Ludwigshafen
Handball: Warum es bei den pfälzischen Drittligisten nach dem Saisonabbruch kein Aufatmen gibt
Die wegen der Corona-Pandemie beendete Saison wird zum Stichtag 12. März nach der Quotienten-Regelung gewertet. „Es gibt jedoch keine Absteiger“, informiert Tim Oliver Kalle, Leiter der Kommunikation beim Deutschen Handballbund (DHB). Die Mannschaftszahlen der einzelnen Ligen werden für die Saison 2020/21 angepasst: Die Dritte Liga wird in kommenden Runde auf eine Stärke von maximal 72 Teams (bisher 64) erhöht. Neben den sogenannten Regelaufsteigern – eine Mannschaft je Oberligabereich – könnten auch weitere Teams aus der Oberliga aufgenommen werden, so der DHB. „Unsere Vereine der Dritten Liga haben an ihren Standorten keine Möglichkeit, den Trainingsbetrieb wieder aufzunehmen und können auch keine Spiele austragen“, sagt Mark Schober, Vorstandsvorsitzender des DHB. „Die Saison in der Dritten Liga abzubrechen, ist mit Blick auf die weiter dringend erforderliche Reduzierung der Anzahl neuer Infektionen eine notwendige und richtige Entscheidung.“
Dauerkarten spielen keine Rolle
„Schon aus gesundheitlichen Gründen gibt es keine Alternative zum Saisonabbruch“, sagte Christian Deller, Vorsitzender des TV Hochdorf, der ein Fürsprecher ist, die seit Mitte März ausgesetzte Runde nicht fortzusetzen. Bei vielen Spielen in zu kurzem Zeitraum würde das Verletzungsrisiko für die Aktiven in ungeahnte Höhen ansteigen. Zumal niemand sagen könne, wie sich das Ansteckungsrisiko in diesem Zeitraum für alle in der Halle entwickelt hätte. Er ist einverstanden mit dem Vorgehen, die Abschlusstabelle nach einem Quotientenmodell zu berechnen. „Der Meister soll aufsteigen, aber einen Absteiger darf es in dieser Saison nicht geben“, sagt Deller, den vor allem der Ausblick auf die kommende Saison beschäftigt. „Unsere Verträge laufen ab dem 1. Juli. Einnahmen werden wir bis dahin aber keine haben.“ Zudem könne derzeit niemand eine seriöse Vorbereitung für die nächste Runde planen. „Ich sehe im Moment viel eher die Frage, ob es die Dritte Liga weiterhin geben wird.“ Die Planungsunsicherheit in puncto Vorbereitung sei groß und Fragen der Finanzierung, die sich das gesamte Oberhaus stelle, müssten beantwortet werden. Wobei jeder Verein dabei seine eigene Lösung finden müsse und der DHB den Akteuren hier wohlwollend entgegenkomme.
Immerhin habe der Kader des TVH auf einen Teil seiner Bezüge verzichtet. „Ein wichtiger Beitrag“, erklärte Deller, der nicht die Summe, sondern die Signalwirkung der Geste betont. Dauerkarten spielen hingegen keine Rolle in den Überlegungen des Klubs. „Wir haben nur sehr wenige.“ Zwar gebe es auch in Hochdorf eine ganze Reihe treuer Zuschauer, „aber Dauerkarten haben sie eher weniger.“
Keine Zahlungen an Spieler
Seinen Abschied hatte sich Tobias Job, Trainer der TSG Haßloch, anders vorgestellt. „Seit der Woche vor dem Spiel gegen Erlangen habe ich das Team nicht mehr gesehen“, sagt Job, der frühzeitig angekündigt hatte, zum Saisonende als Trainer auszuscheiden. Jenes Spiel gegen Erlangen war für den 14. März vorgesehen gewesen. „Ich gehe davon aus, dass wir uns zum letzten Mal gesehen haben“, erinnert sich Job, was er Mitte März seiner Mannschaft gesagt habe. Die Tabelle sei für ihn angesichts der Pandemie nebensächlich geworden. Job erzählt, dass die Mannschaft stets zwischen sechs und acht Wochen Pause gehabt habe, bevor die Saisonvorbereitung gestartet sei. „Die Pause ist jetzt viel länger. Die Teams brauchen aber mindestens zwei Monate Vorlaufzeit“, gibt er zu bedenken. Auch wenn sich die meisten Spieler alleine fit hielten, „es braucht Zeit, sich wieder an den Körperkontakt auf dem Spielfeld zu gewöhnen“.
Thomas Müller, Sportlicher Leiter der TSG, hat sich Gedanken über die Saison 2020/21 gemacht. „Wo wäre das Problem, wenn wir jetzt schon sagten, wir fangen erst Ende September an?“, fragt er. Normalerweise beginne die Vorbereitung auf eine Mitte August startende Runde Ende Juni/Anfang Juli. Und die Gefahr der Ansteckung sei noch nicht weg.
„Kein Aufwand – kein Geld“, heißt es bei der TSG Haßloch. Die Spieler erhalten in der Zwangspause keine Aufwandsentschädigungen. Alle hätten einen Beruf, mit dem sie Geld verdienten, weiß Müller. Finanziell gesehen sei eine weitere Saison in der Dritten Liga für die TSG gesichert. Den 200 Dauerkartenbesitzern habe man geraten abzuwarten. „Ich gehe nicht davon aus, dass viele Geld zurückverlangen“, glaubt der Sportliche Leiter.
Trainerteam verzichtet auf Bezüge
Dem TuS Dansenberg entgehen durch den vorzeitigen Saisonabbruch eingeplante Einnahmen in fünfstelliger Höhe. „Bis Juli können wir uns irgendwie durchhangeln, danach geht es um die Existenz“, betont der stellvertretende Vorsitzende Andreas Wilhelm, der den Verein gemeinsam mit Teammanager Alexander Schmitt lenkt.
Die vereinseigene Halle erweist sich in der aktuellen Situation als Fluch und Segen zugleich. „Wir haben laufende Kosten für Strom, Gas, Wasser und Versicherungen, aber keine Einnahmen“, erläutert Wilhelm. Dem Pächter der Gaststätte habe man die Pacht gestundet, da auch dieser keine Einnahmen habe. Die angekündigte Soforthilfe der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz lässt auf sich warten. Bei den Schwarz-Weißen rechnet man mit rund 15.000 Euro. Drei Mitarbeiter sind in Kurzarbeit, Kredite bei der Stadtsparkasse Kaiserslautern wurden für sechs Monate ausgesetzt. Es wurden Stundungsanträge bei der Berufsgenossenschaft und dem Finanzamt gestellt und die Auszahlung der Übungsleiterentgelte verschoben.
Das Aushängeschild des über 700 Mitglieder zählenden Vereins sind die Drittliga-Handballer. Die Mannschaft um ihren scheidenden Kapitän Christopher Seitz hat beschlossen, rückwirkend von März bis Juni auf 30 Prozent ihrer Bezüge zu verzichten. Das Trainerteam um Steffen Ecker verzichtet komplett auf seine Bezüge. „Anders hätten wir die Situation nicht stemmen können“, betont Schmitt. „Andreas Wilhelm und ich müssen als Ehrenamtler sehr viel Arbeit reinstecken, um den Verein durch die aktuelle Situation zu führen. Wir müssen alle Register ziehen, um diese Krise zu überstehen.“