Leichtathletik
Hammerwerferin Borutta geht in der neuen Saison neue Wege
„Es ist eine wirklich gute Vorbereitung. Es kann ja auch im Sommer mal kalt und regnerisch sein“, sagt die jetzt dreimalige deutsche Meisterin in der Frauenklasse. Nach 2021 und 2022 gewann sie nun die erstmals ausgetragene Winterwurf-Meisterschaft mit 66,59 Metern. „Wir sind ja erst am Anfang der Saison, da müssen noch nicht die ganz großen Weiten stehen“, erläutert sie, aber vielleicht sieht es am Sonntag ja schon anders aus: „Ich finde es auf jeden Fall toll, dass gleich zum Saisonbeginn ein internationaler Wettkampf angesetzt ist, um zu sehen, wo man steht.
Vieles hat sich seit vergangenem Herbst für die 22-Jährige verändert. Sie drückte den Resetknopf und trainiert jetzt wieder mehr in ihrem Wohnort Mutterstadt. Aus zweierlei Gründen. Zum einen hatte die Gemeinde im Oktober einen nagelneuen Wurfkäfig mit perfektem Ring fertiggestellt, in dem man, so sagt sie, „auch bei Regen super drehen kann, man rutscht kein bisschen“. „Bürgermeister Hans-Dieter Schneider war die reibende Kraft für den Bau“, betont Vater Peter Borutta. „Aber auch sein Nachfolger Thorsten Leva ist ja sehr sportbegeistert“, weiß der ehemalige Ringer, der, und das ist der zweite Grund, mit seiner Frau Anette wieder das Training übernommen hat.
Trennung von Trainer Deyhle
„Es lief nicht so, wie wir wollten, und zwischen uns beiden hat es eben nicht gefunkt“, begründet Samantha Borutta die Trennung von Trainer Michael Deyhle (71). Der Frankfurter Eintracht aber ist sie getreu geblieben. „Der Verein steht zu 100 Prozent hinter mir. Ich kriege da die volle Unterstützung“, erzählt sie. Zweimal in der Woche fährt sie mit einem Elternteil ins Training nach Frankfurt, fünfmal in der Woche trainiert sie in Mutterstadt. „Ich brauche das tägliche Training, mein Körper mag keine Ruhe“, sagt sie, tritt aber Befürchtungen, sie könnte sich übernehmen, entgegen. „Nein, wir machen nicht zu viel, wir achten da schon sehr darauf, aber ich will halt immer dran bleiben“, lässt die Studentin der Wirtschaftspsychologie durchblicken.
Wie gesagt, Samantha Borutta, die U20-Vizeeuropameisterin von 2019 und U23-Europameisterin von 2021, will ihrer Karriere eine neue Perspektive geben. Die U-Zeiten sind ebenso vorbei wie eine an sich schwierige Saison. „Am Saisonende war ich damals emotional und mental froh, alles abhaken zu können. Wie es lief, das war irgendwie zu viel für mich“, gesteht die sensible, noch sehr junge Athletin. „Und jetzt denke ich, dass es doch auch ein erfolgreiches Jahr war. Ich habe mit 72,14 Metern eine tolle Bestleistung geworfen, und wer kann schon mit 22 sagen, an Welt- und Europameisterschaften teilgenommen zu haben“, relativiert sie. Indes: Mit 67,48 und 67,40 Metern war sie in Eugene und in München unter ihren Möglichkeiten geblieben.
Saisonhöhepunkt ist WM in Budapest
Der Blick geht nach vorne: „Ich merke schon, dass es in diesem Jahr ein Stück vorangehen wird, gerade weil wir ein paar technische Dinge veränderten, die ich auch gut umgesetzt bekomme. Und auch die Kraftwerte, die wir am IAT in Leipzig gemessen haben, sie sind am Steigen“, sagt Samantha Borutta. Ihr Saisonhöhepunkt werden die WM in Budapest sein, Vater Peters Augenmerk liegt aber schon auf Paris 2024: „Wir haben die Norm von 74 Metern im Blick.“ Der Weg zu den Olympischen Spielen führt als erstes über Portugal. Nach dem Wettkampf am Sonntag fliegt sie mit ihrer Mutter Anette weiter ins Trainingslager in Monte Gordo.