Ludwigshafen „Hängt viel von der Qualität ab“

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Herr Pfarrer, ist Ihr Weihrauchfass schon fit für die Osterzeit und frisch geputzt?

(Lacht) Selbstverständlich, bei uns ist der Weihrauch immer einsatzbereit und in ausreichender Menge bevorratet. Putzen ist eigentlich Messdienersache. Das könnten die mal wieder machen. Die Gottesdienstbesucher stehen dem Weihrauch ja teils kritisch gegenüber. Kaum sehen sie ein rauchendes Fass, fangen die ersten schon an zu Husten. Nein, kaum sehen die Gottesdienstbesucher überhaupt ein Weihrauchfass, fangen sie schon an zu husten, unabhängig von der Kohle und der Auflage darin. Das ist ein optischer Auslöser für den Hustenreiz. Manche vertragen es wirklich nicht. Wir haben Messdiener, die umkippen. Allerdings hängt auch sehr viel von der Qualität des Weihrauches ab. Weihrauch ist also nicht gleich Weihrauch. Wo kommt der her, der bei Ihnen eingesetzt wird? Wir haben Eritrea Granen. Da sind Dampf und Intensität in einem guten Verhältnis. Er riecht schwach, aber dampft stark. Dazu mischen wir verschiedene Duftharze bei – den unterschiedlichen Anlässen entsprechend. Da gibt es florale Düfte wie Rose oder Gardenie, Zitrusaromen, in der Erkältungszeit auch Eukalyptus. Eukalyptus? Nein, das mit dem Eukalyptus war jetzt ein Scherz. Die Duftstoffe reizen stärker. Wir haben auch Gemeinden, die traditionell Weihrauchmischungen verwenden. Qualitativ hochwertiger Weihrauch ist schwer zu bekommen und ist sehr teuer. Den besten Weihrauch habe ich einmal in Wattenheim im Schrank entdeckt, weil der Vorgänger da 30 Jahre keinen Weihrauch verwendet hat. Der war sehr mild und angenehm. So etwas kriegt man heute gar nicht mehr. Haben Sie eine Lieblingssorte? Aden ist meine Lieblingssorte. In meiner Heimatgemeinde war ich einer der wenigen weihrauchfesten Messdiener und habe fast zehn Jahre immer nur Weihrauch gedient. Dieser Weihrauch erinnert mich daran. Und jetzt mischen Sie die Düfte nach Lust und Laune? Als ich noch Pfarrer war, konnte man am Duft die einzelnen Hochfeste unterscheiden, aber als Pfarrmanager hat man für solche Spinnereien keine Zeit mehr. Leider. Gibt es Vorschriften, bei welchen Gottesdiensten Weihrauch verwendet wird? Konkrete Vorschriften gibt es nicht, aber Weihrauch gehört zu den festlichen Gottesdiensten einfach dazu. Außerdem nehme ich den Weihrauch auch bei Haussegnungen mit. Aber es gibt Regeln, wie der Weihrauch verwendet wird? Zu Beginn des Gottesdienstes wird der Altar inzensiert, also beweihräuchert, als Symbol für Christus. Vor der Verkündigung des Evangeliums wird das Evangelienbuch und bei der Gabenbereitung werden die Gaben, der Altar, der Priester und die gesammelte Gemeinde inzensiert. Dann kommt der Weihrauch vor allem in der eucharistischen Verehrung zum Einsatz. Dafür gibt es sogar Standweihrauchfässer, falls kein Messdiener da ist. Gibt es für Ostern eine Besonderheit? Die Osterkerze wird in der Osternacht und auch während der Osterzeit in Gottesdiensten inzensiert. Wenn die Osterkerze vor ihrem Entzünden auf dem Kirchplatz bereitet ist, dann darf ein Kommunionkind in jedes der fünf Löcher für die Nägel erst ein Korn Weihrauch legen, bevor ein anderes Kind den Nagel hineindrückt. Ist Weihrauch eine Erfindung der katholischen Kirche? Nein. Die Menschen haben schon früh Rauch entwickelnde Substanzen in der Götterverehrung eingesetzt, weil der Rauch sichtbar aufsteigt in die Sphäre des Göttlichen. Das ist in allen Kulturen verbreitet. Man kennt es im asiatischen und im afrikanisch-arabisch-europäischen Raum. Die Weihrauchnutzung in der katholischen Kirche hat zwei Wurzeln. Zum einen die alttestamentlichen Brandopfer. Das kann man nachlesen in Psalm 141,2: „Wie Weihrauch steige mein Gebet auf“. Zum anderen aus dem römischen Kaiserkult, dessen gottgleicher Status durch die Beweihräucherung deutlich gemacht wurde. Die Volks- und Priesterinzenz, die wir in der Gabenbereitung kennen, verdeutlicht unsere besondere Würde als Gotteskinder. Weihrauch war im Christentum ja nicht immer positiv belegt. In der diokletianischen Christenverfolgung hätten sich die Christen durch Verbrennen von einem Korn Weihrauch vor der Kaiserstatue das Leben retten können, waren dazu aber nicht bereit. Erst als das Christentum zur Staatsreligion wurde, hat auch Weihrauch Einzug in die Liturgie gehalten. Verwenden Sie Weihrauch auch außerhalb des Gottesdienstes, so ganz profan? Ja. Weihrauch hat auch geruchsreinigende Wirkung. Damit kann man unangenehme Gerüche aus Räumen entfernen. Vor kurzem haben wir erst die Waldseer Sakristei ausgeräuchert, weil wir ein großes Problem mit Hundehinterlassenschaften hinter der Kirche haben und der ehemalige Sakristei-Teppich durch unabsichtlich eingeschleppte Hundehinterlassenschaften ein unzumutbares Raumklima erzeugte. Den Teppich haben wir rausgeschmissen und die Sakristei ausgeräuchert. Als das alte Fernsehgerät unserer Pastoralreferentin Doris Heiner in Flammen aufging und den typischen Geruch verschmorter Elektrogeräte hinterließ, machte ich mich auch gleich mit Weihrauch auf den Weg, weil alles Lüften nicht half. Manchen Messdienern juckt es ja in den Fingern, wenn sie ein qualmendes Weihrauchfass in den Händen haben. Machen die auch mal Quatsch oder ist es sogar schon zu brenzligen Situationen gekommen? Nein. (Lacht) Die Messdiener verwenden den Weihrauch gern. Wenn sie das Weihrauchfass schleudern, wirkt das für Außenstehende wie Quatsch, aber das ist nötig, um den Weihrauch zum Qualmen zu bringen. Die Kohle fällt dabei nicht heraus. Es passiert aber schon mal, dass ein Weihrauchfass umkippt und die Kohle herausfällt. In diversen Sakristeien und Fußmatten in Pfarrerautos gibt es da schon so manche Brandflecken. Aber zur Not hätten wir ja Feuerlöscher und Feuerlöschdecken in der Kirche.

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