Ludwigshafen
Gebäudereiniger: „Unternehmen und Gewerkschaft verfolgen gemeinsames Ziel“
„Gebäudereiniger: Mehr Lohn und Respekt gefordert“ – so war ein RHEINPFALZ-Artikel betitelt, in dem sich die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) Rheinhessen-Vorderpfalz zur aktuellen Situation in der Branche äußert. Dazu erklärt die Obermeisterin der Gebäudereiniger-Innung Rheinhessen-Pfalz, Hélène Staiber (Geschäftsführerin Erstes Ludwigshafener Reinigungsinstitut „Viktoria“ G. F. Hehl GmbH & Co. KG) aus Ludwigshafen: „Unternehmen und Gewerkschaft verfolgen im Gebäudereiniger-Handwerk ein gemeinsames Ziel: mehr Anerkennung, Respekt und Wertschätzung für die Beschäftigten.“ Die Tarifpolitik der vergangenen Jahre zeige, dass beide Sozialpartner hierfür Verantwortung übernommen und gemeinsam tragfähige Lösungen entwickelt hätten.
„Besonders hohe Tarifbindung“
Das Gebäudereiniger-Handwerk gehöre zu den Branchen mit einer besonders hohen Tarifbindung. „Es gelten allgemeinverbindliche Branchenmindestlöhne sowie ein allgemeinverbindlicher Rahmentarifvertrag. Diese Regelungen stehen für verbindliche soziale Standards und faire Arbeitsbedingungen in unserer Branche“, so Staiber. Auch die Lohnentwicklung belege dieses Engagement: Der allgemeinverbindliche Branchenmindestlohn für ungelernte Beschäftigte sei zwischen 2016 und 2026 um mehr als 50 Prozent gestiegen und damit deutlich stärker als die allgemeine Preisentwicklung. „Die Beschäftigten wurden somit überdurchschnittlich an den Tarifsteigerungen beteiligt.“ Gleichzeitig müssten die aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen berücksichtigt werden. Die jüngste Frühjahrs-Konjunkturumfrage des Bundesinnungsverbands der Gebäudedienstleister zeige ein so pessimistisches Stimmungsbild wie nie zuvor seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2019. Viele Unternehmen stünden unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Steigende Kosten, eine schwache Konjunktur und zurückhaltende Investitionen belasteten die Betriebe zunehmend.
„Augenmaß und Verantwortungsbewusstsein“
Vor diesem Hintergrund brauche die kommende Tarifrunde Augenmaß und Verantwortungsbewusstsein auf beiden Seiten. Staiber: „Als Innung tragen wir Verantwortung für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit unserer Mitgliedsbetriebe und die Sicherung von Arbeitsplätzen. Tarifliche Lösungen müssen daher sowohl den berechtigten Interessen der Beschäftigten als auch den wirtschaftlichen Realitäten der Unternehmen gerecht werden. Nur so können wir langfristig faire Löhne, sichere Arbeitsplätze und eine starke Branche gewährleisten.“
Rund 3560 Gebäudereiniger arbeiten laut der IG BAU in Ludwigshafen, wo rund 90 Gebäudereinigungsunternehmen ansässig sind. Die Gewerkschaft beruft sich bei den Zahlen auf Angaben der Arbeitsagentur. Mit Blick auf den „Tag der Gebäudereinigung“ (15. Juni) fordert die IG BAU einen „Respekt- und Lohn-Schub“ für die Arbeit im Reinigungsgewerbe. Es gehe um mehr Anerkennung und um ein gutes Auskommen gegen Altersarmut.