Mannheim
Hölle, Hölle, Hölle, Hölle: Das Wolfgang-Petry-Musical kommt in die SAP Arena
Ein wahrhaft historisches Ereignis hat sich am 21. September 2002 in der Friedrich-Ebert-Halle in Ludwigshafen zugetragen. Nachdem ihm Dieter Thomas Heck seine sechste „Goldene Stimmgabel“ überreicht hatte und er noch ein Lied gesungen hatte, ließ sich Wolfgang „Wolle“ Petry eine Schere bringen und schnitt gleichnamige Wolle von seinem Handgelenk. Begleitet von ein paar Sätzen nicht ohne Pathos, in denen er erklärte, warum er diese Freundschaftsbändchen für die Opfer der Oderflut spenden möchte. Wer die entsetzten Gesichter seiner Fans gesehen hat, von denen nicht wenige ihm solche Bändchen überreicht haben dürften, der hat verstanden, was dieser Mann geleistet hat: auf jeden Fall mehr als den Soundtrack für eine Party zu fortgeschrittener Stunde und mit fortgeschrittenem Pegel. Man hätte in diesem Moment in der Eberthalle meinen können, die Hölle, Hölle, Hölle, Hölle friert zu.
Welche Emotionen die Musik von Wolfgang Petry auch heute noch auslösen kann, haben Enrico De Pieri und Vera Bolten verstanden, als sie das erste Mal eine Schlussprobe vor großem Publikum spielten. „Die Leute sind so ausgerastet, dass es zu laut für die Anlage war“, erzählt De Pieri. Für die Premiere habe die Technik verstärkt werden müssen. Das Publikum habe so laut mitgesungen, dass sie selbst sich kaum noch hätten hören können.
Schön, lustig und berührend
Dabei geben die beiden Darsteller offen zu, dass sie selbst nicht unbedingt überzeugt davon waren, dass die Welt dringend ein Wolfgang-Petry-Musical braucht. Mit der Rock-Schlager-Musik von Franz Hubert Wolfgang Remling, so Petrys bürgerlicher Name, hatten sie bis dato wenig bis nichts am sprichwörtlichen Hut. „Freunde von mir haben gefragt: Muss ich mir das unbedingt ansehen?“, sagt De Pieri, 42. „Und dann sind sie sogar viermal gekommen.“ Weil sie den Abend schön, lustig und berührend fanden.
Mit „Wahnsinn“ kann sich jeder identifizieren. Denn es wird zwar auf eine Weise die Geschichte erzählt, wie aus dem 1951 in Köln geborenen Franz Remling der Superstar Wolfgang Petry mit vielen Millionen verkauften Tonträgern wurde. Aber gleichzeitig erzählt das Musical auch eine Geschichte, in der sich jeder und jede wiederfinden kann. Oder vielmehr vier. Die Protagonisten von „Wahnsinn“ sind vier Paare in verschiedenen Stadien einer Beziehung. Menschen, die einander kennenlernen und sich verlieben, die sich lieben und streiten, versöhnen, die sich trennen oder am Ende doch nicht. Wolf, Peter, Karsten und Tobi sind, wenn man so will, vier Facetten von Petrys Persönlichkeit. Für jede Phase, für jedes Gefühl findet sich in Petrys über Jahrzehnte aufgebautem Repertoire der passende Sound. Verlieben, verloren, vergessen, verzeih’n? Weiß der Geier oder weiß er nicht.
„Ein bisschen Rockstarleben“
Vera Bolten und Enrico De Pieri spielen Peter und Sabine, ein nicht (mehr) ganz so glückliches Paar. Bevor sie die Anfrage zur Mitwirkung an „Wahnsinn“ bekamen, kannten die beiden einander nicht – zumindest nicht persönlich. Aber beide haben jahrelange Musical-Erfahrung. Bolten, 43, absolvierte an der Universität der Künste in Berlin ein Studium zur Musicaldarstellerin und spielte unter anderem im Queen-Musical „We will rock you“ in Köln, in „Das Wunder von Bern“ in Hamburg und in einigen Kindermusicals mit. Enrico De Pieri hat an der Hamburger Musikhochschule eine klassische Gesangsausbildung gemacht und unter anderem im Hape-Kerkeling-Musical „Kein Pardon“ und in Disneys „Aladdin“ gespielt und gesungen.
Durch Deutschland zu reisen und nicht mehr in mittelgroßen Theatern, sondern vor 10.000 regelrecht ausrastenden Zuschauern zu spielen, ist für beide eine neue Erfahrung. „Ein bisschen haben wir jetzt auch das Rockstarleben“, sagt De Pieri und grinst. Inzwischen haben seine Kollegen und er auch den von Beginn an in das Musical involvierten, mittlerweile 68-jährigen Wolfgang Petry kennengelernt. Sie sind überzeugt davon, dass es sich bei ihm um eine absolut authentische Persönlichkeit handelt. „Er meint das alles so“, sagt Bolten, „bei ihm gibt es keinen doppelten Boden.“ Ihre Lieblingsgeschichte über Wolfgang Petry ist die, dass er vor jedem Konzert persönlich kontrollierte, ob für die Besucher auch ausreichend ordentliche Toiletten zur Verfügung stehen.
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