Ludwigshafen
Grundwasser muss aufwendig gereinigt werden
Die Ursache für das Grundwasserproblem liegt im Zweiten Weltkrieg. Das Raschig-Werk produzierte damals Teerbestandteile. Durch Luftangriffe der alliierten Bomberflotten wurde das Werksgelände im Stadtteil Süd massiv zerstört. Giftige, krebserregende und erbgutschädigende Substanzen liefen aus und versickerten im Erdreich. Das Grundwasser unter dem Werk und im angrenzenden Stadtgebiet wurde verseucht. Rund 40 Jahre lang konnten sich die Giftstoffe ausbreiten. 1987 wurde schließlich der Schaden festgestellt und in den Folgejahren nach einer Lösung gesucht. Seit 1998 läuft eine Anlage, die im Dauerbetrieb belastetes Wasser aus der Grundwasserschicht pumpt und erhitzt, sodass die Giftstoffe aufgespalten und unschädlich gemacht werden, wie Projektleiterin Christine Weiß am Mittwoch dem Umweltausschuss erläuterte. Anschließend wird das Abwasser in die städtische Kanalisation geleitet und gelangt über die BASF-Kläranlage schließlich in den Rhein.
Die Anlage läuft 365 Tage im Jahr. Die jährlichen Kosten von rund einer Million Euro teilen sich die Firma Raschig, die Stadt und das Land, die dafür 1996 einen entsprechenden Vertrag geschlossen haben. Fachleute wie Chemiker, Geologen und Ingenieure überwachen das Projekt. Das Ziel: Die Ausbreitung der Schadstoffe soll durch das Abpumpen verhindert werden. Das Trinkwassergebiet auf der nahegelegenen Parkinsel soll geschützt werden, wo eines der beiden städtischen Wasserwerke Trinkwasser aus tieferen Schichten gewinnt.
15 Brunnen
Rund 120 Grundwassermesstellen sowie 15 Brunnen – davon 13 auf dem Raschig-Gelände – sind mittlerweile installiert worden. Rund 120 Kubikmeter Wasser werden pro Stunde gereinigt. Knapp 19 Millionen Kubikmeter sind bis Ende vergangenen Jahres gereinigt worden, wie Projektleiterin Weiß erläuterte. In dieser Zeit seien über 400 Tonnen der Hauptschadstoffe aus dem Untergrund geholt worden: Anthracen, Naphthalin, Phenol, Toluol sowie Benzol.
Die Messungen zeigten, dass die Benzolmenge im Laufe der Jahre abgenommen habe. Es sei gelungen, die Benzolausbreitung auf die Fläche unterhalb des Werkgeländes zu begrenzen. 1997 war die Schadstoffbelastung schon bis zur Saarlandstraße vorgedrungen. Auch beim Naphthalin habe die Grundwasserbelastung abgenommen und sei eingegrenzt worden. „Aber es kommt immer wieder noch etwas“, sagte Weiß. Der Hauptschadensbereich unter dem Werksgelände ist weiterhin hoch belastet.
Noch über 100 Jahre erforderlich
Auf Nachfrage des Umweltausschusses, wie lange die Anlage noch laufen müsse, meinte die Experten: „Die Schätzungen belaufen sich auf 100 Jahre plus x“. Die Schadstoffe seien 40 Jahre lang ungehindert vorgedrungen und durch das Grundwasser verdünnt worden. Aktuell werde die Steuerung der Anlage erneuert. Etwa drei Wochen seien für den Austausch der 25 Jahre alten Einheit geplant, während dieser Zeit stehe die Anlage.
Der Umweltbereichsleiter der Stadt, Rainer Ritthaler, unterstrich, dass diese Art der Grundwassersanierung gut funktioniere. Es gebe weitere Stellen in Ludwigshafen, wo das Grundwasser überwacht werden müsse, wie etwa das ehemalige Metrogelände in der Gartenstadt oder die ehemalige BASF-Deponie Maudach, wo sich belastetes Grundwasser in Richtung der Trinkwasserbrunnen im Maudacher Bruch ausbreitete. Hier wurde eine rund 530 Meter lange Dichtwand gebaut, die im Untergrund als Barriere wirkt. Das belastete Grundwasser wird über fünf Sanierungsbrunnen erfasst, gereinigt und über die städtische Kanalisation zur Kläranlage der BASF geleitet.