Ludwigshafen Gemeinsam stark

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Mit der aufkommenden Industrialisierung wandelte sich Mutterstadt vom rein landwirtschaftlich geprägten Dorf. Immer mehr Gewerbebetriebe hielten Anfang des 20. Jahrhunderts Einzug in Mutterstadt. Mit ihnen wuchs auch bei den Inhabern der Wunsch, sich zusammenzuschließen und ihre Interessen gemeinsam zu vertreten. So wurde 1900 der Mutterstadter Gewerbeverein gegründet.

Im Gründungsjahr des Gewerbevereins zählte Mutterstadt rund 4300 Einwohner. Zirka 330 von ihnen sind Handwerker oder Händler, ist in der Vereinschronik zum 100-jährigen Bestehen nachzulesen, das der Verein im Jahr 2000 feierte. Sie wollten „zur Wahrung ihrer Interessen“ etwas unternehmen, schrieb Annette Limper, selbst Mitglied und Gewerbetreibende, in der Chronik. Am 8. Februar 1900 fand die erste Generalversammlung in der damaligen Gaststätte „Pfälzer Hof“ statt. Im Juni schloss sich der Mutterstadter Gewerbeverein dem Ludwigshafener Verein an. Die Chronik nennt als weitere Stationen das Ruhen der Vereinstätigkeit von 1933 bis 1947. Die Neugründung nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte am 21. April 1947. „Damals wie heute sieht sich der Verein als Interessengemeinschaft der Gewerbetreibenden“, sagt Vorsitzender Volker Reimer. Der Mutterstadter führt den Verein seit über acht Jahren. Die Gewerbetreibenden der Gründungszeit hatten die Notwendigkeit eines Zusammenschlusses erkannt, um ihre Belange zu regeln: „Es gab Anfang des vorigen Jahrhunderts noch keinen Standesverbund und keine Arbeitnehmervertretungen wie Gewerkschaften, die politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen regeln, so wie heute“, erklärt der Vorsitzende. Der Gewerbeverein hatte somit eine „gewisse gesellschaftliche Funktion“. Dagegen sah die Lage im Handwerk etwas anders aus: „Es gab Innungen, die die Interessen des Handwerks vertraten.“ Während früher die Gewerbetreibenden Belange ihrer Mitarbeiter wie Arbeitszeit oder Krankheit selbst regeln mussten, entwickelte sich mit der Zeit die Sozialgesetzgebung, die diese Aufgabe übernahm. „Immer mehr Bereiche wurden durch Verbände beziehungsweise das Arbeitsrecht geregelt“, zeichnet Volker Reimer die Entwicklung auf. Anlässlich des 100-jährigen Bestehens formulierte der damalige Vorsitzende Thomas Nax das Anliegen des Gewerbevereins: „Unser Ziel ist es, die Rahmenbedingungen für Handel, Handwerk und Dienstleistung zu optimieren, um den Abfluss von Kaufkraft zu minimieren.“ In den Zeiten eines „gnadenlosen Verdrängungswettbewerbes“ müssten die kleinen und mittelständischen Betriebe begreifen, dass vor allem Gemeinsamkeit gefordert sei. Das sei ein wesentlicher Punkt der Arbeit als Gewerbeverein, betonte Nax. Um sich am Ort für die Kunden attraktiv zu präsentieren, veranstaltete der Gewerbeverein regelmäßig Ausstellungen – zuerst in den 1950er-Jahren und dann wieder ab 1987 mit der Ortsmesse. Sie fand zunächst in der Sporthalle der Grundschule und später in der Rundsporthalle statt. Diese Ortsmessen seien „recht erfolgreich“ gewesen, auch wenn der Aufwand nicht im Verhältnis zum Ergebnis stand, erinnert sich Volker Reimer. Allerdings wurden diese Veranstaltungen eingestellt, als die Halle wegen des Sanierungsbedarfs nicht mehr zur Verfügung stand. Im Lauf der Jahre habe sich allerdings gezeigt, dass für reine Gewerbeschauen kein Bedarf mehr sei, sondern eher für ein gesellschaftliches Ereignis. Vor einigen Jahren beschloss der Vorstand, wieder eine Gewerbeausstellung zu veranstalten. Sie fand 2012 und auch 2014 an der Walderholung im Gewerbegebiet Fohlenweide statt - in veränderter Form mit Gastronomie und Unterhaltungsprogramm. Leider gab es 2016 zu wenig Anmeldungen für eine dritte Auflage, bedauert Reimer. Aktuell hat der Gewerbeverein 90 Mitglieder mit leicht steigender Tendenz: Der Verein sei auch heute noch für neue Mitglieder interessant. „Es kommen immer wieder Mitglieder dazu“, freut sich Reimer. Das sei vor dem Hintergrund der Situation bei anderen Vereinen, die um Mitglieder kämpfen, positiv. Wichtig ist ihm auch die Zusammenarbeit mit den Einzelhändlern in der Fohlenweide. Das Gewerbegebiet habe vor einigen Jahren eigene verkaufsoffene Sonntage eingeführt – nicht als Konkurrenz, sondern als Termine, die auf die Fohlenweide konzentriert und fokussiert seien. „Wir begrüßen das nach wie vor“, sagt der Gewerbevereinsvorsitzende: „Es gibt ein gedeihliches Miteinander der Betriebe in der Ortsmitte und im Gewerbegebiet.“ |mmö

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