Ludwigshafen
Handball: Der außergewöhnliche Werdegang des Alexander Falk bei den Eulen Ludwigshafen
Alexander Falk kennt nur die Eulen Ludwigshafen. Seit seinem vierten Lebensjahr spielt der ehemalige Junioren-Nationalspieler für diesen Verein. Seit dieser Bundesliga-Saison ist er Stammspieler. Der Aufstieg kommt nicht ganz unerwartet. Der 22 Jahre alte Oggersheimer zeigte am Donnerstag gegen den SC Magdeburg, warum Trainer Ben Matschke auf ihn setzt.
Ludwigshafen. Bennet Wiegert hatte seine mahnenden Worte bewusst gewählt. „Ludwigshafen, Ludwigshafen, Ludwigshafen“, wiederholte der Trainer des Handball-Bundesligisten gestern nach der Trainingseinheit im TSG-Sportzentrum in Friesenheim. Die kommenden Gegner in der Gruppenphase im EHF-Pokal waren gerade durchgesickert. Mit Nantes, Gorenje Velenje und Ademar Leon bekommt es Magdeburg zu tun. Davon aber wollte Wiegert nichts wissen. Er konzentrierte sich ganz auf Ludwigshafen – und wusste auch warum. Denn der 20:17 (9:10)-Sieg war ein hartes Stück Arbeit für den SCM. Seine Mannschaft tat sich lange Zeit schwer gegen gut spielende Ludwigshafener. Die Magdeburger sind bekannt für ihren Hochgeschwindigkeits-Handball. Doch in Ludwigshafen war davon nichts zu sehen. „Daran hat Alexander Falk seinen Anteil“, sagte Eulen-Trainer Ben Matschke, „er war mitverantwortlich, dass Magdeburg seine erste Welle nicht ausspielen konnte.“ Alexander Falk hat nämlich Nationalspieler Matthias Musche kalt gestellt. Der Linksaußen des SCM kam kaum zum Zug. Drei Tore erzielte er, zwei davon waren Siebenmeter. „Der Alexander macht es gut. Er deckt gut. Er hat sich in der Bundesliga etabliert“, sagte Musche. Dass Falk ihn in der ersten Halbzeit sozusagen in die Bande gerammt hat, „gehört eben zum Handball dazu“, sagte Musche der RHEINPFALZ.
Falk wischt bei den Eulen-Heimspielen den Boden
Der Werdegang von Falk bei den Eulen Ludwigshafen ist außergewöhnlich. Mit vier Jahren begann er bei der TSG Friesenheim mit dem Handball. Er war sogar Wischer bei den Spielen der Profis. Vor vier Jahren dann feierte Falk als 17-Jähriger sein Debüt im Profiteam. Seine Entwicklung war rasant – manchmal zu schnell. „Ein Spieler muss nicht immer spielen, um weiterzukommen“, sagt Matschke, „er muss auch mal geerdet werden, sich Gedanken machen, warum er nicht spielt.“ Diese psychologischen Kniffe hat Falk kapiert. Er hat daraus gelernt – und sich zu einem Stammspieler empor gearbeitet. Und das, obwohl er mit seinen 22 Jahren der drittjüngste Spieler im Eulen-Kader ist. Deshalb ist er noch nicht befreit von einem Amt im Team. „Ich bin der Bierwart, muss für Getränke sorgen“, sagt er schmunzelnd.
Praktikum im Kindergarten
Schmunzeln muss Falk auch, wenn er über seine Berufsausbildung spricht. Derzeit studiert Falk, der am Humboldt-Gymnasium war, an der Pädagogischen Hochschule in Heidelberg Frühkindliche Elementarbildung. Später schließt sich ein Studium fürs Lehramt an Grundschulen an. Falk absolviert nun ein Praktikum in einem Kindergarten am Ebertpark. Jeden Donnerstag ist er dort – und jedes Mal wird er bombardiert mit Fragen der Kinder. „Wie schnell er wirft oder welche Schuhgröße er hat“, wollen die Kinder dann wissen. Alexander Falk ist eben das Gesicht des Teams – quasi der Bastian Schweinsteiger der Eulen Ludwigshafen.