Ludwigshafen Gefängnisse und Galaxien

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Daniil Charms und Robert Sheckley sind die Lieblingsschriftsteller des russischen Künstlers und Filmemachers Alexander Borodynja. In seinem 45-minütigen Film „Applikation“ huldigt er den Visionen und Ideen der beiden Männer. In Ludwigshafen hat er den Film vorgestellt.

Die Besucher im Künstlerhaus Cinema Paradiso & Arte im Hemshof erhielten vor dem Film erst einmal Informationen zu den Autoren, denen „Applikation“ gewidmet ist. Daniil Charms’ (1905-1942) Werke waren zu Zeiten der Sowjetunion verboten. Erst mit der Perestroika wurden sie gedruckt. Heute ist der Autor aus St. Petersburg ein bekannter Vertreter der russischen Avantgarde. Charms interessierte sich für den Futurismus. Er wollte die traditionellen Gattungsgrenzen der Literatur auflösen und plante neuartige Kunstprojekte, in denen auch Theater, Film und Malerei einen Platz finden sollten. Doch in der Zeit des Stalinismus wurden seine Werke verboten, um zu überleben, schrieb Charms Geschichten für Kinder. Mehrfach wurde er verhaftet und starb 1942 unter ungeklärten Umständen. Es wird vermutet, dass er in einem Leningrader Gefängnis verhungert ist. Weniger bekannt ist der Autor Robert Sheckley (1928-2005). Er schrieb zahlreiche Science-Fiction-Geschichten, von denen einige als Vorlage für Filme dienten. Ein Text hat es Alexander Borodynja besonders angetan. Es ist ein Briefwechsel zwischen den Behörden, die für den Bau der Galaxien verantwortlich sind, und dem Galaxiedesignbüro. So gibt es in einer Galaxie einen Zeitriss, und die Bewohner einer bestimmten Wohnung können in der Zeit hin und her springen. Doch das birgt Gefahren, deshalb muss dieser Riss im Raum-Zeit-Gefüge geschlossen werden. Der seit einigen Jahren in Ludwigshafen lebende Künstler und Regisseur stammt aus Moskau und hat 20 Romane, viele Erzählungen, Theaterstücke und Drehbücher verfasst, seit 2000 unterhält er sein eigenes Filmstudio. Ihm zur Seite steht Raissa Imenitova. Die Bibliografin und Redakteurin, die ebenfalls aus Moskau kommt, hat an „Applikation“ mitgearbeitet. Die Kurzgeschichte von Sheckley und das tragische Ende von Charms sind die Basis von Borodynjas Film. In der Irrenanstalt eines Gefängnisses liegt ein Mann im Sterben. Plötzlich ist er verschwunden und eine Frau ist in der Zelle. Die Naturgesetze scheinen nicht mehr zu gelten: Es regnet im Zimmer, der Baum vor dem Gefängnis ist durchsichtig, und die Frau kann durch Wände gehen. Sie trifft auf eine andere Frau, die sie mit in ihre Zelle nimmt. Von dort unternehmen sie Ausflüge in andere Welten. Beobachtet werden sie von zwei Männern, die man mit dem Wissen um Sheckleys Geschichte als Galaxiedesigner sehen kann. Dazu kommen zahlreiche Bezüge zu und Zitate aus Charms Werken. „Applikation“ ist nicht einfach zu verstehen, die Bilder nicht leicht zugänglich, für Kenner der Materie aber durchaus interessant. Auch Freunde des Dadaismus dürften auf ihre Kosten kommen, obwohl laut Borodynja die dadaistischen Elemente „rein zufällig“ sind.

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