Ludwigshafen
Guns-N’Roses-Bassist irritiert seine Fans mit „Country-Mist“ in der Alten Feuerwache

Solopfade unternimmt der Bassist von Guns N’Roses Duff McKagan schon lange. Dass diese den Hard-Rocker in seichte Country-Gewässer führen, ist allerdings neu. Zusammen mit Shooter Jennings und Band stellte er jetzt in der Alten Feuerwache in Mannheim sein neuestes Album „Tenderness“ vor.
Ein rollendes Hotel parkt vor der Alten Feuerwache in Mannheim, dort, wo vor kurzem noch die Sommerbühne aufgebaut war. Die schwarzen eleganten Tournee-Busse – genannt Nightliner – schinden mächtig Eindruck und zeugen von einer erfolgreichen Karriere im Musikgeschäft. Die Mannheimer Show des Weltstars ist nur eine von drei exklusiven Terminen in Deutschland neben Berlin und Köln. Drinnen in der Halle durfte das Publikum auf die musikalische Liaison eines Hard-Rock-Superstars mit einem renommierten Country-Rocker gespannt sein. Kann das gut gehen?
Ja und nein, wie sich beim Mannheimer Auftritt zeigte. McKagan wählte das Musiker-Kollektiv um Shooter Jennings als Begleitung für sein zweites Soloprojekt, und sie verschmelzen zu einer Einheit. Seine Superstar-Aura nimmt er ein bisschen zurück, sodass keineswegs der Eindruck entsteht, dass hier ein Promi mit Band-Anhängsel fungiert. Routiniert wirken seine Bewegungen, doch seltsam zahm, wie auf Sparflamme. Eher freundschaftlich fallen die Gitarrenduelle aus. Kurz flammt der Geist des gewohnten Guns-N’Roses-Bassisten auf, erlischt aber wieder schnell wie ein Funke in der Finsternis. Stattdessen kehrt er den Country-Barden hervor. Doch der Country-Spirit will in Mannheim nicht so recht zünden, weil das Publikum etwas anderes erwartet. „Dieser Country-Mist hört ja gar nicht mehr auf“, heißt es aus den Zuschauerreihen. Die vielen Guns-N’Roses-Hörer, die man an ihren schwarzgrundierten Fanshirts erkennen kann, hatten auf eine punkigere Gangart und reichlich Hard Rock gehofft.
Streicher statt harter Punk
Zuvor rockte die Shooter Jennings & Band die Halle alleine und lotete die Grenzen von Country kräftig aus. Von emotionstriefend über rockig-explosiv bis psychedelisch-experimentell – der Country-Zug nach Nashville, Tennessee, hatte vielseitige und illustre Klangkörper an Bord.
Duff McKagan hingegen hatte eine vergleichsweise schwermütigere Fracht geladen. Mit einer soften Symbiose aus Klavierklängen und Streicherharmonien offenbart McKagan lieber seine verletzliche Seite, als dass er sein Punker-Image aufbürstet. Das neue Album „Tenderness“, das er komplett durchspielt, steht klar im Fokus des Abends, auch wenn ein Guns-Titel „You Ain’t The First“ die Show eröffnet. Zwei weitere Titel „Dust N’Bones“ und „Dead Horse“ aus dem 1991er Kult-Album „Use Your Illusion I“ folgen mit großem Abstand. Und prompt erwacht die Zuschauermenge aus ihrer teils irritierten, teils andächtigen Starre angesichts der neuesten musikalischen Eskapaden ihres Stars. Ebenso zugkräftig erweisen sich die Cover von David Bowie (Rock’n’Roll Suicide), The Clash (Clampdown) und Lanegan (Deepest Shade).
In der Alten Feuerwache stand nicht McKagans Musiker-Alter-Ego, der Bassist einer Weltformation, auf der Bühne, sondern der Mensch dahinter – emotional und authentisch. Wer sich darauf einlassen konnte, durfte tief in eine vom Leben geprägte Künstlerseele blicken, die unumwunden in seinem Song „Cold Outside“ zugibt, dass der Obdachlose auf der Straße er selbst hätte sein können.