Ludwigshafen Geschichten und Spezialitäten aus Eritrea
Spezialitäten aus Eritrea sind am Dienstagabend im Oggersheimer Comeniuszentrum aufgetischt worden. Flüchtlinge aus dem ostafrikanischen Land haben gemeinsam mit Helfern des Arbeitskreises (AK) Flüchtlinge landestypische Gerichte gekocht und Bürger zum gemeinsamen Essen eingeladen.
Bevor aufgetischt wurde, gab es von Pfarrerin Reinhild Burgdörfer Informationen für die Gäste über das Land. Sie erklärte dabei auch, warum Einwohner aus Eritrea auf die Idee kommen, aus ihrer Heimat zu flüchten. Nach diesem kurzen Ausflug in die Politik stand der Genuss im Vordergrund. Der hing unter anderem mit Injera zusammen. Es ist der Name eines weichen, gesäuerten Fladenbrots aus Teffmehl (Zwerghirse). Das Fladenbrot ist fester Bestandteil der eritreischen Küche. Aufgrund seiner weichen Beschaffenheit und seines Geschmacks ist es mit einem Crêpe vergleichbar. Zudem gab es ein Gericht mit Kartoffeln und Karotten sowie Hünherschenkeln und ganzen Eiern. Japan Dirar (27), ein Flüchtling aus Eritrea, zeigte, wie das landestypische Gericht gegessen wird. Dabei wird Injera auf dem Teller ausgebreitet, und die übrigen Gerichte werden in den gewünschten Portionen darauf verteilt. Gegessen wird mit der Hand, wobei ein Stück Injera abgetrennt und zusammen mit übrigen Leckereien in den Mund geschoben wird. Nach dem Essen wird ein Teller umgedreht und auf den eigenen Teller gestellt. Damit wird signalisiert, dass man satt und mit dem Essen fertig ist. Der Dienstagabend diente aber nicht nur dem Genuss, sondern es ging auch ums Kennenlernen. So erzählte Japan Dirar seine Geschichte. Er lebt seit 18 Monaten in Deutschland. In dieser Zeit hat er fließend Deutsch gelernt. Er möchte sich in Ludwigshafen zum Krankenpfleger ausbilden lassen. In seinem Land hat er Psychologie studiert. Ein Jahr vor Abschluss des Studiums kam der Einberufungsbefehl zum Militärdienst, woraufhin er die Flucht ergriff. Der Militärdienst dauere nämlich eine unbestimmte Zeit. Und nach dem Militärdienst würden die Menschen für eine unbezahlte Zwangsarbeit für das Regime eingezogen, erklärte Dirar. Das sei einer der Gründe, weshalb viele Eritreer flüchten. Von einem Onkel, der schon vor 30 Jahren hierher kam und in Frankfurt arbeitet, erfuhr der 27-Jährige von Deutschland. Besonders beeindruckt war Dirar, dass es hier Menschenrechte, Demokratie und Freiheit gibt. Dirar machte sich auf den Weg: zu Fuß nach Äthiopien, per Auto nach Libyen. Mit einem Boot setzte er nach Italien über und kam schließlich in Deutschland an. Jetzt bemüht er sich, hier eine neue Existenz aufzubauen. Der Arbeitskreis Flüchtlinge, der von Burgdörfer betreut wird, veranstaltet seit 2015 „Essen mit Flüchtlingen“ und lädt ins Comeniuszentrum ein. Bisher gab es afghanische, pakistanische, syrische, türkische sowie vietnamesische Gerichte.