Ludwigshafen
Geschichtenerzählerinnen an Ludwigshafener Brüder-Grimm-Schule
Von Andrea Döring Vorm kleinen Knochenmann haben alle Angst. Vergeblich sucht er in der großen Stadt nach einem Freund. Als er schon fast verzweifelt, trifft er auf einen Pinguin. Die Geschichte, die Susanne Tiggemann gemeinsam mit den Kindern der Klasse 2a der Brüder-Grimm-Schule beim achten Internationalen Erzählfest erfindet, nimmt ein gutes Ende. Zusammen mit dem Pinguin reist der Knochenmann zum Nordpol, und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie dort noch heute glücklich und zufrieden.
Mit viel Fantasie gehen die Kinder gemeinsam auf die weite Reise. „Geschichten öffnen Horizonte“ lautete dieses Jahr das Motto beim Erzählfest „Die Welt erzählt“ in der Metropolregion Rhein-Neckar, das seinen Auftakt im Heinrich- Pesch-Haus Ludwigshafen, dem Veranstalter, hatte. Bis zum 22. September haben zwölf Erzähler aus fünf Ländern – finanziell unterstützt von der BASF – Kindern und Erwachsenen lustige und ernste Geschichten im Pesch-Haus, auf Marktplätzen und andernorts geboten. Wie in zahlreichen anderen Städten der Region hat es auch Erzählveranstaltungen an Ludwigshafener Grundschulen gegeben.
Kleiner Knochenmann wird zu Kinderheld
Ein klappriges Skelett steht im Mehrzweckraum im dritten Stock der Brüder-Grimm-Schule. An den Wänden hängen lebensgroße Kinder-Zeichnungen des menschlichen Knochengerüsts. Das Skelett fasziniert sie offensichtlich. Als Tiggemann die Kinder auffordert, einen Helden für eine Geschichte zu finden und ihm einen Namen zu geben, kommt der kleine Knochenmann ins Spiel. Wie ihre Kollegin Selma Scheele, die parallel zu Tiggemann die Kinder mit ihren Geschichten in den Bann zieht, hat sie einen Koffer mit Papptellern und anderen Gegenständen dabei.
Acht Spiele zum Geschichten-Erfinden lassen die Erzählerinnen am Ende im Koffer in der Schule. Story-Teller steht auf dem Papp-Geschirr. Jeder kann als Geschichtenerzähler mitmachen, aber keiner muss, doch es erzählt immer nur ein Kind. Das sind die Regeln, die Scheele und Tiggemann den Kindern erklären.
Einsames Einhorn sucht nach einem Freund
Die Kinder der 3a und 2c erschaffen ein Indien mit blau-weiß-gestreiftem Himmel, in dem der Boden bunt ist und es ganz viele Süßigkeiten gibt. Hier lebt das Einhorn namens Unicorn. Wie der kleine Knochenmann ist auch der Held dieser Geschichte auf der Suche nach einem Freund. Auf der Rückseite der Teller sind in großen Buchstaben Stichwörter geschrieben, die die Kinder in die Erzählung einbauen sollen. „Handy“ steht auf einem. So ruft das Einhorn den Affen an, den er als Freund gewinnen will, aber der geht nicht ans Telefon – aus „Angst“, wie später klar wird. Der Affe hat Angst vor dem spitzen Horn des Fabeltiers. Doch das Einhorn erklärt ihm bei einem ganz altmodischen Besuch beim Affen zu Hause auf dem Sofa, dass das Horn abnehmbar ist. Auch der Affe kann es sich an die Stirn heften. Sie werden Freunde, Ende gut – alles gut.
In der nächsten Geschichte verwandelt sich Scheele mit lebhafter Mimik und Gestik vom respekteinflößenden Schlangenkönig in die freche Mücke, die bei verschiedenen Tieren prüfen soll, wer denn das süßeste Blut hat. Fast wäre das Einhorn zum Opfer des Schlangenkönigs geworden, hätten die Kinder die Mücke nicht an einer Birne saugen lassen. Auch das Thema gesunde Ernährung bewegt sie. Der Schlangenkönig will daraufhin nur noch Birne essen und schrumpft und schrumpft, bis er zum Wurm in einer Birne wird.