Ludwigshafen
Handball: Warum Gunnar Dietrich so wichtig für die Eulen Ludwigshafen ist
Es sollte der Abend der Kapitäne werden. Gunnar Dietrich und Kai Dippe sind die Spielführer des Handball-Bundesligisten Eulen Ludwigshafen. Ein Duo, das sich sehr gut ergänzt. Dietrich ist eher der nach außen hin zurückhaltende Typ, Dippe steht für Leidenschaft, für Emotionen. Es ist nicht nur das Amt, das beide verbindet. Dietrich und Dippe haben auch am selben Tag Geburtstag – nämlich am 3. März.
Beiden war aber am Dienstag nicht zum Feiern zumute. Denn die 29:36 (13:21)-Niederlage gegen den TBV Lemgo hat dem Duo die Laune vermiest. „Ich kann den Geburtstagskram nicht mehr hören. Wir haben verloren. Und wir haben nicht gut gespielt“, moserte Kai Dippe. Er wurde 27 Jahre alt. Dabei hatte er die Hoffnung noch einmal aufflammen lassen, als er zum 20:26, 21:26 und 22:26 traf. Letztlich war es nur Ergebniskosmetik. Denn Lemgo war – wieder einmal – zu gut für Ludwigshafen. Das war nun schon zu dritten Mal in dieser Saison der Fall. Das Hinspiel verloren die Eulen 19:27, im Pokal unterlagen sie 23:26 und nun wurden sie mit 29:36 düpiert. „Das war schwer für den Kopf und das Herz“, sagte Dippe und gewann die Erkenntnis, dass Lemgo den Eulen offenbar nicht liegt.
Matschke stellt sich vor seinen Kapitän
Gunnar Dietrich kennt den TBV Lemgo. Er spielte von 2011 bis 2013 für Lemgo. Dann kam er wieder nach Ludwigshafen zurück. Dietrich ist ein wichtiger Spieler für den Klub. Doch die Kritik an seiner Leistung im Angriff nimmt zu. Das perlt an ihm ab. „Das beschäftigt mich nicht“, betont Dietrich, „ich weiß, was der Trainer von mir verlangt.“ Coach Ben Matschke verteidigt seinen Kapitän. „Gunnar nimmt sich nie zurück. Seit fünf Jahren arbeite ich mit ihm zusammen. Ich kann mich nicht erinnern, wann er im Training fehlte. Ich weiß, dass er sich nach dieser Niederlage gegen Lemgo besonders ärgert. Er wird morgen ins Training kommen und die Leistung analysieren. Gunnar stellt die Ziele und das Wohl des Vereins in den Vordergrund“, sagt Matschke. Er reagierte harsch gegen Kritik an Dietrich nach dem Unentschieden gegen Melsungen. Da agierte Dietrich in manchen Situationen unglücklich. Dietrich wurmte das am meisten. Nach dem Melsungen-Spiel brodelte es in ihm. Die Kritik wurmt auch Philipp Grimm, den Sportlichen Leiter der Eulen. Er brach nach dem Lemgo-Spiel eine Lanze für seinen ehemaligen Mitspieler. „Man kann die Leistung, die Gunnar für den Verein bringt, nicht hoch genug hängen. Seit Jahren ist die Leistung sehr gut. Er ist ein super Kapitän.“
Dietrich ist nun Rekordtorschütze
Grimm gönnte es denn auch Gunnar Dietrich, dass er ihn in einem Punkt abgelöst hat. Dietrich ist seit gestern Rekordtorschütze der Eulen in der Handball-Bundesliga. 290 Treffer hat der Junioren-Europameister von 2006 und Vize-Weltmeister von 2007 nun erzielt. Grimm kam auf 288. „Das ist mir egal“, sagte Dietrich, „ich hätte lieber gewonnen. Außerdem hat Philipp diese 288 Tore wohl in nur zwei Saisons erzielt. Ich habe dafür viel länger gebraucht“, sagte der 34 Jahre alte Dietrich.
Nach einer Weile hatten Dietrich und Dippe die Niederlage gegen Lemgo etwas verdaut. Dippe hatte im VIP-Bereich Kuchen verteilt. Dabei lächelte er wieder. Es war dann bedingt noch ein Abend der Kapitäne.