Hochdorf-Assenheim
Handball: Warum fast niemand an ein Saisonende in der Dritten Liga glaubt
Mathias Polifka, Trainer des TV Hochdorf, möchte die Saison regulär zu Ende spielen. Auch Handball-Drittligist TV Hochdorf hat eine eigene Sportanlage, muss sie aber ebenfalls geschlossen halten. Der Verein hat erst vor einigen Monaten für viel Geld seine Spielfeldmarkierungen so geändert, dass nun zwei komplette Spielfelder in der Halle sind. So können zwei Teams parallel trainieren. Vor der Halle wurde außerdem ein Beachvolleyball-Feld aufgeschüttet.
Die Infrastruktur darf aber derzeit nicht genutzt werden. Deshalb hat TVH-Trainer Mathias Polifka seinem Team diese Woche frei gegeben. „Das ist eine komplizierte Situation. Wir müssen abwarten, was kommt“, sagt er, „die Sache ist so dynamisch.“ Polifka verzichtet aber nicht komplett auf Training. Dreimal die Woche hat er seinen Spielern individuelles Lauftraining angeordnet. Kommende Woche will er dann unter Umständen wieder mit dem Team trainieren. „Denn“, sagt Polifka, „es wäre fahrlässig, wenn wir drei bis vier Wochen nichts tun würden.“ Mathias Polifka schränkt aber ein: „Wir gehen erst in die Halle, sobald sich die Situation entschärft hat.“
Der Hochdorfer Coach kann sich nicht erlauben, seine Mannschaft in Urlaub zu schicken. Denn der Klub kämpft gegen den Abstieg. Hochdorf steht nur deshalb auf einem Nicht-Abstiegsplatz, weil Konkurrent Willstätt eine Partie weniger ausgetragen hat. Siegt Willstätt in jener Begegnung beim TuS Kaiserslautern-Dansenberg, dann verdrängt Willstätt den TVH vom ersten Nicht-Abstiegsplatz. Dann wäre Hochdorf auf einem Abstiegsplatz. Und eventuell abgestiegen? Denn, ob die Saison zu Ende gespielt wird, ist völlig ungewiss. „Man kann die Saison ja in die Länge ziehen. Wir haben bis 30. Juni Zeit“, sagt Polifka. Er würde sich wünschen, wenn die Saison regulär zu Ende gespielt werden könnte. Deshalb sagt Polifka: „Wir wollen und müssen uns bis zu einem gewissen Grad fit halten. Wir wollen für den Tag x fit sein.“
Der Hochdorfer Vereinsvorsitzende Christian Deller glaubt dagegen, „dass diese Runde kein Handball mehr gespielt wird“. Denn der Höhepunkt des Virus werde erst Mitte/Ende April erwartet, sagt er. „Ich hoffe natürlich, dass es früher zu Ende geht“, sagt Deller, der in Haßloch wohnt. „Ich persönlich bin dafür, dass die Runde einfach wiederholt wird. Das wäre für alle Beteiligten die fairste Lösung,“ sagt Deller. Alle Faktoren werde man in dieser Lage nicht unter einen Hut bekommen.
