Ludwigshafen / Mannheim
Großes Entsetzen nach der Amokfahrt in Mannheim
Der 40-Jährige, der am Montagmittag über die Planken gerast ist und dabei zwei Menschen getötet und weitere teils schwer verletzt hat, ist in Ludwigshafen polizeilich gemeldet. Über den Deutschen ist bisher wenig bekannt. Die Polizei sieht nach einer ersten Einschätzung keine politischen Motive für die Amokfahrt.
Medienberichten zufolge soll der 40-Jährige psychische Probleme gehabt haben. Er soll sich bei seiner Festnahme mit einer Schreckschusswaffe in den Mund geschossen haben und soll lebensgefährlich verletzt sein. Am Abend wurde die Wohnung des Tatverdächtigen in Ludwigshafen durchsucht. Was die Polizeiaktion erbracht hat, stand am Abend noch nicht fest.
Ford war Tatfahrzeug
Das mutmaßliche Tatfahrzeug bei der Amokfahrt in Mannheim war ein schwarzer Ford-Fiesta mit LU-Kennzeichen. Die Spurensicherung der Polizei untersuchte den Wagen im Mannheimer Hafenbereich an einer Zufahrt zur Rheinbrücke, wo der Wagen liegenblieb. Der Fahrer wurde in einiger Entfernung festgenommen. Das Auto wies starke Beschädigungen im Frontbereich auf – vor allem auf der Fahrerseite. Der linke Scheinwerfer und ein Kotflügel fehlen, die Motorhaube war eingedellt und auch die Frontscheibe zeigte mehrere Einschläge auf. Der Wagen war zuvor von einer Überwachungskamera auf den Planken gefilmt worden, wie er mit hoher Geschwindigkeit durch die Fußgängerzone in Richtung Paradeplatz fuhr.
Während die Ermittlungen noch andauern, herrscht Trauer und Entsetzen in Ludwigshafen und Mannheim. Der Mannheimer Oberbürgermeister Christian Specht (CDU) hat sich vor Ort ein Bild verschafft. „Diese abscheuliche unmenschliche Attacke auf friedliche Menschen erschüttert uns alle zutiefst“, erklärte Specht danach. „Unsere Gedanken sind bei den Toten und Verletzten, ihren Angehörigen und Freunden.“
Die Ludwigshafener Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (parteilos) sagte in einer ersten Reaktion: „Die Nachrichten, die uns aus Mannheim erreichen, sind unfassbar und schrecklich. Dort, wo Menschen fröhlich und unbeschwert unterwegs waren, ist von einer Minute auf die andere der reine Horror ausgebrochen. Unser Mitgefühl, unsere Gedanken, unsere Herzen sind in Mannheim bei den Menschen, die Grausamstes erleben müssen.“ Nachdem die ersten Nachrichten eingingen, hat die OB ihren Mannheimer Kollegen kontaktiert und Hilfe angeboten. Die Ludwigshafener Feuerwehr stand den Rettungskräften in Mannheim zur Seite. Als Ausdruck der Anteilnahme nach der Amokfahrt werden die Fahnen in Ludwigshafen wie in Mannheim auf Halbmast gesetzt.
Fasnachtsveranstaltungen abgesagt
Auch die Fasnachtsvereine reagierten auf die Ereignisse: Der Präsident des Großen Rates, der Dachorganisation der Ludwigshafener Fasnachtsvereine, erklärte die Fasnachtskampagne in Ludwigshafen für beendet. Alle Veranstaltungen – darunter auch die Straßenfasnacht in Oppau - wurden abgesagt. In Mannheim wurden die für Dienstag geplanten Fasnachtsumzüge in den Vororten Feudenheim, Neckarau und Sandhofen abgesagt. Zudem finde die Straßenfasnacht in der Innenstadt nicht mehr statt, der Fasnachtsmarkt am Wasserturm wurde geschlossen.
Auch aus der Kommunalpolitik gab es Trauerbekundungen. Die evangelische und die katholische Kirche Mannheim laden am Dienstag um 17.30 Uhr zu einer ökumenischen Andacht in der Citykirche Konkordien (R2) ein, an der auch OB Specht teilnehmen wird. Zu der Andacht mit Musik, Gebet und dem Entzünden von Kerzen ist die ganze Stadtgesellschaft eingeladen.