Metropolregion
Freiwilligentag: Geschrubbt, geschraubt, gestrichen
So vielseitig wie die Projekte waren die Fähigkeiten der tatkräftigen Schaffer überall im Stadtgebiet. Da trafen Musiker auf Senioren, Hobbyhandwerker auf Holz und Laufsportler auf Biokleber für Bäume. Fast 1700 Freiwillige legten sich in Ludwigshafen ins Zeug. Es war wieder einmal der Topwert in der Region.
In allen Korridoren war Bewegung, mit Gehhilfen und Rollstühlen kamen die Senioren herbei. Voller Vorfreude saßen sie im Innenhof und am Fenster des warmen Frühstücksraums. Catherina Süß, Leiterin des Hauses Paulinenhof (Ludwig-Wolker-Straße) hatte die Idee, ihren Bewohnern etwas Abwechslung zu bieten. Daher bauten sechs Musiker draußen ihre Notenständer auf. Mit Stücken zum Mitsingen spielte sich das „Edigheimer Posaunenchörchen“ in die Herzen der Menschen des Seniorenwohnheims.
„Beim letzten Konzert habe ich mir Gesang gewünscht“, erzählt Helga Franger vom Wohnheim. Diesen Wunsch hat ihr die Bläsergruppe unter Pfarrer Manfred Ferdinand erfüllt. Mit Textblättern in großer Schrift sangen einige das „Ännchen von Tharau“. „Unsere Bewohner sind sehr heimatbezogen“, sagte Süß, „deshalb freuen sie sich so sehr über den musikalischen Gruß“.
Kita-Areal winterfest gemacht
Weitaus jünger sind die Nutznießer eines Projekts an der Oggersheimer Rheinhorststraße. Im Garten der Integrativen Kita Sonnenblume sind Spielgeräte und Sitzgelegenheiten renovierungsbedürftig gewesen. Eine Aufarbeitung der hölzernen Oberflächen war dringend nötig. Am Samstag haben sich neben Christine Groß, Leiterin der Einrichtung, sowie ihrer Kollegin von der Hausförderung auch zahlreiche Eltern eingefunden, um mit anzupacken. Die Nestschaukel, ein Holzturm mit Rutsche, eine Hängebrücke, ein Holzhaus und zahlreiche Sitzgelegenheiten wurden mit Lasur winterfest gemacht.
Der Hausmeister hatte die Oberflächen vorher abgeschmirgelt, damit das Zeitfenster ausreiche, sagte Groß. Die Kita verfügt über 100 Ganztagsplätze und neun Gruppen: fünf heilpädagogische und vier integrative Gruppen, in denen Kinder mit und ohne Beeinträchtigungen im Haus der „Lebenshilfe“ zusammen betreut werden. Sogar die Kinder waren anfangs voller Eifer dabei. „Dann haben sie das Trampolin entdeckt“, berichtete die Leiterin verständnisvoll.
Hilfreich war bei der Aktion das Fachwissen eines Malers innerhalb der Elternschaft, der Tipps zum Entfernen der lästigen Efeurückstände an der Hauswand gab. „Es ist gleichzeitig eine wunderbare Möglichkeit für Väter, sich einzubringen. Die Eltern kommen in Austausch, und ganz nebenbei entsteht eine Gemeinschaft“, bilanzierte Groß.
„Leichter Weg“ ausgeschildert
Der erste sogenannte Leichte Weg wurde vom Ludwigshafener Lauf-Club ausgeschildert. Ausgehend von der Straße Am Brückelgraben führt eine 3,6 Kilometer lange Strecke in Richtung des Notwendewäldchens. Sie kann über eine Bushaltestelle erreicht und erweitert werden und verläuft auf verkehrsarmen Wegen durchs Wohngebiet zurück. Laut Saskia Helfenfinger-Jeck, Bewegungsmanagerin des Landes, zeichnen die „Leichten Wege“ dadurch aus, dass sie barrierefrei, mit Kinderwagen nutzbar und mit Sitzgelegenheiten entlang der Strecke versehen sind, die zum Ausruhen einladen. So sollen sie mit dem Nahverkehr gut erreichbar sein oder gute Parkmöglichkeiten in der Nähe haben.
Helfenfinger-Jeck, die sich im Lauf-Club engagiert, hat bei der Stadt die Genehmigung eingeholt, um die Beschilderung anbringen zu können. Gabriele Bindert, Leiterin des Grünflächenbereichs, unterstützte ihre Bemühungen, die Beschilderung mit einem Spezialkleber an den Bäumen schonend zu befestigen. Die Initiative für die „Leichten Wege“ geht von der Initiative „Rheinland-Pfalz – Land in Bewegung“, vom Lauf-Club und dem Seniorenrat der Stadt aus. Die Wege entstehen derzeit in zahlreichen Kommunen. Am jeweiligen Startpunkt befindet sich eine große Übersichtstafel, entlang der Strecke weisen kleinere Schilder mit dem „Leichte Wege“-Logo den Weg. Vielleicht trifft sich ja demnächst ein erster Lauftreff am Startpunkt des ersten „Leichten Wegs“ in LU.
Schulhof verschönert
Auch mehrere Politiker waren neben Mitarbeitern vieler Firmen am Freiwilligentag unterwegs: Wie Ludwigshafens Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD), die wie die Ehrenamtsbeauftragte Susanne Ziegler und insgesamt 40 Freiwillige half, den Hof der Gräfenauschule auf Vordermann zu bringen. Oder Stadtrat Jens Brückner (Grünes Forum und Piraten), der mit anderen am Ludwigsplatz in der Innenstadt Sitzbänke strich. Oder Heidelbergs OB Eckart Würzner (parteilos), der in der Stadt am Neckar, wo etwa 350 Helfer bei 30 gemeinnützigen Projekten für die gemeinsame Sache unterwegs waren, bei vier Aktionen vorbeischaute und durchaus handwerkliches Talent bewies.
Lob für alle Anpacker
„Bürgerschaftliches Engagement war noch nie so wichtig wie jetzt“, bilanzierte Tilman Krauch als Vorstandsvorsitzender des ausrichtenden Vereins Zukunft Metropolregion, der morgens auch das Projekt in der Gräfenauschule besuchte. „Sie haben in dieser herausfordernden Zeit ein weithin sichtbares Zeichen für die gesellschaftliche Bedeutung des bürgerschaftlichen Engagements gesetzt“, bedankte er sich bei allen Aktiven, die zwischen Bensheim in Südhessen, Buchen im Odenwald und Bad Bergzabern in der Südpfalz fleißig gesäubert, geschrubbt, gestrichen oder geschraubt haben.
Im Netz
www.wir-schaffen-was.de/freiwilligentagZur Sache: Der Freiwilligentag
Der Freiwilligentag der Metropolregion Rhein-Neckar wurde 2008 zur Stärkung und verstärkten Sichtbarkeit des bürgerschaftlichen Engagements im Länderdreieck Baden-Hessen-Pfalz ins Leben gerufen. Unter dem Motto „Wir schaffen was“ wird er seitdem alle zwei Jahre am dritten Samstag im September durchgeführt. Er ist eingebettet in die bundesweite Woche des bürgerschaftlichen Engagements und ist die bundesweit größte Veranstaltung dieser Art. Bei den vergangenen Auflagen nahmen jeweils mehrere Tausend Menschen in mehreren Hundert Projekten teil. Die Mannheimer Kreativagentur GO7 ist seit 2020 im Auftrag des Vereins Zukunft Metropolregion Rhein-Neckar (ZMRN) für die Gesamtkoordination zuständig.