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Girls’ Day: Vom Mädchen zur BASF-Meisterin
Konzentriert fährt Yade Sahiner im BASF-Ausbildungszentrum mit dem Lötkolben über die Platine. Die 14-Jährige befestigt einen Draht an mehreren Stellen. Einen elektronischen Würfel stellt die Schülerin vom Johanna-Geissmar-Gymnasium in Mannheim unter Anleitung von Azubi Jan Schäfer her. Er lernt hier Elektroniker für Automatisierungstechnik im ersten Lehrjahr. Beim Girls-Day am Donnerstag in der BASF durfte Yade in vermeintlich typische Männerberufe reinschnuppern.
Einblicke für 50 Mädchen
50 Mädchen bekamen Einblicke in die Ausbildung zur Elektronikerin für Automatisierungstechnik, zur Chemikantin, zur Verfahrensmechanikerin und zur Anlagenmechanikerin. Frauen für diese und andere Berufsfelder zu gewinnen, die immer noch von Männern beherrscht sind, ist ein wichtiges Ziel für die BASF. Um das Interesse von Mädchen und junge Frauen für sogenannte MINT-Ausbildungen und -Stellen bei der BASF zu wecken, lässt die Chemiefirma unter anderem Kolleginnen aus ihrem Ausbildungs- und Arbeitsalltag berichten, Einblicke geben und Fragen interessierter Bewerberinnen beantworten. MINT-Fächer ist eine zusammenfassende Bezeichnung von Unterrichts- und Studienfächern beziehungsweise Berufen aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik.
Sie hat es geschafft
Christiane Schmarewski hat es geschafft. Meisterin für Automatisierungs- und Informationselektronik ist die 33-Jährige. Sie bildet unter anderem die Elektroniker für Automatisierungstechnik aus. „Ich habe meinem Papa immer gern über die Schulter geguckt. Der ist Elektrotechniker von Beruf“, erzählt sie über ihre Kindheit. Ihre zwei älteren Brüder interessierten sich auch für Elektronik. Informatik haben sie studiert. „Finanziell kann ich mich nicht beklagen, die verdienen nicht viel mehr als ich“, berichtet sie. Den Weg über einen Ausbildungsberuf hat sie nicht bereut. „Als Meisterin könnte ich jetzt auch noch studieren und den Master machen“, erklärt Schmarewski, die das Gymnasium ohne Abitur verließ. Im Jahr 2004 hat sie selbst beim Girls-Day mitgemacht. „Ohne den Girls-Day wäre ich gar nicht darauf gekommen, mich bei der BASF zu bewerben“ , meint sie.
Nur rund zehn Prozent der Bewerber für technische Berufe in der BASF sind nach Angaben der Firma weiblich. Der Anteil der Kandidatinnen in allen Ausbildungsberufen bei der BASF am Standort Ludwigshafen liege bei zirka 30 Prozent. „Ich möchte mich für eine Lehrstelle als Chemikantin bewerben“, berichtet Michelle Hofer. Die 15-Jährige besucht die Integrierte Gesamtschule (IGS) Edigheim, nicht weit vor den Toren des Chemie-Unternehmens . Wenn das nicht klappt, mache ich das Abi“, schildert sie ihre Pläne. „Mich reizt die Zeiteinteilung beim Schichtdienst“, erklärt sie. Auch die Verdienstmöglichkeiten des vermeintlichen Männerberufs findet sie attraktiv.
„Das kann ich auch“
„Was die können, kann ich auch“, behauptet Chiara Burojevic augenzwinkernd. „Ob das ein Männer- oder Frauenberuf ist, darüber habe ich mir gar keine Gedanken gemacht. Ich wollte etwas Handwerkliches machen“, berichtet sie. Die 20-Jährige lernt Anlagenmechanikerin im ersten Lehrjahr. In Livestreams oder in Berufsvideos auf Instagram, bei Veranstaltungen in Schulen und auf Ausbildungsmessen wirbt sie für eine Ausbildung bei der BASF. Sie weiß nur von vier Mädchen in ihrem Lehrjahr. „Wir sind froh, wenn bei rund 80 Azubis pro Jahr drei bis vier Mädchen dabei sind“, erklärt Elektro-Ausbilderin Schmarewski. Doch nur wenige halten durch. „Allein mit 13 Jungs ist es nicht immer einfach“, berichtet sie aus ihrer eigenen Lehrzeit. „Wenn ich gesagt habe, ich schaffe es nicht, hat mein Vater gemeint, du hältst durch!“, erzählt sie.
Der Bewerbung beigelegt
„Ich kann mir vorstellen, den Beruf des Elektronikers nach dem Abi zu lernen“, meint Adina Rushemi, nachdem sie zum ersten Mal gelötet hat. „Die Lötstellen sehen richtig gut aus“, lobt Azubi Tim Schwarzweller die 13-Jährige, die auch vom Johanna-Geissmar-Gymnasium in Mannheim kommt. Nach gemeinsamem Mittagessen dürfen die Mädchen noch einige Betriebe besichtigen. Am Ende des Girls-Days gibt es eine Urkunde. „Die habe ich damals der Bewerbung beigelegt“, berichtet Schmarewski. So wurde der Girls’ Day für sie eine Erfolgsgeschichte. Freie Ausbildungsplätze gibt es in der BASF sogar noch für den Start im Sommer 23.
Wie der Girls’ Day bei der Oppauer Polizei lief, lesen Sie hier.