Ludwigshafen
Großübung: Wenn es bei der BASF brennt
Produktaustritt mit Folgebrand und zahlreichen Verletzten – die Lage der jährlichen Großschadensalarmübung der BASF-Werksfeuerwehr ist genau das Szenario, das vom Unternehmen mit vielen Sicherheitsmaßnahmen unterbunden werden soll. „Solche Übungen sind die Basis unserer Sicherheitsarbeit“, erklärte Standortleiterin Katja Scharpwinkel.
Der Turbolöscher spritzte seine Wasserfontänen in den Himmel, Verletzte, die mal mehr, mal weniger laut wehklagten, jede Menge Blaulicht und hektisch herumlaufende Rettungskräfte – es bedurfte nicht allzu viel Fantasie, um sich das inszenierte Szenario in der Realität vorzustellen. Zwar ist auch der Bau C569 im oberen Südteil des Werksgeländes durch eigene Schutzvorrichtungen gesichert, aber die Verkettung unglücklicher Umstände macht davor nicht halt, denn in einem Chemieunternehmen sind nicht alle Wertstoffe harmlos. Gerade bei Tetrahydrofuran handelt es sich um eine leicht entflammbare Flüssigkeit, die mit Luftkontakt ein zündfähiges Gemisch eingeht, informierte Betriebsleiter Hisham Mubarak. Entsprechend hoch sei der Einsatz von Fuhrpark und Personal, um die angenommene Störung schnellstmöglich einzudämmen, den Schaden für die Umwelt möglichst gering zu halten und vor allem die Verletzten zu bergen und zu versorgen.
Geschminkte Auszubildende als Statisten
Rund 100 werkseigene Einsatzkräfte waren dafür im Einsatz, unterstützt von externen Kräften aus Rettungsdiensten und dem Einsatzteam der BG Unfallklinik, die die Übung ebenfalls für interne Abläufe nutzte: „Dort testet man parallel den neuen Alarmeinsatzplan beim Eintreffen einer großen Anzahl von Verletzten in kurzer Zeit“, erklärte Kurt Bauder vom werksärztlichen Dienst der BASF. „Wir sind mit dem Szenario schon relativ nah an der Realität“, sagte er, der außerdem auf die Besonderheit der Übung verwies: „Wir haben eine große Anzahl von Verletzten.“ Und zwar nicht nur im unmittelbar betroffenen Betrieb: „Zwei wurden auch von einem Auto erfasst, als sie sich vom Betriebsgelände in Sicherheit bringen wollten.“ Sechs Schwerverletzte mussten die Retter außerdem in der Anlage bergen und erstversorgen, insgesamt waren 18 Statisten, geschminkte Auszubildende, in und um die Anlage versteckt. 25 Einsatzfahrzeuge und rund 100 Helfer hatten sich zur Rettung aufgemacht.
„Die jährliche Großübung ist ein wichtiges Element des Übungskonzeptes am Standort Ludwigshafen“, sagte Scharpwinkel. Dabei geht es nicht allein um das Szenario, sondern auch um die Schnittstellen, etwa zwischen externen und internen Helfern. Auch deshalb waren jede Menge Einsatzkräfte aus der unmittelbaren und etwas entfernteren Nachbarschaft mit dabei. „Wir lernen auch über den Austausch“, erklärte sie. Der Leiter der BASF-Werksfeuerwehr, Gert Van Bortel, sagte: „Wir wollen unsere Einsatzbereitschaft damit nicht nur testen, sondern sie auch zeigen.“ Die kommunale Gewerbeaufsicht wachte darüber, dass auch bei der Übung die Vorgaben nach Arbeitssicherheit und der Emissionsschutz eingehalten wurden.
„Wir sind mit der Übung schon sehr nah an der Realität“, fand Bauder. Und auch der Leiter der Stabstelle Katastrophenmedizin an der BG Klinik Ludwigshafen, Michael Kreinest, zeigte sich nach knapp zwei Stunden zufrieden: „Die Übung bot unserem Team der Notaufnahme die ideale Möglichkeit, die schnelle und reibungslose Ausnahme und Versorgung von Patienten in einem Szenario mit vielen Verletzten proben zu können.“ Durch die Zusammenarbeit der Gefahrenabwehreinheiten der BASF und dem Team der BGU habe man so Schnittstellen optimieren können. Auch das sei ein wichtiger Punkt der jährlichen Großschadensalarmübung, betonte Katja Scharpwinkel.