Friedhöfe in der Stadt RHEINPFALZ Plus Artikel Germania und Grab-Gestaltung: Ein Besuch auf dem Edigheimer Friedhof

Ein Blick auf den Edigheimer Friedhof, mit der evangelischen Kirche im Hintergrund.
Ein Blick auf den Edigheimer Friedhof, mit der evangelischen Kirche im Hintergrund.

Auf dem Edigheimer Friedhof am Ostring steht die letzte erhaltene Germania-Statue in der Stadt. Das Denkmal hat eine im wahrsten Sinne des Wortes bewegte Vergangenheit. Es hat nämlich schon einmal den Standort gewechselt.

Die Mauer rund um den Edigheimer Friedhof wurde vor einiger Zeit durch eine Gabionenwand ersetzt, also durch ein mit Steinen gefülltes Korbkonstrukt, weil die alte Mauer einsturzgefährdet war. Vor dem Eingang gibt es seitdem auch eine neu bepflanzte Staudenfläche. Das Entree zum Friedhof wirkt dadurch gepflegt und modern.

Seit dem Jahr 1844 befindet sich der Edigheimer Friedhof hier, am Ostring gelegen. Dass er einmal einen anderen Standort hatte, ist nichts Ungewöhnliches, wie Stadtarchiv-Leiter Stefan Mörz weiß. „Ursprünglich waren Friedhöfe immer um die Kirche herum“, berichtet er. Später seien sie dann verlegt worden, unter anderem aus Hygienegründen, damit die Toten außerhalb der Dorfmitte begraben wurden. Und nicht nur der Friedhof war in Edigheim mal an anderer Stelle. Auch das Germania-Denkmal, heute im hinteren Teil des Areals, wurde 1891 laut Stefan Mörz vor der katholischen Kirche aufgestellt. Die war damals noch ein simultanes Gotteshaus. Unumstritten war die auffällige Figur nicht. Der katholische Geistliche fürchtete wohl unter anderem, dass durch den Bau des Denkmals die Totenruhe gestört wird. Doch diese Bedenken konnten zerstreut werden, die Germania wurde errichtet.

Denkmal Anfang dieses Jahrhunderts restauriert

Als in den 1960er-Jahren ein Nachfolgebau für die Kirche kam, versetzte man auch das Denkmal – an seinen heutigen Standort. „Anfang des 21. Jahrhunderts wurde es durch die Bemühungen eines Edigheimer Unternehmers restauriert“, sagt der Archivar. Es erinnert an den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 und an die Menschen aus Edigheim, die daran teilgenommen haben. Die abgebildete Frau trägt eine Rüstung und streckt als Zeichen des Sieges einen Lorbeerkranz empor. Laut Mörz ist es die letzte erhaltene Germania-Figur in Ludwigshafen.

2,67 Hektar Fläche

Der Edigheimer Friedhof ist einer der kleineren in der Stadt. Und mit 2,67 Hektar Fläche auch kleiner als der nahegelegene Oppauer (3,41 Hektar). Irgendwann werden auch hier einmal Arbeiten an der Trauerhalle notwendig sein: Das Innere könnte eine neue Wandfarbe vertragen. „Aber zuerst müssen wir nächstes Jahr dringend die öffentlichen Toiletten sanieren“, sagt Friedhofs-Abteilungsleiterin Heike Rippl beim Termin vor Ort. Die Toiletten sind alt, eng und sie sind weit entfernt von einem barrierefreien Zustand.

Ansonsten mag man denken: Nichts Besonderes auf diesem Friedhof. Doch nur auf den ersten Blick. Es gibt einige historische Gräber zu sehen. Laut Rippl versucht man, sehr alte Grabstätten zu erhalten – etwa wenn sie eine besondere Steinmetzkunst zeigen. Doch auch die eine oder andere moderne Grab-Gestaltung ist zu finden: etwa ein kleiner Metallvogel in einem geschwungenen Stein oder eine spiralförmige Figur, die sich gen Himmel windet. An anderer Stelle: ein hübsch gestaltetes Herz.

Was ist auf Gräbern erlaubt?

Was die Frage mit sich bringt: Was ist auf Gräbern eigentlich erlaubt? Konkrete Gestaltungsvorgaben gibt es relativ wenige. Wie im Gespräch mit Heike Rippl und Gabriele Bindert (Bereichsleitung Grünflächen und Friedhöfe) deutlich wird, ist es oft auch Ermessenssache, ob ein Gestaltungswunsch zugelassen wird. Man versuche dabei, „dem Wandel zuzustimmen. Die Geschmäcker haben sich geändert“, sagt Bindert und nennt als Beispiel Bilder der Verstorbenen auf Grabsteinen. Früher sei das nicht üblich gewesen.

Im Großen und Ganzen gibt es drei Gründe, die dazu führen könnten, dass eine Grab-Gestaltung abgelehnt wird: Wenn es Sicherheitsprobleme gibt – etwa mit einer sehr ungewöhnlichen, hohen und instabilen Konstruktion als Grabmal. Oder auch wenn die Materialien nicht zum Friedhof passen. Was zum Beispiel nicht geht, sind Kunststoffeinfassungen um ein Grabfeld herum. „So etwas haben wir schon abgelehnt“, sagt Heike Rippl. Doch eigentlich gibt es laut der Abteilungsleiterin vor allem eine zentrale Frage: „Entspricht es der Würde des Orts?“ Und die soll schließlich auch hier, auf dem Edigheimer Friedhof, gewahrt bleiben.

Die Serie

Nicht nur um Tod und um Trauern, auch um Leben, um Zukunft und Natur soll es in dieser Serie gehen. Denn all das gehört zu den neun Ludwigshafener Friedhöfen. Wir haben sie besucht.

Auf dem Friedhof steht die letzte erhaltene Germania in Ludwigshafen.
Auf dem Friedhof steht die letzte erhaltene Germania in Ludwigshafen.
Sieht auf Friedhöfen alles gleich aus? Nicht doch – das zeigt diese außergewöhnliche Grab-Gestaltung.
Sieht auf Friedhöfen alles gleich aus? Nicht doch – das zeigt diese außergewöhnliche Grab-Gestaltung.
x