Haßlochs Sportlicher Leiter ist für vorzeitiges Saisonende
Die Drittliga-Handballer der TSG Haßloch gehen derzeit joggen, jeder für sich alleine – sofern keine Ausgangssperre verhängt wird. „Manche sind auch zuletzt noch ins Fitnessstudio gegangen, so lang die noch geöffnet waren“, sagt Thomas Müller, Sportlicher Leiter der TSG. In dem Verein ist derzeit wegen des Coronavirus der Sportbetrieb in allen Abteilungen eingestellt, hat TSG-Vorsitzender Rudi Einholz mitgeteilt. Der gesamte Spielbetrieb des deutschen Handballs soll laut Deutschem Handball-Bund (DHB) bis mindestens 19. April auf allen Ebenen ausgesetzt werden. Die Drittliga-Handballer aus Haßloch haben noch insgesamt fünf Spiele in dieser Saison zu absolvieren. Laut DHB sind bislang alle Partien bis einschließlich 18. April, dem Ende der Osterferien, verlegt. Lediglich die letzte Begegnung der Runde 2019/2020, TSG Haßloch gegen TGS Pforzheim am 25. April, ist im Spielplan noch terminiert. Thomas Müller erzählt, dass das Mannschaftstraining vorerst nur diese Woche ausgesetzt worden ist. „Aber mal realistisch gesehen: Was ist in vier Wochen anders als jetzt?“, fragt er kritisch, sieht noch lange nicht das Ende der Coronaviruswelle. Er sei der Meinung, dass die Saison vorzeitig als beendet erklärt werden sollte, sagt Müller. „Der Hessische Handball-Verband hat vergangene Woche eine klare Entscheidung getroffen für seine Mannschaften“, verweist er darauf, dass dort die Saison Stand Freitag, 13. März, 12 Uhr, beendet ist. „Die Auf- und Abstiegsregelungen zur und für die folgende Spielrunde 2020/2021 werden mit dem Tabellenstand der jeweiligen Spielklasse vom Freitag, den 13. März 2020, gewertet“, heißt es auf der Internetseite des Verbandes. „Die Qualifikation der Jugend zur Hallenrunde 2020/21 wird durch das Ressort Jugend entsprechend neu geordnet und allen Beteiligten bekannt gegeben.“
Diese Verfahrensweise auf die Dritte Liga Süd zu übertragen, birgt laut Müller allerdings ein Problem: Denn nicht alle Mannschaften haben derzeit die gleiche Anzahl an Spielen absolviert. Unter anderem das Nachholspiel Dansenberg gegen Willstätt steht noch aus – die Partie war Anfang März abgesetzt worden, weil es im Arbeitsumfeld der Mutter eines Willstätter Spielers eine Coronavirus-Erkrankung gegeben hatte. „Für Willstätt und Hochdorf geht“s um den Ligaverbleib – gewinnt Willstätt diese Partie, steht es vor Hochdorf, und damit würde Hochdorf absteigen“, erklärt Müller die Lage. „Das ist brisant“, fügt er hinzu.
Der Haßlocher hat noch eine Lösung parat, nämlich die jetzige Runde zu nullen: „Jeder spielt die gleiche Runde noch mal.“ Doch sieht er hier ebenfalls ein Problem: „Was macht man, wenn eine abgeschlagene Mannschaft wie zum Beispiel Blaustein in der Dritten Liga Süd gar nicht in der Dritten Liga bleiben will?“ Der TSV Blaustein hat in 25 Spielen lediglich fünf Punkte geholt, ist damit abgeschlagenes Schlusslicht der Liga. Dass die Mannschaften fünf Wochen gar nicht trainieren können und dann nach dem 19. April gleich wieder spielen sollen, „das geht gar nicht“, betont Thomas Müller.
Dansenbergs Alexander Schmitt rechnet nicht mit weiteren Spielen
Alexander Schmitt, Manager des TuS Kaiserslautern-Dansenberg, glaubt nicht, dass der Spielbetrieb in der Dritten Liga weitergeht. Er verweist dabei auf die Erste und Zweite Handball-Bundesliga der Frauen, wo der DHB die Meisterschaftsrunde 2019/2020 für beendet erklärt hat und wo es keine sportlichen Absteiger gibt. „Über Aufsteiger ist noch nicht befunden worden“, sagt Schmitt. Auch ihn beschäftigt das eigentlich noch ausstehende Nachholspiel zwischen Dansenberg und Willstätt: „Wenn es noch das Nachholspiel gäbe, setzten wir alles daran, um es zu gewinnen.“ Mit Hochdorf habe Dansenberg ein Derby in der Dritten Liga, „und damit haben wir mehr Zuschauer in der Halle“, begründet Schmitt seine Meinung.
Die Dansenberger Spieler halten sich derzeit mit Laufen, Kraft-, Stabilisations- und Fitnessübungen fit. „Der Trainer hat jedem Spieler einen Trainingsplan gegeben“, weiß Schmitt. Ob die Übungen auch absolviert werden, kontrolliert in Dansenberg indes niemand. Schmitt: „In dieser Liga will jeder trainieren.“