Ludwigshafen Großes Jugendlokal in Arbeit
„Religiosität – individuell, natürlich normal“ lautete gestern das Motto beim Tag der offenen Moschee, zu dem bundesweit der „Koordinationsrat der Muslime“ (KRM) eingeladen hatte. Als Mitglied der „Islamischen Gemeinschaft Millî Görü“ (IGMG) präsentierte die Alemi Islam Moschee in der Krummlachstraße in West ihr Vereinsgelände.
„Wissenschaftler haben belegt, dass Vorurteile und Ängste gegenüber vermeintlich Fremden dort am größten sind, wo der Kontakt fehlt. Diesem Phänomen wollen wir mit dem Tag der offenen Moschee entgegenwirken“, teilt IGMG-Generalsekretär Bekir Alta auf der Internetseite des Vereins mit Sitz in Köln mit. Der ebenfalls als Verein eingetragenen Ludwigshafener Alemi Islam Moschee kommt beim Tag der offenen Moschee ein Sonderstatus zu: „Ihr seid die Einzigen, die auf sich aufmerksam gemacht haben“, spricht bei einem Kurzbesuch am Vormittag der Islambeauftragte der Diözese Speyer, Joachim Reger, für „sein“ Gebiet. Ganz dem Tagesmotto entsprechend, begegnet Nihat Varol, der Jugendvorstand des Vereins, dem leicht kritischen Unterton des Diözesan-Beauftragten „natürlich normal“ mit freundlicher Gelassenheit. Und das 5000 Quadratmeter weite Gelände, das der Verein laut Varol im Jahr 2003 für 700.000 Euro von der Stadt erhielt, kann sich sehen lassen: „All dies ist in ehrenamtlicher Leistung der Gemeindemitglieder entstanden“, erläutert der 40-Jährige beim Rundgang mit Verweis auf die Sickersteine, die den rund 1000 Quadratmeter großen Hof seit 2015 bedecken. Derzeit sind die 280 Quadratmeter „Jugendlokal“ im Untergeschoss in Arbeit; ein riesiges Gewölbe, das in seiner momentanen Rigips-Komplettverschalung erahnen lässt, welche Gemeinschaftskraft dem knapp 300 Mitglieder zählenden Verein innewohnt. „Als Mitglieder definieren wir diejenigen, die einen Vereinsbeitrag in jeweils unterschiedlicher Höhe zahlen“, erläutert Varol den Unterschied zwischen Vereins- und Gemeindemitgliedern, wie man sie von christlichen Organisationsstrukturen kennt. Die „Gemeinschaft“ des Moscheevereins sei weit größer: „An Feiertagen wie dem Opferfest kommen bei uns an die 1000 Menschen zusammen“, sagt Varol. Wie steht die Alemi Islam Moschee zur aktuellen Diskussion um die Einflussnahme der türkischen Regierung über Ditib und deren Imame in Deutschland? „Wir gehören nicht zu Ditib, sondern zur IGMG“, verweist Varol auf die unterschiedlichen Vereine, denen jeweils die Funktion eines Dachverbands zukomme. „Außerdem ist der Begriff des Imams sehr missverständlich“, so Varol: „Imam kann jedes Gemeindemitglied sein; das ist immer derjenige, der während des Gebets vorspricht“. Viel zentraler sei für die Gemeinde dagegen der „Hodscha“, der „geistliche Lehrer“. Seit 1. September ist Hasan Cakmak der neue Hodscha der Alemi Islam Moschee. Der 45-Jährige, der seit dem Jahr 2000 Vereinsmitglied ist, hat einen türkischen Magistertitel in Islam- und Religionswissenschaft. „Er ist auch kein türkischer Beamter“, betont Varol. Die Gemeindedemografie hat sich Varol zufolge „in den letzten zwei bis drei Jahren“ stark gewandelt: Hatte der Verein bis dahin „vorwiegend Türken“ als Mitglieder, seien derzeit „etwa ein Drittel Nicht-Türken“. Varol nennt Pakistani, Iraker und Syrer, die aus ihrer Heimat geflohen sind.