Mannheim
Großer Andrang bei Ausbildungsmesse
„Wir haben für dieses Jahr noch nicht alle Ausbildungsplätze besetzt“, hatte Daniela Kalweit Anfang September erklärt – sie sprach dabei immerhin für die BASF in Ludwigshafen, einen der größten Ausbilder der Region. „Und es gibt noch viele weitere, die sogar für dieses Jahr noch kurzfristig Ausbildungsplätze offen haben“, weiß Jan Goschmann. Gabriele Ritter, Teamleiterin Berufsberatung bei der Agentur für Arbeit Mannheim, verwies auf aktuell 1200 gemeldete offene Ausbildungsstellen in 80 Berufen aus zahlreichen Branchen.
Zu wenig Werbung
Dabei bleibt es ein Rätsel, wo die jungen Menschen eigentlich sind. Bundesweit geht die Zahl der Interessenten auf eine Ausbildung zurück. Das mag daran liegen, dass in den vergangenen beiden Jahren der direkte Kontakt zu den Betrieben eingeschränkt war, die Schulen sich unter erschwerten Bedingungen auf die Wissensvermittlung konzentriert hatten, dabei die Berufsorientierung vernachlässigt haben.
# „Aber irgendwo müssen sie ja sein“, rätselte auch Karlheinz Fallenstein, Leiter der beruflichen Bildung bei Collins Aerospace, wo zwei Jahrgänge an potenziellen Schulabgängern eigentlich abgeblieben sind. „Auch wir hätten noch Stellen im dualen Studium offen.“ Er freut sich deshalb über die Gelegenheit zur Präsentation. „Ich finde, dass zu wenig Werbung für den Wert einer Ausbildung gemacht wird“, sagte er.
Froh über direkten Kontakt
Der Eröffnungstag am Donnerstag sei zwar oft gut besucht, aber noch wenig gehaltvoll. Es ist längst ein geflügeltes Wort der Aussteller von Jobs for Future: „Donnerstag und Freitag kommen die, die müssen, Samstag kommen die, die wollen.“ Eine große Besucheranzahl im Klassenverbund mit vorgegebenen Aufgaben garantiert den Ausbildungsbetrieben eben noch längst keine gehaltvolle und vor allem zielführende Gespräche. In dieser Hinsicht bemängelte Oliver Laible, Ausbilder beim Straßenmaschinenbauer Voegele, auch ein wenig den Zeitpunkt der Veranstaltung: „Wer sich heute für uns entscheidet, ist vielleicht kurzfristig noch in diesem Lehrjahr mit dabei. Aber eigentlich müssen wir diese Leute ein Jahr bei der Stange halten bis zum nächsten Lehrjahr im September 2023.“
Auf der anderen Seite ist er froh, überhaupt wieder einen direkten Kontakt zu den potenziellen Auszubildenden zu haben. Und es ist voraussichtlich ohnehin die letzte Veranstaltung zum Ausweichtermin. „Nächstes Jahr wollen wir wieder auf den ursprünglichen Termin im Februar zurückkehren. Das war dieses Jahr leider noch nicht möglich“, hieß es dazu von Seiten des Veranstalters.
Insgesamt zeigte man sich aber mit dem Start zufrieden, machte das vor allem an der Besucherzahl und den zahlreichen Schulklassen fest, die sich in den Hallen drängten wie zu Vor-Corona-Zeiten.
„Nichts ersetzt Kontakt“
Bei der BASF freute man sich auf alle Fälle über die Veranstaltung in Präsenz. „Nichts ersetzt den direkten Kontakt“, erklärte Melanie Klose als Sprecherin des Recruiting an diesem Tag. Die freien Stellen in diesem Jahr spielten für sie dabei keine Rolle. „Wir haben den kompletten Fokus auf die Kampagne für 2023 gerichtet.“ Aber auch sie freut sich, wenn die Messe wieder am gewohnten Termin im Februar stattfindet. „Damit bringt man aktuelle und neue Kampagne besser zusammen.“
Öffnungszeiten
Jobs for Future – die Messe für Arbeitsplätze, Studium, Aus- und Weiterbildung hat noch am Samstag, 9 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt auf das Mannheimer Maimarktgelände ist frei.