Ludwigshafen Gesucht: Wasserturm im Schlachthof
In unserem monatlichen Bilderrätsel „Wo isses?“ haben wir nach einem markanten Gebäude in Ludwigshafen gesucht. Es handelt sich um den Wasserturm im ehemaligen Ludwigshafener Schlachthof im Stadtteil West. Der Turm ist über 110 Jahre alt und beherbergt mittlerweile die Büros einer Werbeagentur. 21 Leser haben das Wahrzeichen gleich erkannt und die Rätselaufgabe gelöst.
Die Wasserversorgung der Bevölkerung sollte in Ludwigshafen wegen des Rheins eigentlich kein größeres Problem darstellen. Durch hochstehendes Grundwasser konnten sich die Menschen in der rasch wachsenden Stadt im 19. Jahrhundert mit Trinkwasserbrunnen versorgen. Doch es gab lange Zeit nach der Stadtgründung kein brauchbares Kanalisationssystem und eine große Menge von Sickergruben für Fäkalien führte zu Gesundheitsproblemen. „Typhöse Krankheitserscheinungen infolge verseuchten Wassers waren daher keine Seltenheit“, heißt es in der Stadtgeschichte. Und auch sonst ließ das Ludwigshafener Wasser doch einiges zu wünschen übrig: Es war stark eisen- und manganhaltig und schmeckte wie brackiges Moorwasser. Ende des 19. Jahrhunderts entschieden sich die Stadtoberen für den Bau von Wasserwerken und -türmen zur Verteilung des Trinkwassers in ein öffentliches Netz. Die Nachfrage nach dem öffentlichen Trinkwassernetz war groß. Parallel dazu wurden auch Abwasserkanäle gebaut. Es waren auch hygienische Gründe, die den Ausschlag dafür gaben, einen öffentlichen Schlachthof in der Stadt einzurichten. Denn von Bakterien und Parasiten befallenes Fleisch war immer wieder in Umlauf gekommen. Angesichts der Gefahren für die Bevölkerung drängte der Distrikt-Tierarzt auf ein Schlachthaus unter Regie der Stadt. Dies sei ein „absolutes Bedürfnis.“ Der Stadtrat gab dem Drängen nach und suchte zunächst nach einer preiswerten Lösung: das freigewordene Polizeigerichtsgefängnis wurde zum Schlachthof umgerüstet und im November 1880 eröffnet – mit einem Festumzug und einem Festessen. Doch die Anlage genügte rasch nicht mehr den Anforderungen. Das Stadtgebiet wuchs bis zur Jahrhundertwende um nahezu das Doppelte. Auch die Anzahl der Metzger wuchs rasant und damit auch die Zahl der Schlachtungen. Schließlich war klar, das nur ein Neubau mit Kühlungs- und Transportmöglichkeiten sowie einer eigenen Wasserleitung und dem Anschluss an die Kanalisation die Ansprüche erfüllen konnte. Im Sommer 1905 ging der neue Schlachthof in Betrieb – die stolze Summe von 1,65 Millionen Mark wurde investiert. Zum Schlachthof gehörte auch ein Wasserturm. Fertig gebaut wurde er 1904. Die Pläne stammten vom Mannheimer Stadtbaurat Gustav Uhlmann. Im Turmkopf befand sich der Wasserhochbehälter, obenauf ist ein Kegeldach. Der Funktionsbau wurde in Stahlbetonskelettbauweise errichtet und mit Klinkern verblendet. Das Sockelgeschoß ist quadratisch und besteht aus Sandstein, wie der Denkmaltopographie zu entnehmen ist. Der Wasserturm wurde drei Jahre nach dem Aus für den Schlachthof 1983 umgebaut. Heute befinden sich Büros darin. Der Bau gehört der Mannheimer Werbeagentur Schaller & Partner, die 1986 nach Ludwigshafen „türmte“ und den Wasserturm bezog. Doch der Platz im Turm wurde im Laufe der Zeit zu eng, sodass 1994 ein großer Teil der Mitarbeiter wieder nach Mannheim umzog. Ein heftiger Gewittersturm hat im vergangenen Sommer das Dach des Turms beschädigt und er wurde für die Reparaturen eingerüstet. Mittlerweile ist der Turm mit 113 Jahren eines der ältesten Gebäude in der Stadt und steht unter Denkmalschutz. Unter den richtigen Einsendungen haben wir zwei Gewinner ausgelost. Jeweils zwei RHEINPFALZ-Kaffeetassen gewonnen haben: Peter Dumrese aus Ludwigshafen sowie Steffen Becker aus Mannheim. Das nächste „Wo isses?“ gibt’s im September.