Handball
Haaß erwartet bei den Eulen „Tanz auf dem Vulkan“
„Das war für mich jetzt kein riesen Kulturschock“, sagt Michael Haaß lachend zum notwendigen Umzug mit seiner Frau und den drei Kindern im Sommer. Denn da hatte der 39-Jährige nach sechs langen Jahren im bayrischen Erlangen (vier als Spieler und zwei als Erstliga-Trainer) beim Erstliga-Absteiger TuS Nettelstedt-Lübbecke angeheuert. Mit seinem neuen Team gastiert Haaß am Freitagabend (19.30 Uhr) in der Friedrich-Ebert-Halle.
Den Wechsel von Mittelfranken nach Ostwestfalen empfand er von der Mentalität der Einheimischen als gar nicht so gravierend. „Ich hab’ ja ab 2007 auch schon mal anderthalb Jahre bei GWD Minden gespielt, kenne das also hier.“ Ohnehin habe er das Gefühl, dass Sportler anders aufgenommen werden. „Es ist immer irgendwie, als komme man in ein sehr bekanntes Umfeld“, findet der frühere dreimalige EHF-Pokalsieger, DHB-Pokalsieger und Weltmeister von 2007, der in der Bundesliga selbst auf 552 Spiele und 1211 Tore kam.
Guter TuS-Start mit 6:2 Punkten
Der damalige Mittelmann (2006 auch für ein Jahr bei den Rhein-Neckar Löwen) ist mit dem Start seiner neuen Mannschaft zufrieden. Der TuS Nettelstedt-Lübbecke ist derzeit mit 6:2 Punkten Tabellenvierter, die Eulen Ludwigshafen (3:5 Punkte) liegen auf Platz 15. „Das waren teils sehr souveräne Auftritte von uns“, beurteilt Haaß den Saisonauftakt mit Siegen in Hagen und zu Hause gegen Coburg und den HC Elbflorenz. Die Niederlage in Großwallstadt hätte zwar ein bisschen weh getan, „aber was die dieses Jahr drauf haben, sieht man ja auch an der Tabelle“.
Das passt für ihn aber auch „zur völlig verrückten Zweite Liga“, in der jeder jeden schlagen kann. „Das wird eine ganz schwere Saison“, glaubt er daher. Ohnehin versteift man sich bei den Ostwestfalen nicht auf den direkten Wiederaufstieg. Ein „Verlassen der Traumwelt“ sei angesagt, hatte der Sportliche Leiter, Rolf Hermann, vor der Saison verlauten lassen.
Michael Haaß ist es wichtiger, dass seine Mannschaft sich findet. „Ich will gar nicht viel über Taktik sprechen, es ist noch früh in der Saison. Ich will stattdessen noch mehr sehen, dass meine Jungs zusammen spielen und auf dem Spielfeld schnell gute Entscheidungen finden.“ Auch das Tempospiel können sicher noch besser werden. Mit der neuen Anwurfzone kann er dabei gut leben. Von der neuen Regelung mit nur noch vier Pässen (statt zuvor sechs) nach angezeigtem Zeitspiel ist er aber kein großer Freund. Dazu hat er einen Vorschlag: „Das sollte man den Spielern per akustischem Signal mitteilen. Sonst sind sie schon wieder zwei Pässe weiter, bevor sie überhaupt entdecken, dass die Schiedsrichter den Arm gehoben haben.“
Respekt vor Eulen und Stimmung in der Halle
Bereits am Donnerstag hat sich der TuS Nettelstedt-Lübbecke nach dem Morgentraining auf den Weg gen Süden gemacht, das Team übernachtet in Mannheim. Nur hinter dem Einsatz von Sven Weßeling stehe ein kleines Fragezeichen, ansonsten reist sein Team „mit voller Kapelle“ an. Es ist das erste Mal seit 13,5 Monaten: Auch Rückraumakteur Dominik Ebner und Kreisläufers Tin Kontrec sind wieder fit. Haaß selbst kann sich noch gut an eigene Erstliga-Duelle als Erlanger Spieler gegen die Eulen erinnern. „Selbstverständlich. Aber ich glaube, meine Bilanz in den Spielen ist nicht so positiv“, gesteht er lachend.
„Die Eulen haben ein ganz anderes Niveau als in der vergangenen Saison, als es am Ende eng wurde“, beurteilt er die Ludwigshafener Mannschaft. „Gegen Balingen zum Auftakt war es ja auch nur knapp. Das sieht sehr gut aus, was die Eulen spielen“, stellt er fest. Das Team von Coach Michel Abt hätte viele junge Leute und könne sehr variantenreich spielen. Er gehe die Partie in der Eberthalle mit viel Respekt an und erwartet – auch angesichts der zu erwartenden Stimmung der Fans – durchaus einen „Tanz auf dem Vulkan“, wie er in einer Online-Pressekonferenz vorab sagte.