Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Gemeinsam gärtnern: Wie ehrenamtliche Pflanzenfreunde den Luisenpark prägen

Der Gemüsegarten ist ein beliebtes Ziel der Hobbygärtner, die hier nicht nur Unkraut bekämpfen, sondern auch ernten dürfen.
Der Gemüsegarten ist ein beliebtes Ziel der Hobbygärtner, die hier nicht nur Unkraut bekämpfen, sondern auch ernten dürfen.

Die rund 30 Gärtner im Mannheimer Luisenpark bekommen einmal in der Woche ehrenamtliche Unterstützung: Was das Programm „Gemeinsam Gärtnern“ so besonders macht.

Die damalige gärtnerische Leiterin Ellen Oswald hatte 2016 die Idee der ehrenamtlichen Mitarbeit. Rund 30 Helferinnen und Helfer treffen sich jeden Dienstag um 10 Uhr an dem kleinen Pavillon, knapp 100 Meter vom Haupteingang entfernt und ziehen dann gemeinsam mit den Gärtnern ins jeweilige Einsatzgebiet. Ganze 15 waren es an diesem Dienstag.

Und die hörten zunächst einmal ein kurzes Loblied vom Kamelienexperten Alexander Haas. Allerdings nicht auf sich, sondern viel mehr auf die Minze. „Es war der Wunsch aus der Gruppe, dass wir wieder Vorträge über Heilpflanzen halten“, erklärte Haas den kurzen Exkurs, der sich aber, wie die Minze auch, überaus anregend auf die Tatkraft der 13 Damen und zwei Männer auswirkte. Die konnten es kaum abwarten, zur Einsatzstelle zu kommen.

Gabriele Schönrock (unten) und Claus-Jürgen Lenz waren in der Vogelvoliere aktiv.
Gabriele Schönrock (unten) und Claus-Jürgen Lenz waren in der Vogelvoliere aktiv.

Mit Haas machten sich fünf Personen auf den Weg in die Vogelvoliere. „Da waren wir vor ein paar Wochen schon einmal“, wusste Gisela Kuhn. Aber schon beim Parkbesuch mit der Enkelin vor ein paar Tagen hatte die Rentnerin eine kleine Vorahnung. „Das Gebiet, das wir neulich so schön freigeräumt hatten, war nach dem Regen in den vergangenen Tagen schon wieder komplett zugewachsen.“ Die konkreten Anweisungen von Haas hatte sie daher kaum noch nötig. Der verwies lediglich auf die schützenswerte Schafgarbe, die in diesem Bereich stehen bleiben dürfe. „Ansonsten kann hier alles raus.“ Der Experte wusste neben dem Regen noch einen weiteren Grund für das schnelle Unkraut-Wachstum: „Der Vogelkot fungiert hier als Dünger.“ Aussagen, die einer der Gründe sind, warum die Freiwilligen die Nähe zu den Gärtnern suchen. „Sie wissen enorm viel und das hat mir auch für den eigenen Garten schon sehr viel geholfen“, bestätigte Kuhn.

Männer in der Minderheit

Claus-Jürgen Lenz ist zwar in der Nähe von Stuttgart aufgewachsen, mittlerweile aber in Mannheim zu Hause. Und er kennt den Park schon aus der Kindheit: „Ich habe die erste Bundesgartenschau mit elf Jahren miterlebt. Wir haben damals häufiger meinen Großvater in Mannheim besucht.“ Noch länger betätigt er sich gärtnerisch. „Meine erste Kultur aus Gebirgspflanzen hatte ich mit zehn Jahren.“ Mittlerweile habe er sich auf fleischfressende Pflanzen spezialisiert. „Die habe ich auf meiner 40 Quadratmeter großen Terrasse.“ Knapp 500 Meter vom Luisenpark lebe er mittlerweile. Deshalb sei es auch keine Frage gewesen, dass er das gärtnerische Angebot annimmt und als einer von wenigen Männern einer Minderheit angehört. Eine Rolle spielt das für ihn nicht. „Es macht einfach Spaß!“ Deshalb habe er sich schließlich auch schon während der Buga 2023 engagiert. Neben ihm sind es einige, die die bunten Shirts der Blumenschau vor zwei Jahren tragen.

Brigitte, die ihren Nachnamen und auch ihr Alter nicht nennen wollte, gehörte nicht dazu. Dafür ist sie schon von Anfang an im Team der Hobbygärtner mit dabei. „Ich habe damals ein kleines Schild im Park gesehen. Beim ersten Mal waren wir höchstens drei oder vier Leute.“ Aber es sei schön, wie sich die ganze Aktion entwickelt habe. Auch wenn sie selbst ihre Liebe zur Gärtnerei erst über Umwege fand: „Ich musste früher immer meiner Oma helfen und habe es wirklich gehasst.“ Das sieht man ihr mittlerweile nicht mehr an.

Unter Anleitung von Gärtnerin Johanna hilft sie mittlerweile gerne im Gemüsegarten neben dem Freizeithaus. „Die meisten sind schon seit ein paar Jahren dabei“, wusste Johanna, eine der professionellen Betreuerinnen der Gruppe. „Wir finden immer etwas, was es hier im Park zu tun gibt.“ Und wenn man die Leute ein wenig besser kennt, könne man einzelne auch selbstständig arbeiten lassen.

Kaffee als Lohn

Lohn dafür ist der Kaffee nach zwei Stunden getaner Arbeit. „Und wir machen ein kleines Treffen zur Saisoneröffnung im Frühjahr und eins zum Abschluss im Oktober.“ Mehr Lohn erhalten die Helfer nicht. Trotzdem sind alle mit viel Leidenschaft dabei. Denn alle wissen, dass sie mit ihrem Engagement zur Attraktivität des Luisenparks beitragen. Und Freundschaften sind unter ihnen auch schon entstanden.

Die Gruppe „Gemeinsam Gärtnern“ trifft sich jeden Dienstag um 10 Uhr am Pavillon kurz nach dem Haupteingang. Von hier aus geht es dann an den jeweiligen Einsatzort. Mitbringen muss man lediglich gute Laune, Handschuhe und, wenn möglich, eine Pflanzenschere.

Die Serie

Der Luisenpark ist die bekannteste Grünanlage in der Region. In diesem Jahr feiert sie 50. Jubiläum. Zu diesem Anlass gehen wir für Sie auf die Suche nach „Park-Geschichten“.

Weitere Teile der Serie lesen Sie hier:

Den Luisenpark durch Kinderaugen entdecken

Wie ein Pfälzer den Herzogenriedpark prägte

Ein grünes Paradies mit Geschichte

Luisenpark kurios: Reicher Gast, Pinguin ohne Kopf, Schildkröte im Zug, Junge mit Boot

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