Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Handball: Warum dem kommenden Gegner der Eulen Ludwigshafen eine große Zukunft in der Bundesliga vorausgesagt wird

Spielen künftig nicht nur in der Nationalmannschaft zusammen, sondern auch bei Handball-Bundesligist MT Melsungen: Timo Kastenin
Spielen künftig nicht nur in der Nationalmannschaft zusammen, sondern auch bei Handball-Bundesligist MT Melsungen: Timo Kastening und Kai Häfner.

Die MT Melsungen gehört zu den wirtschaftlich stärksten Vereinen in der Handball-Bundesliga. Doch der sportliche Erfolg will sich nicht so recht einstellen. Das aber bringt die Verantwortlichen nicht aus der Fassung. Sie puzzeln besonnen im Hintergrund an der Zukunft – die sieht rosig aus.

Der schmeichelhafte Siegtreffer sorgte für Gesprächsstoff. Julius Kühn hatte wenige Sekunden vor Spielende das 26:25 für die MT Melsungen gegen die Eulen Ludwigshafen Anfang Dezember erzielt. „Das war ein glücklicher Sieg“, lautete der Tenor aus dem Lager der MT. Gegen die Eulen Ludwigshafen ist die MT Melsungen einer kleinen Blamage noch einmal entronnen. Gegen den TVB Stuttgart vor wenigen Tagen aber nicht. Da verloren die ambitionierten Nordhessen.

Solche Schwankungen sind nicht ungewöhnlich für Melsungen. In Balingen setzte es eine 36:23-Abfuhr für das Starensemble. In Stuttgart, zu Hause gegen Leipzig verlor die MT auch. Das ist das eine Gesicht. Das andere ist, dass die Mannschaft zweimal in dieser Saison gegen die Rhein-Neckar-Löwen gewann oder gegen den SC Magdeburg. Viele Schwankungen darf sich die MT aber nicht mehr erlauben, will der Klub das selbstgesteckte Saisonziel erreichen. Mindestens der fünfte Platz soll herausspringen. Nationalspieler Tobias Reichmann dagegen spricht vom dritten Platz. Der ist aber ein gutes Stück entfernt. Derzeit sind die Nordhessen Siebter (27:17 Punkte) mit fünf Zählern Rückstand auf Rang drei. Ein Sieg bei den Eulen Ludwigshafen am Sonntag ist daher eingeplant (16 Uhr, Friedrich-Ebert-Halle).

Doch selbstverständlich wird das nicht. Denn die Formkurve der Melsunger zeigte zuletzt nach unten – Niederlage in der Bundesliga gegen Stuttgart und im EHF-Pokal gegen Bjerringbro-Silkeborg. Überhaupt läuft es auf dem internationalen Parkett nicht so rund für Melsungen. Das Aus in der Gruppenphase droht nach zwei Niederlagen und einem Sieg. Doch internationaler Glanz tut auch der MT gut. Noch aber tanzt der Verein auf drei Hochzeiten: In der Bundesliga ist die Qualifikation für das internationale Geschäft in Reichweite, im Pokal steht die MT im Final-Four in Hamburg und noch ist ein Weiterkommen im EHF-Cup möglich. Einfach werden die Aufgaben aber nicht, denn die MT muss die kommenden Wochen auf Abwehrchef Felix Danner verzichten. Er riss sich in der Winterpause den Meniskus.

Personalrochaden bei MT Melsungen

Derweil plant der Verein weiter am neuen Team. Torwart Johan Sjöstrand wechselt im Sommer nach Bjerringbro-Silkeborg, Allrounder Timm Schneider zum VfL Gummersbach und Roman Sidorowicz zum Schweizer Erstligisten Pfadi Winterthur. Für MT-Vorstand Axel Geerken sind solche Personalrochaden nichts Außergewöhnliches. Denn er hat seine Hausaufgaben schon erledigt. Torwart Silvio Heinevetter, Rechtsaußen Timo Kastening und Kreisläufer Arnar Freyr Arnarsson stehen als Neuzugänge fest. Nationalspieler Steffen Fäth soll der MT angeboten worden sein. Der Rückraumakteur fühlt sich bei den Rhein-Neckar Löwen nicht wohl. An dem 29-Jährigen habe die MT aber kein Interesse, versichert Geerken. Dagegen buhlen die Melsunger um Hannovers Fabian Böhm.

5,5 Millionen beträgt offizieller Etat

Dass die MT Melsungen solche Stars verpflichten kann, hängt an der Verbundenheit des Hauptsponsors, dem weltweit operierenden Pharma-Unternehmen B. Braun zum Verein. Dessen Aufsichtsratsvorsitzende Barbara Braun-Lüdicke ist seit gut 20 Jahren eng mit der MT verbandelt. Als Melsungen 2005 in die Bundesliga aufstieg, betrug der Etat 1,5 Millionen Euro. Mittlerweile kalkuliert der Erstligist offiziell mit 5,5 Millionen Euro – Experten schätzen sogar mit einem höheren Etat.

Diese wirtschaftliche Kraft macht die MT Melsungen attraktiv für viele Spieler. 2017 ging der Klub erstmals auf Einkaufstour und angelte sich die Europameister Finn Lemke, Tobias Reichmann und Julius Kühn. Diesen Sommer folgte Kai Häfner. Zur neuen Saison kommen Shooting-Star Timo Kastening sowie Silvio Heinevetter. Mittlerweile wird der MT Melsungen der Beiname „MT Deutschland“ verpasst, weil der Klub so viele deutsche Nationalspieler im Team hat. „Das klingt gut“, sagt Nationalspieler Kai Häfner, „aber Kiel und die Rhein-Neckar Löwen haben auch viele Nationalspieler in ihren Reihen.“ Häfner relativiert dann diese Bezeichnung etwas. „Wir verfügen auch über fantastische Handballer aus dem Ausland – die kommen bei diesem Spitznamen dann zu kurz.“

Der TBV Lemgo hatte Anfang der 2000er Jahre schon einmal so ein Projekt gestartet. Damals spielte die halbe deutsche Nationalmannschaft in Lemgo – Kehrmann, Baur, Zerbe, Schwarzer. Das Projekt war nicht so erfolgreich wie erhofft. Das könnte Melsungen auch drohen, denn Geld alleine garantiert keinen Erfolg. Aber die Verantwortlichen in Melsungen arbeiten mit Weitsicht. Der großen Erfolge sind eine Frage der Zeit.

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