Ludwigshafen Höhere Kosten für Reichert-Haus-Umbau – Baudezernent sagt: „Ich schäme mich“
Weil die Mängelliste seit dem Start der Sanierung im Frühjahr 2023 immer länger wurde, erhöhen sich die Kosten für den Umbau des 68 Jahre alten Bürgermeister-Reichert-Hauses in der Innenstadt von knapp sechs auf über 13 Millionen Euro. Der städtische Bauausschuss hat nun dem Stadtrat, der am 9. Dezember tagt, am Montagabend zähneknirschend, aber einstimmig empfohlen, die Mehrausgaben für das unter Denkmalschutz stehende Haus zu billigen.
Im Erdgeschoss befindet sich die Kinderbücherei, die seit März 2023 vorübergehend in der Bismarckstraße 29 untergekommen ist, im Obergeschoss die Ausstellungshalle des Kunstvereins, der in der Rhein-Galerie ein Ausweichquartier gefunden hat. Aufgrund des Alters des Gebäudes sowie für eine zeitgemäße Nutzung und eine Verbesserung des energetischen Zustands war eine umfassende Sanierung notwendig. Die Kinderbibliothek soll zudem erweitert und umgestaltet werden. Die Zugänge sollen barrierefrei, der Innenhof soll begrünt und als Aufenthaltsfläche aufgewertet werden. Die hohen Anforderungen an den Denkmalschutz waren ein weiterer Grund für die Kostenexplosion.
Emotionale Debatte
Die überraschend hohe Kostensteigerung löste in der Sitzung des Bauausschusses eine emotionale Debatte aus. Baudezernent Alexander Thewalt (parteilos) entschuldigte sich und sagte: „Ich schäme mich.“ Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (parteilos) warnte, die Stadt könne es teuer zu stehen kommen, wenn es für die Mehrausgaben keine Förderung gebe. Peter Uebel (CDU) meinte: „Es ist ein Pferd im Galopp, wir können jetzt nicht anders, aber es ist ja jedes Mal so. Ich fühle mich überrumpelt, das ist kein Umgang mit uns.“ Entsetzt war auch Sylvia Weiler (SPD), die fragte: „Was kann man machen, um solche Mängel im Vorfeld zu erkennen?“ Christoph Heller (CDU) merkte an, dass der Keller schon länger nass gewesen sein müsse. „Das fällt doch nicht erst beim Umbau auf.“ Tatsächlich sei bekannt gewesen, dass das Wasserrohr defekt sei. Bei der Überprüfung sei man aber davon ausgegangen, dass dies durch Starkregen verursacht worden sei, sagte ein Mitarbeiter der Verwaltung.