Ludwigshafen
Handball: Die Eulen verlieren mit 23:25 (13:12) beim TSV Hannover-Burgdorf
Sabine brachte die Reiseplanung der Eulen durcheinander. Die Sturmwarnung und die Befürchtung der Bahn, Züge könnten ausfallen oder stark verspätet ins Ziel kommen, ließ die Eulen umdisponieren: Statt um 10.05 Uhr per ICE ab Mannheim ging es gestern um 9 Uhr im Mannschaftsbus nach Hannover. Dem Sturmlauf von Böhm und Co. hatten die Eulen lange getrotzt – am Ende hatten sie knapp verloren. „Das Spiel hatte eigentlich keinen Sieger verdient“, bedauerte Eulen-Geschäftsführerin Lisa Heßler.
In der heutigen Swiss Life Hall endete am 6. Mai 2009 in der Relegation der Traum vom Bundesliga-Aufstieg der Friesenheimer: Die Recken, im Hinspiel mit 24:31 unterlegen, gewannen damals den zweiten Krimi 25:18 und stiegen auf. Im Dress der Eulen einst im Mai schon dabei: Gunnar Dietrich, heute Kapitän. Und Evgeni Pevnov, der seit 2017 für Hannover am Kreis Dienst tut. Und das gestern richtig gut machte. Drei Tore und ein steter Unruheherd. „Die haben fast alles über den Kreis gemacht. Brozovic, Pevnov – das waren Tore oder Siebenmeter“, haderte Pascal Durak, der starke Rechtsaußen der Eulen.
Jerome Müller: „Schade, es war mehr drin“
Die Recken haben zwei Spielstätten: Die Swiss Life Arena fasst 4200 Zuschauer und war gestern ausverkauft. Die Großkaliber der Eliteliga werden in der TUI-Arena begrüßt, wo 10.000 Zuschauer Platz finden. Wenn die Spiele beginnen, stehen alle Fans, bis das erste Heimtor bejubelt werden kann. Das war gestern nach 125 Sekunden der Fall, als Christian Ugalde zum 1:1 traf. Im Frühjahr letzten Jahres buhlten die Hannoveraner um Eulen-Torjäger Jerome Müller. Der Transfer zerschlug sich, als die Eulen erstklassig blieben. Nun endet Müllers Vertrag, der 23-Jährige wechselt zum TVB Stuttgart. Gestern traf er fünfmal. „Schade, es war mehr drin“, sagte Müller geknickt.
„Wir suchen natürlich für Halbrechts“, sagt Lisa Heßler, die Geschäftsführerin. Priorität hat neben der Suche nach einem Müller-Nachfolger die Klärung der Torhüterfrage. Gorazd Škof (42), der slowenische Nothelfer, plant im Sommer in seine Heimat zurückzukehren. Škof traf gestern zwar bei Überzahl mit gutem Auge zum 4:3 (7.). Es war aber nicht sein Abend. Nur sechs Paraden – nach 50 Minuten kam Martin Tomovski.
Duraks Fehlpass mit Folgen
Der 22-Jährige parierte in der 55. Minute großartig mit Fußabwehr gegen Pevnov, Durak wollte Freddy Stüber auf die Reise schicken – der Fehlpass hatte Folgen: Alt-Meister Morten Olsen traf zum 23:22. „Den Pass muss ich mir ankreiden lassen, da hätte ich mich foulen lassen müssen. Aber ich sah, die ganze Autobahn ist frei, wenn den Ball bei ,Stübi’ ankommt ...“, sagte Durak.
Er hatte eine Top-Quote: sechs Würfe, sechs Tore. Er konnte der Mann des Tages sein und war am Ende der tragische Held. Er stieg hoch – und rechnete mit Siebenmeter. Die Unparteiischen entschieden aber auf Stürmerfoul. Timo Kastening gelang 85 Sekunden vor Schluss das 24:22 – im Nachschuss, nachdem Tomovski den Siebenmeter pariert hatte. Die Vorentscheidung! „In der entscheidenden Phase waren wir nicht clever genug“, urteilte Trainer Matschke enttäuscht. „Ein Sieg der Moral“, wertete Sven-Sören Christophersen, der Sportliche Leiter der Recken, das 25:23.