der TV Hochdorf endgültig das Spielgeschehen in die Hand. Das Team um Kapitän Daniel Lanninger drehte auf. Die Gäste aus Pforzheim kamen kaum noch zur Entfaltung. Der TV Hochdorf spielte sich in einen regelrechten Torrausch. 32:25 stand es zwischenzeitlich.
Nun Derby in Haßloch
Es war ein perfekter Einstand für den 53 Jahre alten Steffen Drausnigg. Kommende Woche steht nun das brisante Abstiegskampf-Duell gegen Haßloch bevor. „Auch in Haßloch werden nur zwei Punkte vergeben“, bremst Drausnigg die Euphorie ein wenig.
Kommentar
Siege sind die Währung im Sport. Nur Punkte zählen. Gewinnt ein Trainer, ist er der richtige Mann. Der Erfolg kaschiert dann schon mal Unzulänglichkeiten, Missstände. Aber solange die Bilanz stimmt, ist das egal. Steffen Christmann hatte zu wenig Erfolge mit dem TV Hochdorf. Er musste also gehen. Da zählt nicht – und wird vergessen –, dass Christmann ein sehr guter Trainer ist. Er ist gerade erst einmal 26 Jahre alt. Weder hatte er Stress mit dem Team oder dem Verein noch gab es irgendwelche Missstände. Es fehlten schlichtweg die Punkte – und vielleicht auch etwas das Standing bei den Verantwortlichen. Das scheint Steffen Drausnigg sich in kurzer Zeit erarbeitet zu haben. Der neue Coach startete jedenfalls mit einem Paukenschlag ins neue Jahr. Der Sieg gegen Pforzheim war eminent wichtig. In Hochdorfs Lage zählt kein Schönheitspreis, es zählen nur Punkte. Nur mit diesem Sieg hat der Klub das Saisonziel noch nicht erreicht. Es war ein erster, wichtiger Schritt.