Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Glücksdrachen und Seeadler: Diskussion zu Freiheit im Bloch-Zentrum

„Das Problem der Freiheit ist ihre Vieldeutigkeit“: Über dieses Zitat von Ernst Bloch wurde in dem nach ihm benannten Zentrum in
»Das Problem der Freiheit ist ihre Vieldeutigkeit«: Über dieses Zitat von Ernst Bloch wurde in dem nach ihm benannten Zentrum in Ludwigshafen nachgedacht.

Gemeinsam mit den Schauspielern von „Wer, wenn nicht 4“ beschreitet das Ludwigshafener Ernst-Bloch-Zentrum, gefördert von der BASF, neue Veranstaltungswege. „Das Problem mit der Freiheit“ im Blochschen Sinne wurde in einer Zoom-Konferenz mit 44 Teilnehmern diskutiert. Mit den Freiheitseinschränkungen in der Pandemie hatten die szenischen Spieleinlagen aber nur indirekt zu tun.

Gemeinsam mit den Schauspielern von „Wer, wenn nicht 4“ beschreitet das Ludwigshafener Ernst-Bloch-Zentrum, gefördert von der BASF, neue Veranstaltungswege. „Das Problem mit der Freiheit“ im Blochschen Sinne wurde in einer Zoom-Konferenz mit 44 Teilnehmern diskutiert. Mit den Freiheitseinschränkungen in der Pandemie hatten die szenischen Spieleinlagen aber nur indirekt zu tun.Eine Diskussion zum Thema „Das Problem mit der Freiheit ist ihre Vieldeutigkeit – Wir müssen reden“ 60 Minuten vor der Ausgangssperre? Das Angebot passt! Es passt zur Forderung von Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) bezogen auf die Corona-Politik. „Wir müssen miteinander reden“, appellierte sie vor einer Woche. Einen Dialog und die Diskussion mit den Bürgern brauche es, sagte sie, als die Stadt die Corona-Beschränkungen verschärfte.

Ungeahnte Aktualität

Die Diskussion war das „Abschluss-Event“ eines 2019 ins Leben gerufenen Projekts, dessen Ziel es war, der Frage „Wie geht Freiheit wirklich?“ nachzugehen. Und auch wenn eine Online-Konferenz als Veranstaltungsrahmen gerade ein Ausdruck der Unfreiheit unserer Zeit sein mag, verhieß die Ankündigung: „Im Rückblick auf die aktuelle Corona-Pandemie wird das Konzept ,Freiheit’ besonders anhand seiner möglichen Wandelbarkeit betrachtet.“

Doch obwohl die philosophische Zoom-Konferenz als Idealbeispiel einer methodisch gelungenen digitalen Sozialkunde- oder Ethikstunde auf jeder Lehrerfortbildung hätte dienen können – mit den Einschränkungen durch die Corona-Politik und dem damit einhergehenden Verlust von Freiheit hatte die Veranstaltung nur leichte Berührungspunkte.

„Wer, wenn nicht 4“ mit sechs Akteuren

Wann hast du dich das erste Mal mit Freiheit beschäftigt? Welches Lied erinnert dich an Freiheit? So lauten die in der gemeinsamen Motivationsphase gestellten Fragen. Welches Märchen oder Tier den persönlichen Freiheitsgedanken symbolisiert, fragen „Wer wenn nicht 4“. Zu der Schauspiel-Gruppe gehören neben Sabine Wulf, Jens Wienand und Günter Weißkopf auch Frank Rosenberger, Ralf Priemer und Britta Bayeri. Mittlerweile sind es also sechs statt vier Akteure.

Zur Themenbesprechung geht es nach der Einstiegsphase für die Teilnehmer in die 15-minütige Gruppenarbeitsphase im „Breakout-Room“. Für Janina und Sabine, die gemeinsam vor dem Bildschirm sind, ist der Drache Fuchur aus der „Unendlichen Geschichte“ von Michael Ende das ultimative Freiheitstier. „Der Moment, auf seinem Rücken zu sitzen und zu fliegen“, führt eine der beiden aus. Franks Freiheitstier ist der Seeadler: „Er kann überall hinfliegen.“ Wann sich die Teilnehmer das letzte Mal frei gefühlt hätten, will Britta Bayeri noch wissen, bevor der „Timer“ des „Breakout-Rooms“ abläuft.

„Zum Schluss macht’s Platsch“

Monologe und szenische Spieleinlagen platzieren die Impro-Schauspieler als Impuls für die Kleingruppendiskussion: Jens Wienand gibt den hippen neuen Wohlstandsbürger, der sich von seinen drei Smoothie-Maschinen befreien, aufs Land ziehen und sich überhaupt reduzieren will. Sabine Wulf schildert sehnsüchtig ihren Traum vom Fliegen, bei dem „der ganze Scheiß von mir abfällt“. Aber zum Schluss „macht’s Platsch“. Britta Bayeri hat zum 30. Geburtstag einen Fallschirmsprung geschenkt bekommen und tut so, als würde sie sich freuen. In Wahrheit hat sie panische Angst vor dem Fliegen.

So wird auch im Weiteren Freiheit in ihrer Vieldeutigkeit besprochen: Ob man überhaupt frei sein will, wie Ehrlichkeit zu Freiheit passt oder ob man für Freiheit bereit ist, Verantwortung zu übernehmen – das sind Gedanken, mit denen die Schauspieler zwar einen Bezug zur Gegenwart herstellen und die Konferenz um 21.12 Uhr beenden. Andererseits wirkt die Besinnung auf diese daueraktuellen, aber abstrakten Aspekte wie ein willkommener Rückzugsort. Über sein persönliches Freiheitstier nachzudenken, mag horizonterweiternd sein. Aber hat die OB das gemeint? Die von Bloch postulierte „Vieldeutigkeit“ als „Problem mit der Freiheit“ beantwortet die Frage: Man hat auch die Freiheit, das Augenscheinliche nicht zu sehr zu betonen.

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