Ludwigshafen Gefeiert und getrauert
Die Veranstalter von Straßenfasnacht und Dämmerumzug haben sich am Samstag in Absprache mit Stadtspitze und Polizei für die Austragung entschieden. „Wir lassen uns nicht durch den Terror in die Knie zwingen“, sagte Ortsvorsteher Christopher Heller (CDU) mit Blick auf die Ereignisse in Paris.
Das Höhenfeuerwerk, den bunten Sternenregen und die Glitzereffekte zum Abschluss des fast zehnstündigen Spektakels in der Innenstadt widmeten die rund 1000 Teilnehmer den Opfern der Anschläge vom Freitagabend in der französischen Hauptstadt. „Mit dem Feuerwerk gedenken wir in Stille an die Menschen, die in Paris Opfer der Attentate wurden“, meinte Heller mit leiser Stimme. Dem Süd-Ortsvorsteher sowie seinem Freund, Jockel Mendel, Vorsitzender der „Huddelschnuddler“, fiel es unter diesen Umständen alles andere als leicht, die „Strossefasnacht“ auszurichten. In Abstimmung mit Oberbürgermeisterin Eva Lohse (CDU), Stadtmarketingchef Michael Cordier und Polizeivertretern gaben sie erst wenige Minuten vor dem geplanten Auftakt „grünes Licht“ für die elfte Ausgabe dieser närrischen Veranstaltung. „Es ist uns nicht egal, was in Paris geschehen ist. Aber wir lassen uns nicht vorschreiben, wie wir unsere Kultur und unser Kulturgut leben, und wir lassen uns nicht durch den Terror in die Knie zwingen. Das ist eine Entscheidung zu Ehren der Demokratie und der Freiheit. Freiheit, das ist das höchste Gut, das lassen wir uns nicht nehmen. Wir stehen im Schulterschluss zu Europa und zu Frankreich“, sagte Heller. Für seine Worte zur Eröffnung als auch abends vor dem Start des Dämmerumzugs erhielt der Christdemokrat lang anhaltenden Applaus. „Das war die richtige Entscheidung, nur so können wir dem Terror entgegentreten, ohne dabei die Opfer zu vergessen“, sagte Miss Lu, Sandra Krobath, die den Lindwurm der Hexen, Feen, Geister und Teufel durch die dunkle Innenstadt zusammen mit Mendel anführte. „Ich finde, die Vereine rund um Christoph Heller haben sich viele Gedanken gemacht und sich mit hoher Sensibilität richtig entschieden“, sagte Michael Cordier als Verantwortlicher der Marketinggesellschaft Lukom. „Für mich war das eine der schwersten Entscheidungen, die ich je zu treffen hatte“, sagte Heller gestern im RHEINPFALZ-Gespräch. Ab Samstag, 6 Uhr, sei er permanent in Kontakt mit Mendel, OB Lohse und der Lukom gewesen. Hellers und Mendels Konzept, die Menschen – aller schrecklichen Nachrichten zum Trotz – auf der Straße zusammenzubringen, ging beim närrischen Jubiläum auf. Die „Asselheimer Grottehexe“ erinnerten bei ihrem Auftritt an die Ereignisse in Paris. Sie hatten kurzfristig das Logo „Pray for Paris“ (Beten für Paris) an ihren Kostümen befestigt. Unter dem Motto „Spass uff de Gass“ spielten die Guggenmusiker lautstark auf und verwandelten die Innenstadt zwischen Stadtbücherei und Rathaus-Center zu einer Partymeile. 49 Gruppen aus dem gesamten süddeutschen Raum zogen in ihren Kostümen, Masken und Besen durch die Fußgängerzone. Es regnete Konfetti, zudem wurden Bonbons geworfen. In ihrem Element waren die „Freie Krähenhexe“ aus Schutterwald, die so mancher jungen Frau die Schuhe auszogen und rotzfrech die Schnürsenkel stibitzten. Einige der Flüchtlinge, die derzeit in zwei Hallen auf dem Messplatz untergebracht sind, schauten neugierig zu machten Selfies mit den Hexen. Unterstützt von Ex-Miss Lu Anita Hauck führte Heller durch das Programm. Auf der Bühne vor dem Lichttor am Rathaus wurde dann allerhand Klamauk geboten. Nach dem Start um 11.11 Uhr traten Musik-, Tanz- und Gardegruppen der mit den „Huddelschnuddlern“ befreundeten Vereine sowie Geburtstagskind Jens Huthoff und seine „Golden Memorys“ auf. Einer der Höhepunkte war kurz vor dem Start des Dämmerumzugs der Auftritt von Sänger Tal Ötzi. Die Gruppe „Feierdeifel Oberacker“ wurde als schönste Gruppe ausgezeichnet. Die „Grawana Sparglbadscha“, die „Meenzer Rhoigeister“ und die „Hoggema Ringdeifel“ lieferten kernigen Guggensound, ehe die „Huddelschnuddler“ auf das Höhenfeuerwerk einstimmten – auch in Gedenken an die Opfer von Paris.