Ludwigshafen
Handball: Warum dem TV Hochdorf der Befreiungsschlag misslingt
Großartige Atmosphäre vor dem Anpfiff, bedrückende Stille beim Schlusspfiff: So groß wie das Stimmungsgefälle waren auch die Leistungsunterschiede im Defensiv- und Offensivspiel des Drittligisten TV Hochdorf. So misslang am Samstag in eigener Halle der erhoffte Befreiungsschlag gegen den Mitkonkurrenten HC Erlangen II.
Schaut man sich die Statistik an, war es ein typisches Hochdorf-Spiel. „Die Abwehr war, abgesehen von den letzten zehn Minuten gut“, stellte TVH-Trainer Steffen Christmann nach dem Schlusspfiff fest. Obwohl im Tabellenkeller kassieren nur drei Teams in der Liga weniger Gegentore als die Vorderpfälzer, die ihr Problem im Angriff haben. So verlor der TVH gegen Erlangen mit 20:22 (8:11).
Eigenes Überzahlspiel wird TVH zum Verhängnis
Das wurde am Samstag gleich zu Beginn deutlich, als zuerst der stark verteidigende Nikola Sorda zwei freie Bälle vom Kreis verwarf und zudem einige Bälle im oft zu ideen- und planlosen Spielaufbau verloren gingen. Katastrophal war das Überzahlspiel, das dem TVH nie Vorteile brachte – im Gegenteil. Zuerst suche Christmann flehend Beistand bei Teammanager Gerhard Scheurer (45.), dann wurde der Kopf des Trainers feuerrot, als die nächste Überzahlsituation mit einem unnötigen Ballverlust mündete (47.). Da halfen auch die bis dahin sechs Paraden des zur Pause gekommen Torhüters Roko Peribonio nicht. In eben dieser Phase verpassen es die Pfalzbiber, das hier ausgeglichene Spiel auf ihre Seite zu ziehen und geraten danach mit zwei Toren in Rückstand. Der hatte bis zum Spielende Bestand. Christmann fand für das eigene Verhalten in Überzahl keine Worte oder Erklärung, sein Kreisläufer Sorda schon: „Ich habe das Gefühl gehabt, dass uns in diesen Situationen das Konzept gefehlt hat, obwohl wir es im Training geübt hatten. Wir haben keinen richtigen Spielzug gespielt und sind auch einfach nicht in die Lücken gegangen.“
Götz verschenkt mögliches Unentschieden
Aus dem Rückraum konnte der TVH kaum Torgefahr entwickeln, kam auf eine schlechte Quote, die Tim Götz auf die Spitze trieb: Immer wieder rannte er an, warf aus allen Lagen, doch vier Treffer bei 14 Versuchen sind zu wenig. Er spielte dennoch quasi durch, weil Christmann Alternativen fehlten. So war es Götz, der die letzte Chance auf einen Punktgewinn verschenkte, als beim Stand von 19:20 sein Ball am Tor vorbeirollte.
Schiedsrichter machen Spiel spannend
Kurz zuvor hatten die Schiedsrichter das Spiel nochmals spannend gemacht. Sie nahmen einen Treffer der Erlanger zum vermeintlichen 19:21 zurück. „Der Ball soll durchs Außennetz ins Tor gegangen sein, aber man hat es nicht repariert“, wunderte sich Erlangens Coach Tobias Wannenmacher, dessen wildes Protestieren erfolglos blieb. Auswirkungen hatte das keine, da er mit Lars Goebel einen überragenden Torwart in seinen Reihen hatte, der 16 meist sehr starke Paraden zeigte und ein großer Rückhalt war. „Der Torwart gehört dazu, aber heute war der Kampfgeist entscheidend. Wir hatten elf Ausfälle, A-Jugend-Spieler dabei, aber jeder hat seine Aufgabe erfüllt“, meinte der HC-Coach. Bezahlen musste Erlangen den Erfolg aber mit der offenbar schwereren Knieverletzung von Yannik Bialowas. Der war unglücklich mit Daniel Lanninger zusammengeprallt (48.). Aus Hochdorfer Sicht hätte der effektivste Erlanger da schon nicht mehr auf dem Feld stehen dürfen, denn als er in der 17. Minute Marvin Gerdon im Gegenstoß „abräumte“ hatten sie „rot“ gefordert; es gab aber nur eine Zeitstrafe und Strafwurf, den Niklas Schwenzer vergab.
So blieb ein verärgerter Christmann zurück: „Es ist ein deutlicher Rückschlag, weil die Leistung einfach schlecht war.“ Sorda meinte: „Wir dürfen unsere freien Bälle nicht so leichtfertig verwerfen. Wir sind heute nicht abgestiegen, auch wenn es ein wichtiges Spiel war. Wir müssen weiter kämpfen. Nächste Woche kommt ein ähnliches Spiel gegen Willstätt.“
So spielten sie
TV Hochdorf: Bolling (ab 31. Peribonio) – Götz (4), Lenz, Kupijai (1) – Gerdon (3), Schwenzer (1) – Sorda (4); Lanninger (3), Werthmann, Braun (4/2)
Spielfilm: 2:3 (10.), 5:4 (14.), 5:7 (19.), 7:8 (26.), 8:11 (Halbzeit), 11:11 (35.), 14:14 (43.), 16:18 (52.), 20:22 (Ende) - Siebenmeter: 5/2 – 5/4 – Zeitstrafen: 2:4 – Beste Spieler: Sorda, Peribonio – Goebel, Bialowas, Mangen – Zuschauer: 350 – Schiedsrichter: Ernst/Friedhoff (Fellbach/Freiburg).