Fragen & Antworten RHEINPFALZ Plus Artikel Gefährlicher Hochwasser-Tourismus

Blick von der Schneckennudelbrücke: Der Rhein hat die Parkinsel-Nordspitze und den Stadtpark überflutet.
Blick von der Schneckennudelbrücke: Der Rhein hat die Parkinsel-Nordspitze und den Stadtpark überflutet.

Seit einer Woche führt der Rhein Hochwasser. Zahlreiche Schaulustige pilgern auf die Parkinsel oder an die Uferpromenade um Fotos zu schießen. Einige Spaziergänger betreten auch den Stadtpark. Warum das sehr gefährlich ist und womit die Anrainer am Fluss in den kommenden Tagen rechnen müssen.

Wie ist die aktuelle Lage?
Regenfälle und milde Temperaturen, die andernorts zur Schneeschmelze führen, haben den Rheinwasserstand steigen lassen. Der Flusspegel ist zwischen Ludwigshafen und Mannheim am vergangenen Wochenende binnen 48 Stunden auf über sieben Meter angeschwollen. Zum Vergleich: Der zehnjährige Mittelwert am Rheinpegel Mannheim liegt bei 3,02 Metern. Der Pegel ist seit einer Woche auf einem konstant hohen Niveau. Am Freitagmorgen wurden 7,38 Meter gemessen.

Wie ist das Hochwasser einzuordnen?
Es wird wohl nicht zu den zehn Höchstwasserständen in Ludwigshafen gehören. Der höchste je gemessene Pegel war bei der Hochwasserkatastrophe um die Jahreswende 1882/83 mit 9,17 Meter gemessen worden. Im Juni 2013 war das letzte gravierende Hochwasser in der Stadt (8,35 Meter). Damals war der Stadtpark auf der Parkinsel überflutet und das Filmfestivalgelände evakuiert worden.

Warum ist es gefährlich, sich in gesperrten Bereichen aufzuhalten?
Die Rheindeiche stehen durch das Hochwasser unter Druck und sind aufgeweicht. Passanten sollten daher nicht auf den Deichen herumlaufen, appellieren die Verantwortlichen. Außerdem steht ein Teil des Stadtparks auf der Parkinsel unter Wasser. Dadurch werden die Bäume unterspült, können ihre Standfestigkeit verlieren und umfallen. Daher herrscht Lebensgefahr beim Betreten des Parks – trotzdem werden Absperrungen von Schaulustigen ignoriert, wie in den vergangenen Tagen zu beobachten war. Die Stadtverwaltung appelliert an alle Bürger, den Park nicht zu betreten. Auch wenn sich das Wasser zurückgezogen hat, müssen Experten der Stadtgärtnerei erst die Bäume im Park auf ihre Standfestigkeit untersuchen, bevor die Spazierwege wieder freigegeben werden können.

Was ist mit dem Neubaugebiet auf der Parkinsel?
Fast alle Neubauten liegen hinter der Hochwasserschutzmauer, die Häuser auf der Uferkante sind Teil davon. Die Schutzmauer ist auf ein Hochwasser ausgerichtet, wie es nur alle 200 Jahre vorkommt. Auch der Altbestand ist durch einen ertüchtigten Deich an der Parkstraße geschützt, wegen tiefliegenden Kellern und Gärten kann es dort zu Problemen mit Druckwasser kommen.

Was war das bisher schlimmste Hochwasserereignis?
In der Nacht zum 30. Dezember 1882 brach bei Oppau der Rheindamm – mit verheerenden Folgen für die umliegenden Gemeinden. Als sich das Wasser im Januar wieder zurückzog, hinterließ es eine Spur der Zerstörung. Die Flut hatte in Ludwigshafen und umliegenden Gemeinden 36 Tote gefordert. 4200 Menschen hatten ihr Zuhause verloren – das waren mehr als zehn Prozent der damaligen Bevölkerung. Der Damm bei Oppau liegt gegenüber der Neckareinmündung in den Rhein und geriet deshalb zusätzlich unter Druck. Er war schnell durchweicht – den immer mehr anschwellenden Wassermassen konnte er nicht standhalten.

Kann so etwas noch einmal passieren?
Die Katastrophe von 1882/83 wirkt bis heute nach: 2010 haben sich Ludwigshafen, Frankenthal, der Rhein-Pfalz-Kreis, die Gemeinde Bobenheim-Roxheim, der Gewässer-Zweckverband Isenach-Eckbach und die BASF zur Hochwasser-Partnerschaft „Nördliche Vorderpfalz“ zusammengeschlossen, um sich für einen solchen Extremfall zu wappnen. In den vergangenen Jahren sind Überflutungsflächen (Polder) und Pumpwerke geschaffen worden, die verhindern, dass ein Wasserrückstau aus Isenach, Eck- und Rehbach das Hinterland überflutet. Außerdem wurde auf Oppauer Gemarkung zwischen dem BASF-Nordhafen und der A 6 ein sogenannter Riegeldamm gebaut, der im Falle einer Überflutung des Rheinhauptdeiches verhindern soll, dass weite Teile von Ludwigshafen von Norden her überflutet werden.

Die Schilder sind eindeutig: Doch es gibt Schaulustige, die sich nicht daran halten.
Die Schilder sind eindeutig: Doch es gibt Schaulustige, die sich nicht daran halten.
Weite Teile des Stadtparks sind überflutet, die Bäume könnten umkippen.
Weite Teile des Stadtparks sind überflutet, die Bäume könnten umkippen.
x